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Die diesjährige Sommerhitze lässt den Strombedarf für die Kühlung von Gebäuden deutlich steigen. Darauf deuten aktuelle Stromverbrauchs- und Temperaturdaten hin. Das Solar Cluster Baden-Württemberg leitet daraus für heiße Sommermonate einen zusätzlichen Strombedarf für Kühlung von rund einer Terawattstunde pro Monat ab. Gleichzeitig erzeugen Photovoltaik-Anlagen gerade im Sommer besonders viel Strom:
Im Juni und Juli 2026 flossen laut Fraunhofer ISE (Energy Charts) rund 11 TWh Solarstrom pro Monat in das öffentliche Netz. Der zusätzliche Strombedarf für die Klimatisierung entspricht rechnerisch knapp 10 % dieser Solarstrommenge. Das Solar Cluster Baden-Württemberg sieht darin ein weiteres Argument für einen konsequenten Photovoltaik-Ausbau. Der Branchenverband empfiehlt, den künftig erwartbaren Kühlbedarf bei der Planung von Photovoltaik-Anlagen zu berücksichtigen. Batteriespeicher können die Nutzung des Solarstroms bis in die Abendstunden verlängern.
Künftigen Strombedarf im Blick haben
„Heiße Sommer erhöhen den Kühlbedarf – gleichzeitig liefert die Photovoltaik gerade dann besonders viel Strom. Dieses Potenzial müssen wir auf Dächern und Freiflächen konsequent nutzen“, sagt Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Solar Clusters Baden-Württemberg (Solar Cluster BW). „Wer heute eine Photovoltaik-Anlage plant, sollte deshalb auch den künftigen Stromverbrauch berücksichtigen.“
Besonders gut lässt sich Solarstrom dort direkt nutzen, wo tagsüber viel Kühlung benötigt wird. Dazu zählen Büro- und Verwaltungsgebäude sowie Einkaufszentren, aber auch Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime. Gerade soziale Einrichtungen müssen sich stärker auf längere Hitzeperioden und hohe Temperaturen einstellen. Eigene Photovoltaik-Anlagen können einen Teil des dafür benötigten Stroms unmittelbar bereitstellen und den Bezug des teureren Netzstroms reduzieren. Auch Kommunen tragen dazu bei, den wachsenden Strombedarf zu decken, indem sie geeignete Flächen für Solarparks sichern und den Ausbau vor Ort unterstützen.
Hohe Solarstromerzeugung trifft auf steigenden Kühlbedarf
Um den zusätzlichen Strombedarf an heißen Sommertagen abzuschätzen, hat das Solar Cluster BW Stromverbrauchsdaten aus den Energy-Charts des Fraunhofer ISE mit den jeweiligen Außentemperaturen verglichen. Die Auswertung zeigt einen deutlich höheren Stromverbrauch an besonders warmen Tagen. Die Experten des Branchenverbands haben daraus einen zusätzlichen Strombedarf für Kühlung von rund einer Terawattstunde pro Sommermonat errechnet.
Der Mehrbedarf konzentriert sich auf die Jahreszeit, in der Photovoltaik-Anlagen den meisten Strom erzeugen. Ein Teil des zusätzlichen Verbrauchs lässt sich deshalb gut mit Solarstrom decken. Ein Vergleich zeigt die Größenordnung: Rund ein Zehntel des im Juni beziehungsweise Juli 2026 eingespeisten Solarstroms würde allein für die Deckung des zusätzlichen Kühlstrombedarfs benötigt, so die Berechnung des Verbands.
Mehr Klimaanlagen erhöhen den Strombedarf weiter
Mehr Hitzetage und die zunehmende Verbreitung von Klimaanlagen dürften den Stromverbrauch für die Kühlung in den kommenden Jahren weiter steigen lassen. Einen Anhaltspunkt für die Entwicklung liefern bisherige Untersuchungen des Umweltbundesamts: Zwischen 2007 und 2013 nahm der Anteil klimatisierter Privathaushalte jährlich um rund sechs Prozent zu. Für eine vereinfachte Szenariorechnung setzt das Solar Cluster BW einen künftig höheren Zuwachs von 10 % pro Jahr an. Wächst der Strombedarf im gleichen Maß, wären rechnerisch jährlich rund 1,2 Gigawatt zusätzlicher Photovoltaikleistung erforderlich, um den Mehrverbrauch der neuen Klimaanlagen zu decken. Das entspricht einem jährlichen Zubau von rund 600 Freiflächenanlagen mit jeweils zwei Megawatt installierter Leistung oder rund 120.000 Aufdachanlagen auf Wohnhäusern mit jeweils 10 KW installierter Leistung. Dies allein, um die zusätzlichen Klimaanlagen mit Strom zu versorgen.
„Diese Rechnung zeigt, welche Größenordnung allein hinter einem wachsenden Kühlstrombedarf steckt“, erklärt Carolin Grieshop. „Photovoltaik macht uns unabhängiger von fossilen Energien und verringert den Kapitalabfluss für Energieimporte. Zugleich deckt sie den wachsenden Strombedarf an heißen Sommertagen. Batteriespeicher machen den Solarstrom auch abends nutzbar.“
Batteriespeicher bringen Solarstrom in den Abend
Dass sich eingespeicherter Solarstrom für die Kühlung im Sommer eignet, zeigen Gebäudetemperaturen. An heißen Tagen nehmen Bauteile und Innenräume im Tagesverlauf Wärme auf und geben sie bis in den Abend hinein wieder ab. Entsprechend ist auch dann noch Kühlung erforderlich, wenn die Photovoltaik-Anlage weniger Strom erzeugt.
Für diese späten Stunden können Batteriespeicher die Versorgung übernehmen. So lässt sich ein größerer Teil des Kühlstrombedarfs mit selbst erzeugtem Strom decken. Gerade bei Gebäuden mit einem hohen Kühlbedarf ist es deshalb sinnvoll, Photovoltaik-Anlage und Speicher gemeinsam zu dimensionieren. Alternativ kann tagsüber die thermische Masse des Gebäudes besonders stark heruntergekühlt werden, um die direkte Nutzung der Sonnenenergie zu erhöhen und den Kühlbedarf am Abend – und damit die Entladung der Batterien – zu verringern.
Erst Hitze vermeiden, dann effizient kühlen
Das Solar Cluster BW empfiehlt zudem, den Kühlbedarf möglichst gering zu halten, beispielsweise durch Verschattung, eine geeignete Wärmedämmung, moderne Fenster oder Nachtlüftung. „Der beste Strom ist weiterhin der, der gar nicht erst verbraucht werden muss“, so Grieshop. „Wo Kühlung notwendig ist, bietet Photovoltaik aber sehr gute Voraussetzungen, den Bedarf kostengünstig zu decken.“
Kältetechnik bereits heute ein großer Stromverbraucher
Der zusätzliche Verbrauch an heißen Tagen trifft auf einen bereits hohen Strombedarf. Kältetechnik in Haushalten, Supermärkten, Rechenzentren und Industrie verbraucht laut einer VDMA-Studie mit Bezugsjahr 2017 rund 73 TWh pro Jahr. Steigende Temperaturen und der wachsende Kühlbedarf der Rechenzentren dürften den Verbrauch weiter erhöhen. Auch deshalb sollten Photovoltaik und Speicher konsequent ausgebaut werden. ■
Quelle: Solar Cluster Baden-Württemberg / ml