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Neues Netzwerk stärkt Wärmenetze mit Großwärmepumpen

In Baden-Württemberg sollen Großwärmepumpen künftig eine zentrale Rolle in der Nah- und Fernwärmeversorgung übernehmen. Sie nutzen Wärme aus Flüssen, Seen, Grundwasser, Abwasser oder industriellen Prozessen und ermöglichen so den schrittweisen Ersatz fossiler Energieträger. In der kommunalen Wärmeplanung des Landes sind Großwärmepumpen bereits nahezu flächendeckend vorgesehen. Planung, Genehmigung, Finanzierung und Integration in bestehende Netze stellen Kommunen, Versorger und Planer jedoch vor komplexe Herausforderungen.

Um die Nutzung von Großwärmepumpen zu beschleunigen, wurde Ende 2025 das Netzwerk Großwärmepumpen gegründet. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) leitet das Netzwerk, das Unternehmen, Planer, Kommunen, Energieagenturen, Behörden und Wissenschaft zusammenbringt. Mit den Kompetenzzentren „Wärmewende“ und „Wasser und Boden“ verfügt die Landesenergieagentur über umfassendes Know-how zu Großwärmepumpen und Gewässerschutz.

So hilft das Netzwerk: von Lösung bis Austausch

Das Netzwerk bietet Unterstützung bei Planung und Genehmigung, stellt belastbare Zahlen, Daten und Fakten bereit und sammelt Best-Practice-Beispiele. Es informiert über regulatorische Rahmenbedingungen, Technologieübersichten sowie Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Wärmeerzeugern wie Kraft-Wärme-Kopplung, Photovoltaik oder Solarthermie. Praktische Hilfen zur Dimensionierung, Auslegungstabellen und Rechenhilfen sind ebenso Teil des Angebots wie eine Übersicht qualifizierter Akteure aus Planung, Herstellung und Projektentwicklung.

Darum sind Großwärmepumpen wichtig für die Wärmenetze

Großwärmepumpen sind besonders effizient, wenn sie Wärmequellen mit hoher und konstanter Temperatur nutzen können. Dazu zählen Wasservorkommen wie Flüsse, Seen, Grundwasser und Abwasser oder industrielle Abwärme. In Wärmenetzen werden Großwärmepumpen häufig im Verbund mit anderen Technologien betrieben. Ein typisches Beispiel ist die Kombination mit Blockheizkraftwerken: Die Wärmepumpe nutzt günstigen, erneuerbaren Strom, während das Blockheizkraftwerk einspringt, wenn dieser nicht ausreichend verfügbar ist. So wird die Versorgung wirtschaftlich und sicher gestaltet.

Für bestehende Wärmenetze ist der Umstieg auf Großwärmepumpen schneller umsetzbar als bei Einzelheizungen. Durch die Umrüstung eines Netzes können viele tausende Haushalte gleichzeitig klimafreundlicher heizen. Neue Wärmenetze ermöglichen von Anfang an den Verzicht auf fossile Energien.

Das sind Zielvorgaben und Herausforderungen

Derzeit stammen etwa drei Viertel der Energie in deutschen Wärmenetzen aus Erdgas und Kohle, häufig in Kombination mit Kraft-Wärme-Kopplung. Baden-Württemberg strebt bis 2030 einen Großwärmepumpenanteil von mindestens 15 Prozent und bis 2040 von mindestens 25 Prozent an. Die Anlagen können den fossilen Anteil deutlich reduzieren und bei neuen Netzen vollständig ersetzen.

Die Integration von Großwärmepumpen ist technisch und organisatorisch anspruchsvoll. Die Anlagen müssen in komplexe Gesamtsysteme eingebunden werden, und es sind zahlreiche Genehmigungen erforderlich. Besonders bei der Nutzung von Fließgewässern und Seen müssen naturschutzrechtliche und gewässerökologische Vorgaben eingehalten werden. Eine wasserrechtliche Erlaubnis nach dem Wasserhaushaltsgesetz ist in der Regel notwendig und umfasst die Entnahme und Wiedereinleitung von Wasser sowie die Prüfung von Temperaturänderungen und Fischschutz. Je nach Standort und Art des Gewässers können weitere Genehmigungen, etwa aus dem Baurecht, Naturschutzrecht oder Denkmalschutz, relevant werden.

Ausblick: Großwärmepumpen als Baustein für die klimaneutrale Wärmeversorgung

Großwärmepumpen bieten großes Potenzial für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Mit dem landesweiten Netzwerk und der fachlichen Unterstützung der KEA-BW können Kommunen und Unternehmen die Herausforderungen bei Planung, Genehmigung und Betrieb besser meistern und die Wärmewende in Baden-Württemberg voranbringen. ar / KEA-BW