Springe zum Hauptinhalt Skip to main navigation Skip to site search
Kommentar

Was ist der wichtigste Grund für die Energiewende?

Geht es um sinkende Stromkosten? Oder dreht es sich um die Unabhängigkeit? Ist die künftige Wirtschaftlichkeit der ausschlaggebende Faktor oder steht schlussendlich doch das Klima im Mittelpunkt? Warum die Energiewende eine zentrale Aufgabe für Deutschland und Europa ist, dafür gibt es viele verschiedene Gründe. Akteure der Transformation äußern sich entsprechend ihrer Rolle, sodass Industrieunternehmen andere Gründe liefern als Klimaschutzverbände. Zum Teil verändern sich die Motive durch aktuelle Ereignisse in der Welt und manche Faktoren geraten dabei auch in den Hintergrund. Dabei schließen sich die Gründe meist nicht gegenseitig aus und stützen sich auch zum Teil, da sie grundsätzlich auf das gleiche Ziel ausgerichtet sind: ein elektrifiziertes Energiesystem. Aber was ist denn nun der beste Grund für die Energiewende?

Wirtschaftlichkeit für die Industrie

Ohne Wirtschaftswachstum gibt es auch keine Energiewende! – oder war es vielleicht doch andersrum: Ohne Energiewende gibt es kein Wirtschaftswachstum? Klar ist, dass die beiden Elemente miteinander in Verbindung stehen. Nur ein Beispiel: Der Ausbau von erneuerbaren Energien führte für Unternehmen zu langen Listen an Projekten und wachsenden Beschäftigtenzahlen, wodurch ein neuer Wirtschaftszweig entstanden ist. Im Jahr 2023 arbeiten damit schon über 400.000 Menschen in Deutschland in der Branche. Natürlich kann man daraus nicht direkt ein Wirtschaftswachstum ablesen, dennoch entsteht das Gefühl, dass seit einigen Jahren die Transformation als eine Möglichkeit wahrgenommen wird, gute Geschäfte zu machen. 

Ein Eindruck, der auch durch den vom 26. bis 29. Januar stattfindenden Energiegipfel des Wirtschaftsmagazins Handelsblatt unterstrichen wird. Neben den aktuellen politischen Ereignissen, driften Diskussionsrunden hierbei oft in die Themenbereiche Geschäftsmodelle, Marktdesign oder Kostensenkung. In diesem Umfeld ist es kein Wunder, dass es für Geschäftsführer großer und kleiner Unternehmen, die direkt an der Energiewende beteiligt sind, wichtig ist, weiter bestehen und arbeiten zu können. Klar ist aber auch, dass besonders einige große Energieversorger noch gleichzeitig Geschäfte mit fossilen Energieträgern machen und es offensichtlich ist, dass die Energiewende nur eine Möglichkeit für sie ist, ihre Geschäfte in anderen Modellen mit in die Zukunft zu tragen. 

Unabhängigkeit durch Versorgungssicherheit 

Ereignisse wie der russische Angriffskrieg in der Ukraine oder alles, was in den USA passiert, haben dazu geführt, dass ein neuer Grund aktuell sehr prominent platziert wird: die Unabhängigkeit. Deutschland und Europa möchten nicht mehr vom Erdgas aus Russland oder anderen unsicheren Regionen der Erde abhängig sein. Somit sollen auf lange Zeit gleichzeitig eine europäische Versorgungssicherheit aufgebaut werden und Energiekosten von teuren Lieferverträgen abgebaut werden. Um diese Pläne zu unterstützen und gleichzeitig ein flexibles Energiesystem aufzubauen, dienen die kürzlich beschlossenen Ausschreibungen der neuen Gaskraftwerke. Wenn dabei nun die Umrüstung auf grünen Wasserstoff nur noch eine ferne Möglichkeit ist und solange diese auch mit Erdgas betrieben werden kann, dann entsteht nur der Eindruck, dass der Ursprungsgrund für die Energiewende ganz in Vergessenheit geraten ist.

Klimaschutz als Vision der Transformation

Und damit sind wir beim Anfang der Transformation. Seit den ersten Erkenntnissen über den Klimawandel ist klar, dass die Vermeidung von Abgasen durch fossile Verbrennung unumgänglich ist, um die Klimaveränderungen auf der Erde zu bremsen. Viele Organisationen wie Fridays for Future oder die letzte Generation versuchten mit ihren Aktionen, die Ernsthaftigkeit in die Breite der Gesellschaft zu bringen. So verdeutlichte Luisa Neubauer, zugeschaltet auf dem Handelsblatt Energiegipfel von einem Forschungsschiff auf der Antarktis, noch einmal, dass es dabei um das globale Klima geht. Auch sie habe von der Kraftwerksstrategie erfahren und erkenne es als eine Errungenschaft, dass die Debatte um die Energiewende so differenziert geführt wird. Sie mache sich nur Sorgen darum, ob die Geschwindigkeit ausreicht. Wichtig sei trotz alledem, dass die Vision, warum man die Transformation angeht, nicht verloren geht. 

Transformation gelingt gemeinsam

Vielleicht gibt es auch einfach nicht den einen, oder den besten Grund für die Transformation. Alle motivieren aus verschiedenen Perspektiven Akteure, aktiv zu werden und ihren Teil zur Energiewende zu tun. Die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen kann dazu führen, dass mehr Technologien zugebaut werden, um auch die Unabhängigkeit Deutschlands zu erhöhen. Wenn das mit genügend Tempo gelingt, dann kann es auch eine positive Auswirkung auf das Klima haben. Die Aufgabe, ein ganzes Energiesystem neu zu gestalten, kann vielleicht gar nicht nur aus einem Beweggrund gemeistert werden, sondern braucht die Zusammenarbeit von vielen Faktoren, die sich gemeinsam stützen.