Die EU-Kommission nimmt derzeit die Vorgaben für die Herstellung von grünem Wasserstoff in den Blick. Anlass sind nach Branchenangaben geopolitische Energieunsicherheiten und ein schleppender Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Quest One sieht die Ursachen vor allem in regulatorischen Vorgaben und fordert Anpassungen.
Das Unternehmen argumentiert, Europa drohe den wirtschaftlichen Anschluss zu verlieren, obwohl die Technologie verfügbar sei. „Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie verwundbar Europas Energiesystem durch externe Abhängigkeiten ist. Energiepolitik ist längst auch Sicherheitspolitik“, sagt Michael Meister, CEO von Quest One. „Eine nachhaltige Lösung kann nur darin bestehen, Energie stärker in Europa selbst zu erzeugen und Wertschöpfung hier zu halten.“
Regeln zu Korrelation und Zusätzlichkeit im Fokus
Insbesondere die geplante stundengenaue Korrelation zwischen erneuerbarer Stromerzeugung und Elektrolyse ab 2030 ist Quest One ein Dorn im Auge – was auch HZwei in seinen letzten Ausgaben immer wieder thematisiert bzw. kritisiert hat (siehe z. B. hier und hier). So moniert Meister ebenfalls, dass die stundengenaue Korrelation zu geringeren Auslastungen von Elektrolyseuren führe und damit die Wirtschaftlichkeit gefährde. Das Unternehmen plädiert wie andere Unternehmen oder Verbände dafür, die bislang geltende monatliche Korrelation beizubehalten.
Auch das Zusätzlichkeitskriterium gilt in der H2-Branche als massives Investitionshemmnis. Dieses sieht vor, dass Elektrolyseure ab 2028 ausschließlich Strom aus neu errichteten EE-Anlagen nutzen dürfen. Nach Einschätzung von Quest One verteuert dies Projekte und verlängert Planungszeiten. Bestehende Anlagen sollten weiterhin einbezogen werden, um Flexibilität und Wirtschaftlichkeit zu sichern.
Netzentgelte und Investitionssicherheit
Das Unternehmen fordert außerdem langfristige Entlastungen bei Netzentgelten für Elektrolyseure über 2029 hinaus. Anlagenbetreiber sollten nach Unternehmenssicht zusätzlich vergütet werden, wenn sie netzdienlich betrieben werden und so Systemkosten senken. Quest One betont darüber hinaus die Bedeutung technischer Standards für Investitionsentscheidungen. Themen wie Gasreinheit oder die Auslegung von Sauerstoffabscheidern müssten klar geregelt werden, um Vertrauen zu schaffen.
Industriepolitische Forderungen
Im industriepolitischen Kontext spricht sich Quest One für eine stärkere Verankerung von „Made in EU“ in Förderinstrumenten und Gesetzgebung aus, etwa im „Net Zero Industry Act“ und geplanten weiteren Initiativen. Ziel sei es, Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten zu reduzieren.
„Grüner Wasserstoff ist mehr als nur ein Energieträger – er ist ein strategisches Instrument für mehr Souveränität, Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität“, sagt Meister. „Wer heute die richtigen Rahmenbedingungen schafft, sichert Europa langfristig eine unabhängige und resiliente Energieversorgung.“
Dafür spreche allein schon die hohe Importabhängigkeit Europas: Rund 60 Prozent des Energiebedarfs werden laut Eurostat durch Importe gedeckt. Die Kosten für fossile Energieimporte sind infolge geopolitischer Krisen zuletzt deutlich gestiegen.
Über das Unternehmen
Quest One entwickelt und produziert PEM-Elektrolyseuren und Elektrolyse-Stacks. Das Unternehmen, 1997 als Wissenschaftsprojekt gegründet, ist Teil von MAN Energy Solutions und Volkswagen Group. Aufgrund seiner seit mehr als 25 Jahren in der Branche währenden Aktivität kann Quest One nach eigenen Angaben auf umfassendes Know-how bei der Realisierung von Großprojekten in der Schwerindustrie und der automobilen Großserienkompetenz zurückgreifen. Quest One sitzt in Hamburg, Augsburg sowie Houston, USA.
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