Knapp 600 Energieberaterinnen und Energieberater haben sich an der zwölften GEB-Sommerumfrage beteiligt. Für die rege Teilnahme möchten wir uns herzlich bedanken, ebenso bei den sieben Kooperationspartnern, die uns tatkräftig dabei unterstützt haben, die Sommerumfrage in der Branche zu bewerben. Diese waren:
- das Deutsche Energieberater Netzwerk (DEN),
- der Bundesverband Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker e. V. (GIH),
- das Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza),
- das Energie- und Umweltzentrum am Deister (e-u-z),
- das Öko-Zentrum NRW,
- das Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt (ZEBAU) in Hamburg sowie
- das Marketing- und Informationsprogramm Zukunft Altbau, das Teil der baden-württembergischen Landesenergieagentur (KEA) ist.
Nachdem wir 4. September 2026 die Umfrage beendet haben, informierten wir die Kooperationspartner und baten sie um Statements zu den Ergebnissen, die wir hier zitieren.
Statistik zur Energieberaterbranche – oder: „Who‘s who“?
Nach wie vor ist die Energieberatung – trotz aller Bemühungen seitens der Verbände – kein eigenständiger anerkannter Berufszweig, sondern eine Weiterbildungsmaßnahme, die auf verschiedenste Ausbildungsberufe aufbaut beziehungsweise auch ein Geschäftsmodell für Quereinsteiger sein kann. Wer sich in die Energieeffizienz-Expertenliste der Deutschen Energie-Agentur eintragen lassen möchte, um für verschiedene Förderprogramme des Bundes tätig zu sein oder diese bautechnisch zu begleiten, muss eigens definierte Qualifikationen erfüllen und nachweisen beziehungsweise über entsprechende Praxis-Referenzen verfügen.
Um ein Bild über die Grundqualifikation zu erhalten, fragen wir bei jeder Sommerumfrage nach dem zugrunde liegenden Berufsabschluss. In diesem Jahr dominieren mehr als zwei Drittel der Befragten mit akademischer Vorbildung (Ingenieur/in: 52 Prozent, Architekt/in: 17 Prozent), gefolgt von Technikern (elf Prozent). Handwerker/in gaben lediglich sieben Prozent an, vier Prozent zählen zur Gruppe der Schornsteinfeger. Zehn Prozent subsumieren unter Sonstige/Quereinsteiger (Abb. 1).
Die Mehrzahl der Energieberater ist sehr erfahren in dem, was sie tun (Abb. 2). Mehr als die Hälfte übt den Job schon 15 und mehr Jahre aus. Allerdings geht das auch mit einem entsprechenden Lebensalter einher: Nahezu drei Viertel der Energieberaterinnen und Energieberater sind 50 Jahre und älter (Abb. 3). Das ist nicht nur für Martin Sambale vom eza Allgäu ein Alarmzeichen, auch Ursula Mellema vom e-u-z fragt sich, „ob es so wenige junge Energieberater gibt oder ob die sich nur nicht an der Umfrage beteiligt haben“. Falls Erstgenanntes zutrifft, liegt für sie darin ein Widerspruch, denn sie ist überzeugt: „Die junge Generation ist viel aktiver, was Maßnahmen zum Klimaschutz angeht, stellt zu Recht viele Forderungen.“ Dementsprechend hätte sie erwartet, dass sich das in der Altersstatistik der Umfrage niederschlägt. Doch nur 13 Prozent der Befragten gaben an, unter 40 Jahre alt zu sein. Somit fehlt aus Sicht von Sambale eindeutig „der Nachwuchs für die große Zukunftsaufgabe der Gebäudesanierung“. Für ihn ist klar: „Wir müssen dringend an der Attraktivität des Berufsbilds Energieberater:in arbeiten.“
Dass es genau daran bislang fehlt, lässt sich auch aus den spärlichen Umsatzzahlen herauslesen: Über alle Umsatzgruppen hinweg betrachtet sinken die Zahlen über die vergangenen Jahre kontinuierlich, und nach wie vor bleiben die Jahres-Umsatzzahlen bei der Hälfte der Energieberater unter 40.000 Euro (Abb. 4). Bei weitem nicht genug, um allein mit dieser Tätigkeit den alltäglichen Lebensunterhalt zu bestreiten, wie Abb. 5 ganz klar zeigt: Nur bei 40 Prozent der Befragten macht der Anteil der Energieberatung im Büro zwischen 75 und 100 Prozent aus, bei genauso vielen liegt der Anteil unter 50 Prozent.
Und die Umsatzerwartungen für die kommenden sechs Monate könnten düsterer nicht sein (Abb. 6): Fast die Hälfte der Befragten stellt sich auf sinkende Auftragszahlen ein, nur 17 Prozent glauben, dass die Umsätze steigen. Für Sambale ein deutlicher Hinweis darauf, „dass wir weiterhin mit einer Verunsicherung der Hauseigentümer zu kämpfen haben“. Er macht dafür aber auch das politische Ränkespiel um das Gebäudeenergiegesetz verantwortlich: „Mit dem GModG sind bei vielen die Aufträge drastisch gesunken – das zeigt für mich nochmals deutlich die falsche Rahmensetzung der Politik.“
Das GModG im Kreuzfeuer der Energieberatung
Auch den Befragten stoßen beim GModG viele Punkte bitter auf: Insbesondere die Einführung der Bio-Treppe halten 77 Prozent für zu kompliziert und unkalkulierbar (Abb. 10). Ebenso viele sehen daher im GModG nicht nur ein Kostenrisiko, sondern auch einen Imageschaden durch die Abkehr von verbindlichen Klimazielen. Mehr als zwei Drittel sehen ihre Kunden in eine Kostenfalle laufen, wenn künftig wieder fossile Heizungsanlagen installiert werden dürfen und kritisieren den Wegfall beziehungsweise die Aufweichung der 65-Prozent-Regel. Zwei Drittel der Befragten bewertet das GModG als zu bürokratisch und bemängelt, dass das Gesetz vor allem für Eigentümer und Mieter kaum verständlich ist.
Für Marietta Weiß von Zukunft Altbau „liegt sowohl in der Streichung der Pflichtberatung beim Heizungstausch als auch in der Schwächung des Sanierungsfahrplans in der Förderung die Ursache, warum viele Energieberaterinnen und Energieberater mit einem Rückgang ihres Umsatzes in den kommenden sechs Monaten rechnen“. Tatsächlich ist mehr als die Hälfte der Befragten überzeugt, dass die Zahl der Anfragen durch das Vorhaben der Regierung, das „Heizungsgesetz“ abzuschaffen und es durch das GModG zu ersetzen, leicht bis drastisch gesunken ist (Abb. 12).
Es fehlt an Kontinuität und Verlässlichkeit
Aus Sicht von Jan Karwatzki (Öko-Zentrum NRW) kann man zwei Ergebnisse der diesjährigen Sommerumfrage zusammenhängend deuten: „Über 80 Prozent der Befragten fordern verlässliche und langfristige Förderprogramme – und das nicht zum ersten Mal. Und fast 90 Prozent nennen die Wärmepumpe als die von ihren Kundinnen und Kunden favorisierte Heizungstechnologie der letzten zwölf Monate.“ Der Markt hat sich also längst entschieden (Abb. 13). Für Karwatzki steht fest: „Energieberatende begleiten diese Entwicklung Tag für Tag und sie wissen, dass die Wärmepumpe im Bestand technisch und wirtschaftlich überzeugt. Umso irritierender wirkt es, wenn parallel eine politische Debatte um Technologieoffenheit geführt wird, die diesen Realitäten hinterherläuft und verunsichert.“
Das begründet aus seiner Sicht auch den starken Ruf nach mehr Planungssicherheit (Abb. 14–16): „Es geht nicht um höhere Fördersätze oder neue Programme, sondern um einen Rahmen, der über Legislaturperioden hinausträgt. Wer heute in eine Sanierung oder einen Heizungstausch investiert, muss darauf vertrauen können, dass die Bedingungen morgen noch gelten. Dieses Vertrauen ist die eigentliche Währung der Wärmewende – und derzeit knapp.“ Diese Schlussfolgerung zieht auch Marietta Weiß von Zukunft Altbau: „Bei der Förderung stehen neben dem Umfang vor allem Kontinuität und Verlässlichkeit ganz oben auf der Wunschliste.“
Künstliche Intelligenz in der Energieberatung
Bei der diesjährigen Umfrage wollten wir auch wissen, welchen Einfluss künstliche Intelligenz (KI) auf die Energieberatung hat, wobei in einem entscheidenden Punkt mehrheitlich Konsens herrscht: Eine individuelle Beratung lässt sich nicht durch KI ersetzen (Abb. 21). Mehr als ein Viertel der Befragten nutzt inzwischen KI-Programme wie ChatGPT nahezu täglich – überwiegend zu Recherchezwecken, weniger für textuelle Überarbeitungen. Auch aus Sicht von Weiß „steht der Großteil der Befragten KI offen gegenüber. Viele nutzen sie bereits oder planen zumindest, sie zukünftig verstärkt zu nutzen“. Sie ist überzeugt: „Die Energieberatung halten viele nicht für durch KI ersetzbar, sehen aber durchaus Unterstützungspotenzial für ihre tägliche Arbeit, insbesondere für die Gebäudeaufnahme, bei Förderdetails sowie bei der Erstellung von Texten.“
Wie in jedem Jahr haben wir abschließend einige Fragen zu den redaktionellen Inhalten des GEB und Angeboten jenseits von Print gestellt. Dabei kam heraus, dass die Mehrzahl der GEB-Abonnenten nach wie vor dem gedruckten Heft den Vorzug vor dem E-Paper gibt (Abb. 22). Insgesamt schätzen die befragten Energieberater den kostenlosen und nicht an ein Abo gebundenen Newsletter sowie die Meldungen auf der Homepage. Dass darüber hinaus unsere digitalen Weiterbildungsangebote (Webinare, Thementage) hoch im Kurs stehen, bestätigt den Wissensdurst der Branche und spornt uns weiter an.