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Stephan Nusseck von Baywa RE: „Transparenz über die tatsächliche Situation im Netz schaffen“

Wie relevant ist das Speichergeschäft inzwischen geworden?

Der Netzzugang bleibt in vielen Regionen ein begrenzender Faktor für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien sowie den Bau von Standalone-Batteriespeichern. Obwohl der Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen bereits bei rund 60 % liegt, besteht weiterhin erheblicher Bedarf an zusätzlicher Erneuerbaren-Kapazität, um die Klimaziele zu erreichen und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Was treibt die Nachfrage nach größeren Speichersystemen an?

Um beides – den Ausbau und die Netzintegration – zu ermöglichen, gewinnen co-located Projekte deutlich an Bedeutung. Statt erneuerbare Anlagen zu Zeiten negativer Strompreise vom Netz nehmen zu müssen, steigert die Kombination mit Batteriespeichern – BESS – ihre Wirtschaftlichkeit.

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Was sollten Projektierer bei der Kombination von Solaranlage und Speicher beachten?

Besonders attraktiv wird dieses Modell, wenn bereits in der Projektierungsphase Synergien genutzt werden können – etwa durch einen gemeinsamen Netzanschluss, die Flächensicherung oder die gemeinsame Nutzung von Kabelgräben. So lassen sich Kosten senken, Genehmigungsverfahren vereinfachen und die Integration ins Netz effizienter gestalten. Co-Location ist nicht nur eine technische Lösung, sondern zunehmend ein wirtschaftlicher Schlüssel für den weiteren Erneuerbaren-Ausbau.

Die Regelungen vor allem in Deutschland haben sich vor einem Jahr verbessert. So ist es inzwischen möglich, auch Graustrom in den Speicher zu laden und ihn wieder ins Netz einzuspeisen. Wie hat diese Regelung die Nachfrage nach Speichern verbessert?

Die regulatorischen Rahmenbedingungen haben sich mit dem Solarspitzengesetz zwar verbessert, in der Praxis fehlt jedoch noch die Festlegung der Bundesnetzagentur – BNetzA – für die Umsetzung, welche sie für die Großspeicher unter der Bezeichnung Abgrenzungsoption entwickelt hat. Da diese Festlegung zunächst noch eine Konsultationsphase durchlaufen hat, um Rückmeldungen des Marktes hinsichtlich der Umsetzbarkeit einzusammeln, wird es noch einige Wochen dauern, bis diese Wirkung entfalten kann.

Hybrid aus Agri-PV, Windkraft und Speicher nimmt Betrieb auf

Welche Hürden sehen Sie noch?

Darüber hinaus bleibt die zentrale Herausforderung der Verteilnetzbetreiber, dass sie die erforderliche Begrenzung insbesondere der Bezugsstromleistung am jeweiligen Netzverknüpfungspunkt technisch ermitteln und vertraglich festlegen müssen. In diesem Zusammenhang sind flexible Netzanschlussvereinbarungen das noch fehlende Bindeglied, um einen Betrieb von Speichern mit Grün-/Graustrombezug zu ermöglichen. Auch wenn es hier unter anderem durch Paragraph 17 Abs. 2b EnWG bereits Leitplanken gibt, tun sich die Netzvertreiber damit aufgrund der fehlenden Digitalisierung ihrer Netze sehr schwer. (Der Absatz legt die Regeln für die statische oder dynamische Begrenzung der Anschlussleistung durch die Netzbetreiber bei flexiblen Netzanschlussvereinbarungen fest, Anm.d.R.) Solange hier keine praxistauglichen Lösungen etabliert sind, bleibt die Errichtung von Speichern trotz der verbesserten Regulierung hinter ihrem Potenzial zurück.

Welche Hindernisse stehen beim Netzanschluss von Speichern im Wege und wie könnten diese überwunden werden?

Die Verteilnetzbetreiber sind von den vielen Anfragen nach Netzanschlüssen massiv überfordert. Dabei geht es nicht nur um Anschlussanfragen von Speichern und Anlagen der erneuerbaren Energien, sondern auch um Anfragen von Verbrauchern wie Rechenzentren und Industrieunternehmen. Eine Steuerung über die Höhe des Baukostenzuschusses, wie sie vereinzelt diskutiert wird, kann hier nur begrenzt Abhilfe schaffen und adressiert das eigentliche Problem nicht.

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Was wäre stattdessen denkbar?

Eine Lösung muss vielmehr in der Schaffung von mehr Transparenz über die tatsächliche Situation am Netzverknüpfungspunkt – NVP – liegen. Projektentwickler müssen die Möglichkeit erhalten, auf Basis eines nachgewiesenen Baufortschritts – insbesondere bei Co-Location-Projekten – Zugang zu diesen Informationen zu bekommen. Auf dieser Basis lassen sich realistische Planungen vornehmen, unnötige Anfragen vermeiden und die Anschlusskapazitäten effizienter nutzen. Der Schlüssel liegt nicht in pauschalen Baukostenzuschüssen, sondern in klarer Transparenz und fairen Priorisierungsmechanismen, die den tatsächlichen Projektfortschritt berücksichtigen. Dies wiederum erfordert eine Digitalisierung der Netze. Die Lösung könnte sein: Gemeinsame Software nach dem Vorbild der Sparkassenapp, mit der diese – trotz ebenfalls hoher Anzahl an selbständigen Unternehmen wie die Netzbetreiber – dennoch gemeinsam auf eine einheitliche digitale Lösung zurückgreifen.

Die Fragen stellte Sven Ullrich.