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Report: Batteriespeicher benötigen Netzanschlüsse und stabile Rahmenbedingungen

Der Ausbau der erneuerbaren Energien geht weiter – momentan sogar noch schneller. Damit steigt auch der Bedarf an Speicherkapazitäten und die Nachfrage nach Batteriespeichern. In den vergangenen anderthalb Jahren ging der Ausbau gut voran. Doch inzwischen stößt er immer öfter an seine Grenzen. Das gilt für fast alle europäischen Länder. Laut einer Studie der europäischen Wirtschaftskanzlei Fieldfisher wird diese steigende Nachfrage die Lieferketten zusätzlich belasten und den Druck auf Netzanschlüsse und Genehmigungsverfahren weiter erhöhen.

Elf wichtige Märkte untersucht

Der Report geht davon aus, dass die Kapazität von großen Batteriespeichern bis 2030 mehr als versechsfachen soll. Dann muss die installierte Batterieleistung über 100 Gigawatt liegen. Der Bericht warnt jedoch, dass dieser Fortschritt von beschleunigten Netzausbauten, vereinfachten Planungsprozessen und klareren, berechenbaren und verlässlicheren rechtlichen Rahmenbedingungen für Investoren und Entwickler abhängt.

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Die Analyse von Fieldfisher erstreckt sich auf elf wichtige europäische Märkte. Dazu zählen Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, die Niederlande, Polen, Portugal, Spanien und das Vereinigte Königreich. Die Berechnungen basieren zudem auf dem BESS Market Maturity Index, der die Länder anhand von fünf rechtlichen und regulatorischen Säulen bewertet: Regulierung, Netzanschluss, Investorenvertrauen, Fördermaßnahmen und Cybersicherheit. Zusammengenommen zeigen diese Faktoren, wo die Märkte reifen – und wo strukturelle und rechtliche Hindernisse den Ausbau weiterhin bremsen.

In neun Ländern sind die Netze schon überlastet

Im Ergebnis kommen die Analysten zu der Erkenntnis, dass in neun der elf Märkte die Netze schon überlastet sind. Dies führt zu langen Wartezeiten bei der Genehmigung von Netzanschlüssen. Das resultiert wiederum in einer zunehmenden Unsicherheit hinsichtlich der Realisierbarkeit von Projekten.

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In Deutschland sei die Lage besonders akut, warnen die Analysten. Sie verweisen darauf, dass die Übertragungsnetzbetreiber schon Anfang 2025 Anträge auf neue Netzanschlüsse im Umfang von 226 Gigawatt vorliegen hatten. Das würde die verfügbare Kapazität bei weitem übersteigen. Mit ähnlichen Einschränkungen sind Speicherprojektierer auch in Irland konfrontiert. Dort geben die Netzbetreiber an, Batteriespeicher mit einer Leistung von 730 Megawatt anschließen zu können. In der Pipeline sind aber Projekte mit einer Gesamtleistung von zehn Gigawatt.

Tipps für den Netzzugang

In ihrem Bericht beschreiben die Autoren, wie die Netzbetreiber mit diesen Herausforderungen umgehen. Sie zeigen zudem Chancen, die sich aus der aktuellen Situation ergeben. „Projektentwickler müssen schnell handeln, um sich den Netzzugang an Standorten zu sichern, an denen die Anschlussvorschriften flexibler sind“, rät Feilim O’Caoimh von der Praxisgruppe Energy, Natural Resources & Sustainability bei Fieldfisher. „Aus Ertragssicht ist es entscheidend, zu klären, ob Projektfinanzierungsstrukturen erforderlich sind. Ist dies der Fall, können Mechanismen wie Ertragsgarantien, Durchleitungsentgelte oder langfristige Kapazitätsverträge notwendig sein. Ist dies nicht der Fall, lassen sich die Ertragsmöglichkeiten durch flexiblere, marktbasierte kommerzielle Vereinbarungen optimieren.“

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Speicher mit Erzeugungsanlagen kombinieren

Angesichts der europaweit zunehmenden regulatorischen Veränderungen sei es zudem wichtig, in jedes Projekt wirksame Schutzmaßnahmen gegen Gesetzesänderungen zu integrieren, lautet der Tipp des Experten. „Eine vorausschauende Planung in Bezug auf Cybersicherheit und Brandschutz hilft, Verzögerungen zu vermeiden. Ferner ist die gemeinsame Unterbringung von Batterien mit Projekten im Bereich erneuerbare Energien oder Rechenzentren eine der einfachsten Möglichkeiten, zusätzliche Erlöse zu erzielen, Einspeisebeschränkungen zu reduzieren und stärkere sowie zuverlässigere Projekte zu realisieren“, sagt Feilim O’Caoimh.

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Die Autoren nennen auch positive Beispiele, wie die Netzbetreiber mit dem Bedarf umgehen. So haben Belgien und die Niederlande flexible Zugangsregelungen eingeführt. Damit können die dortigen Netzbetreiber Verkehrsüberlastungen bewältigen, während Spanien angesichts des raschen Anstiegs des Anteils erneuerbarer Energien mit zunehmenden Einspeisebeschränkungen konfrontiert ist. „Dieser wachsende Druck macht deutlich, dass eine systemische Reform des Stromnetzes in ganz Europa erforderlich ist“, resümieren die Analysten.

Genehmigungen schneller erteilen

Es ist aber nicht nur der Netzzugang, der im Wege steht. Auch Verzögerungen bei der Genehmigungserteilung gehören nach wie vor zu den drängendsten Herausforderungen in Europa. Die Autoren des Berichts nennen Österreich, Deutschland und Irland als Problemkinder in diesem Bereich. Dort überschreiten Planungs- und Umweltgenehmigungen regelmäßig die von der EU empfohlenen Fristen. Zusätzliche Brandschutz- und Umweltprüfungen verzögern die Entwicklung der Projekte noch weiter. Im Gegensatz dazu hat Portugal die effizientesten Reformen in Europa umgesetzt, indem es Projekte für Batteriestationen am Standort beschleunigt und die Genehmigungszeiten um bis zu 40 Prozent verkürzt hat, wissen die Autoren der Studie. Dies werde durch einen stabilen Rechtsrahmen und Fördermittel für mehr als 500 Megawatt Batterieleistung unterstützt.

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Strenge Vorgaben für die Cybersicherheit

Eine große Herausforderung ist außerdem der sichere Batteriebetrieb. Deshalb müssen die Betreiber im Vorfeld die Cybersicherheit ihrer Anlagen nachweisen – vor und nicht mehr nach der Inbetriebnahme. Zudem beeinflussen Vorgaben seitens der EU und der britischen Regierung zur Cybersicherheit die Auswahl der Lieferanten, mit denen die Projektierer zusammenarbeiten können. Dies hat Auswirkungen auf die Systemarchitektur und die Fristen für Due-Diligence-Prüfungen.

Transparenter rechtlicher Rahmen notwendig

Verstöße gegen diese Vorgaben führen immer mehr dazu, dass die Anlagen neu konzipiert werden müssen. Dies wiederum führt zu Verzögerungen der Projekte oder zum Streit mit den Behörden. „Investoren möchten den Ausbau der Speicherkapazitäten in Europa unterstützen, benötigen dafür aber Planungssicherheit. Klarere Planungsfristen, transparente Regeln für den Netzanschluss und einheitliche Compliance-Anforderungen würden private Investitionen in Milliardenhöhe freisetzen. Ein rechtlicher Rahmen, der Transparenz schafft und die wirtschaftliche Tragfähigkeit untermauert, ist daher unerlässlich, um Projekte erfolgreich umzusetzen“, umreißt Daniel Marhewka von der Praxisgruppe Energy, Natural Resources & Sustainability bei Fieldfisher die Lösung.

Künftige Entwicklungen vorausschauend einplanen

Dennoch gehen die Analysten von Fieldfisher davon aus, dass der Ausbau von Batteriespeichern weitergeht. Denn die Anlagen sind wirtschaftlich. Schließlich könne ein Speicher an Standorten mit Wind- oder Solaranlagen die Einnahmen um acht bis 25 Prozent steigern, haben sie ausgerechnet. Die vorübergehenden Befreiungen von Netzentgelten in Deutschland und Belgien verbesserten zudem die Renditen in der Anfangsphase, während neue Kapazitätsmärkte in Italien, Belgien und Polen besser vorhersehbare Einnahmequellen eröffnen.

Dies hänge jedoch davon ab, ob die Regierungen die regulatorischen Hürden und die rechtlichen Risiken senken und dafür sorgen, dass die Speicher einen Netzzugang zugesichert bekommen, bevor es zu Engpässen kommt. „Europas Ambitionen im Bereich der Batteriespeicher sind real – doch um sie zu verwirklichen, müssen Investoren und Finanziers sich in einem sich stetig wandelnden regulatorischen Umfeld zurechtfinden und künftige Entwicklungen vorausschauend einkalkulieren“, betont Daniel Marhewka.