Die Europäische Kommission hat ihre Überarbeitung des EU-Emissionshandelssystems (EU ETS) sowie den Electrification Action Plan (EAP) veröffentlicht. Beide Vorhaben enthalten laut dem Branchenverband Hydrogen Europe wichtige Weichenstellungen für die Wasserstoffbranche.
Bedingte Zuteilung soll Investitionen in saubere Verfahren fördern
Die ETS-Revision führt ein sogenanntes „conditional allowance“-Schema ein. Damit werden Teile der kostenlosen Zuteilung von Emissionszertifikaten an Investitionen in klimafreundliche Verfahren gekoppelt, statt sie bedingungslos zu vergeben. Nach Einschätzung von Hydrogen Europe soll dies Dekarbonisierungstechnologien wie Wasserstoff schneller zu finalen Investitionsentscheidungen verhelfen. Zudem sollen mehr Einnahmen auf Ebene der Mitgliedstaaten in die industrielle Dekarbonisierung fließen.
Die bedingte Zuteilung erstreckt sich nach Angaben des Verbands auch auf die Luft- und Seeschifffahrt. Damit entstehe ein Markt für in Europa produzierte nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) und e-SAF. Für den maritimen Sektor sei ein vergleichbarer Mechanismus (SMAP) vorgesehen.
Kritisch sieht Hydrogen Europe, dass die Gesamtambition des EU-ETS durch eine Anpassung des linearen Reduktionsfaktors gelockert wird. Ein robuster CO2-Preis sei nach Verbandsauffassung essenziell für eine finanziell tragfähige industrielle Dekarbonisierung in Europa.
Jorgo Chatzimarkakis, CEO von Hydrogen Europe, kommentierte: „Dies ist ein deutliches Signal dafür, dass Europa den Schritt von klimatischen Ambitionen zur Umsetzung vollzieht. Hydrogen Europe begrüßt die Einführung von Investitionszulagen sowie den neuen SMAP-Mechanismus für den Seeverkehr, der unseren langjährigen Vorschlag widerspiegelt, die Einführung nachhaltiger Schiffskraftstoffe durch gezielte Unterstützung im Rahmen des Emissionshandelssystems (ETS) zu beschleunigen. Der Vorschlag bekräftigt zudem zu Recht den Grundsatz, dass die Einnahmen aus dem Emissionshandelssystem in den industriellen Wandel Europas reinvestiert werden sollten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, die Widerstandsfähigkeit zu stärken und hochwertige Arbeitsplätze zu sichern.“
100 Milliarden Euro für „Industrial Decarbonisation Bank“
Als Teil der ETS-Revision hat die Kommission auch die Rechtsgrundlage für eine Industrial Decarbonisation Bank (IDB) mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro vorgeschlagen. Die Bank soll sich auf energieintensive Industrien konzentrieren und die Finanzierungslücke bei den kommerziellen Risiken ausgereifter Projekte schließen. Hydrogen Europe begrüßt den Fokus auf reife Projekte und die neue Finanzierung für kommerzielle statt technologische Risiken.
Der Vorschlag geht nun in die Mitentscheidung zwischen Europäischem Parlament und Rat. Die Verhandlungen sollen sich nach Kommissionsangaben über 2026 und 2027 erstrecken, die Umsetzung ist für 2028 geplant.
„Electrification Action Plan“ mit 46-Prozent-Ziel bis 2040
Der zeitgleich vorgestellte Electrification Action Plan zielt darauf ab, den Wechsel von fossilen Brennstoffen zu Strom in Industrie, Verkehr und Gebäuden zu beschleunigen. Der Plan schlägt ein neues Elektrifizierungsziel für den Endenergieverbrauch von 46 Prozent bis 2040 vor. Dieses Ziel soll noch einer Folgenabschätzung im Rahmen des „Energy Union Package“ unterzogen werden.
Der Plan erkennt nach Verbandsangaben zudem die Notwendigkeit an, ein von erneuerbaren Energien dominiertes System flexibler zu gestalten. Wasserstoff wird dabei als wichtiger Beitrag zu Speicherung und industrieller Nachfrageflexibilität benannt. Die Kommission kündigt eine Revision der EU-Wasserstoffstrategie für 2026/2027 an, um diese Rolle abzubilden. Ergänzend legte die Kommission einen Verordnungsvorschlag zur Änderung der Regulation (EU) 2019/943 vor, der zukunftsfähige Netzentgelte adressieren soll.
Daniel Fraile, Chief Market & Regulation Officer bei Hydrogen Europe, ergänzte: „Der europäische Aktionsplan zur Elektrifizierung erkennt zu Recht an, dass die Abkehr von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen der Weg zu Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und niedrigeren Energiepreisen ist. Wasserstoff und Power-to-X sind Teil dieses Konzepts und kein Nachbesserungsvorschlag. Die netzgekoppelte Elektrolyse ist sowohl ein Stromverbraucher als auch ein Wegbereiter der Elektrifizierung durch Flexibilität und Langzeit-Energiespeicherung.“