Anlässlich der ersten Lesung der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) im Deutschen Bundestag hat der Verband der Fernleitungsnetzbetreiber Gas (FNB Gas) Nachbesserungen gefordert. Die Novelle dient der Umsetzung des europäischen Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpakets. Aus Sicht des Verbands fehlen jedoch zentrale Voraussetzungen für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft.
„Im Gesetzesentwurf fehlen nach wie vor zentrale Aspekte, die Voraussetzung für die Transformation der Gaswirtschaft sind. Der Ball liegt jetzt im Bundestag, um aus dem Entwurf ein Ermöglichungsgesetz zu machen und echten Schwung in die Entwicklung des Wasserstoffmarktes zu bringen“, sagt Barbara Fischer, Geschäftsführerin von FNB Gas.
Finanzierung und Risiken im Fokus
Ein Schwerpunkt der Kritik betrifft die Finanzierung des Wasserstoff-Kernnetzes. FNB Gas fordert, den Eigenanteil der Netzbetreiber am Risiko auf 15 Prozent zu senken. Zudem sollten spezifische Risiken von Wasserstoffnetzen gesetzlich verankert werden, um sie bei der Festlegung der Eigenkapitalverzinsung ab 2028 zu berücksichtigen. Für umgestellte Erdgasleitungen solle kein Selbstbehalt gelten.
Auch für Leitungen jenseits des Kernnetzes sieht der Verband Lücken. Hier fordert FNB Gas zusätzliche Instrumente wie den intertemporalen Kostenausgleich und Finanztransfers. Diese sind in der EU-Richtlinie vorgesehen, aber bislang nicht vollständig im EnWG abgebildet.
Mehr Flexibilität beim Netzausbau gefordert
Die Netzbetreiber verweisen zudem auf praktische Erfahrungen beim Aufbau des Kernnetzes. Der verzögerte Markthochlauf erfordere mehr Flexibilität für die Umsetzung eines effizienten Netzes, als es das EnWG aktuell vorsieht. Bislang ist nur eine zeitliche Flexibilität zur Verschiebung der Projekte bis zum Jahr 2037 vorgesehen. Daher regen die Fernleitungsnetzbetreiber an, u.a. bauliche und technische Anpassungen der Kernnetzmaßnahmen möglich zu machen sowie marktliche Gegebenheiten bei der Überprüfung des Kernnetzes im Rahmen des rollierenden Netzentwicklungsplanungsprozesses besser zu berücksichtigen.
Bei der integrierten Netzentwicklungsplanung sieht der Verband steigende Komplexität durch neue EU-Vorgaben. Eine enge Verzahnung von Transport- und Verteilnetzplanung sei notwendig, gleichzeitig drohten Doppelaufwände durch eine strikte Umsetzung der Richtlinie.
Regulierung, Transparenz und Biomethan
Weitere Forderungen betreffen regulatorische Details. So spricht sich FNB Gas für Anpassungen bei Entflechtung und Zertifizierung von Wasserstoffnetzbetreibern aus. Zudem solle der Austausch sensibler Informationen zwischen Netzbetreibern erleichtert werden.
Mit Blick auf kritische Infrastrukturen fordert der Verband, Transparenzpflichten zu überprüfen. Die Veröffentlichung detaillierter Netzdaten erhöhe aus seiner Sicht Sicherheitsrisiken. Sensible Informationen sollten daher primär der Bundesnetzagentur zugänglich sein.
Kritisch bewertet FNB Gas auch bestehende Regelungen für Biomethan. Lange Bindungsfristen für Bestandsanlagen könnten die Umstellung von Gas- auf Wasserstoffnetze verzögern und langfristig Kosten erhöhen. Der Verband plädiert dafür, Stilllegungen stärker an die Netzentwicklungsplanung zu koppeln.
FNB Gas vertritt die Interessen der deutschen Fernleitungsnetzbetreiber und koordiniert unter anderem die Planung des Wasserstoff-Kernnetzes. Die EnWG-Novelle gilt als zentrale Grundlage für dessen regulatorischen Rahmen.