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Politik und Recht

BDEW-Studie: Kumulierte Risiken blockieren Wasserstoffhochlauf

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und Capgemini haben auf der E-World in Essen eine Studie zur Risikolage beim Wasserstoffhochlauf vorgestellt. Die Analyse zeigt: Alle Glieder der Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über Transport und Speicherung bis zur Nutzung – sind gleichermaßen von Investitionshemmnissen betroffen. Isolierte Einzelmaßnahmen reichen demnach nicht aus, um finale Investitionsentscheidungen (FIDs) zu ermöglichen.

Politik muss endlich handeln!

Als zentrale Stellschrauben identifiziert die Studie drei Bereiche: die Entschärfung der Anforderungen des Delegierten Rechtsakts zu erneuerbaren Kraftstoffen nicht-biogenen Ursprungs (RFNBOs), staatliche Differenzverträge (Contracts-for-Difference, CfD) sowie den Aufbau verbindlicher Leitmärkte. Die vorgeschlagenen Instrumente seien als temporäre, hochlaufbegleitende Maßnahmen konzipiert, heißt es in der Studie.

„Die Studie zeigt, dass es jetzt Ziel der Politik sein muss, den Aufbau vollständiger Wertschöpfungsketten zu ermöglichen", sagt Dr. Kirsten Westphal, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim BDEW. Die aktuellen Hürden seien zu hoch und die Risiken für die Unternehmen zu Beginn kaum zu tragen.

Aus systemischer Sicht wäre es sinnvoller, Synergieeffekte im Energiesystem zu nutzen, statt neue Erzeugungsanlagen exklusiv für die Wasserstoffproduktion zu errichten. Darüber hinaus seien während der Hochlaufphase staatliche Contracts-for-Difference (CfD) notwendig, um die bestehende Kostenlücke zwischen erneuerbarem bzw. kohlenstoffarmen Wasserstoff und fossilen Alternativen zu schließen. Um die Kosten hierfür im Rahmen zu halten, könnten beispielsweise zusätzliche staatliche Garantien helfen. Flankierend brauche es den Aufbau verbindlicher Leitmärkte, um verlässliche Nachfrage zu schaffen und Investitionssicherheit zu erhöhen.

Kumulierte Unsicherheiten übersteigen Risikotragfähigkeit

Torben Schuster, Head of Energy Transition & Utilities bei Capgemini Invent, ergänzt: „Die kumulierten Unsicherheiten übersteigen schlicht die Risikotragfähigkeit der Unternehmen." Die Studie zeige auf, warum viele Projekte nicht bis zur finalen Investitionsentscheidung gelangen. Der größte Handlungsbedarf bestehe bei Finanzierung, Abnahmevereinbarungen und regulatorischer Stabilität.

Als Praxisvertreter hat EWE an der Studie mitgewirkt. „Der Wasserstoffhochlauf scheitert derzeit nicht an fehlendem Interesse oder mangelnder Technologie, sondern an hohen Risiken und fehlender wirtschaftlicher Absicherung entlang der gesamten Wertschöpfungskette", sagt Dr. Geert Tjarks, Geschäftsführer der EWE Hydrogen. EWE investiere bereits in integrierte Wasserstoffprojekte, unter anderem mit dem mehrteiligen IPCEI-Vorhaben „Clean Hydrogen Coastline“. Dies sei in der frühen Hochlaufphase jedoch nur durch gezielte Förderung möglich.

EWE