Laut dem Anbieter von Wasserstofftransporttechnologien H2C Safety Pipe (H2CSP) schließt das Gesetz eine bisherige Regelungslücke. Die staatliche Sicherheitsaufsicht über reine Wasserstoffpipelines außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der California Public Utilities Commission (CPUC) sei nicht eindeutig geregelt gewesen. Betreiber hätten sich überwiegend auf Vorschriften gestützt, die ursprünglich für Erdgasleitungen entwickelt worden seien.
Neue Vorgaben für Material, Leckageminimierung und Monitoring
Das Gesetz SB 804 verpflichtet Pipelinebetreiber, Wasserstoffleitungen so zu planen und zu bauen, dass Leckagen auf das technisch geringstmögliche Maß reduziert werden. Die eingesetzten Materialien müssen chemisch mit Wasserstoff kompatibel sein und Beständigkeit gegen wasserstoffbedingte Schädigungen aufweisen, einschließlich Korrosion und Versprödung. Zudem schreibt das Gesetz kontinuierliche Mess- und Überwachungssysteme vor, die Abweichungen vom Normalbetrieb frühzeitig und in Echtzeit erkennen können.
Betreiber und Eigentümer müssen Betriebsaufzeichnungen über Wasserstoffkonzentrationen und bestätigte Leckagen führen. Sie sind verpflichtet, der kalifornischen Brandschutzbehörde (Office of the State Fire Marshal) jährlich über die Einhaltung Bericht zu erstatten. Diese Behörde übernimmt die landesweite Aufsicht. Bestehende Zuständigkeiten der CPUC für die von ihr regulierten Versorgungsunternehmen bleiben erhalten. Bei Widersprüchen zwischen den neuen Standards und CPUC-Vorschriften gilt jeweils die Bestimmung mit dem höheren Schutzniveau.
Kalifornien ist damit einer der ersten Rechtsräume mit einem dedizierten Sicherheitsgesetz für Wasserstoffpipelines. In Europa werden vergleichbare technische Anforderungen bislang überwiegend durch Normen und technische Regelwerke abgedeckt, etwa durch DVGW-Arbeitsblätter. Wie streng die kalifornischen Vorgaben in der Praxis ausfallen, hängt von Durchführungsverordnungen des State Fire Marshal ab, die noch ausstehen. Insbesondere die kontinuierliche Messung und Überwachung könnte ein Knackpunkt werden.
Politische Unterstützung von Demokraten und Republikanern
„Kalifornien hat die Chance, in den USA und weltweit eine Führungsrolle bei der sicheren Entwicklung der Wasserstoffinfrastruktur zu übernehmen", sagte Staatssenator Bob Archuleta. „SB 804 gibt uns die Instrumente dafür an die Hand." Der Senator leitet den Sonderausschuss für Wasserstoffenergie seit 2021.
Laut Robert M. Hertzberg, ehemaliger Präsident der California State Assembly und ehemaliger Mehrheitsführer im kalifornischen Senat sowie Mitglied des Verwaltungsrats von H2C Safety Pipe, gibt es breite Unterstützung für das Gesetz: „Gewerkschaften, Umweltorganisationen und Wirtschaftsvertreter haben sich gemeinsam für das Gesetz eingesetzt, und sowohl Demokraten als auch Republikaner haben in beiden Kammern einstimmig dafür gestimmt."
Rohr-in-Rohr-System soll besonders hohe Sicherheit bringen, ist aber nicht vorgeschrieben
Das in Santa Barbara ansässige Unternehmen H2C Safety Pipe begrüßt das Gesetz. Es entwickelt eine Safety-Pipe-Technologie, die nach eigenen Angaben den im Gesetz verankerten Prinzipien entspricht. Das Unternehmen setzt auf ein Rohr-in-Rohr-System: Ein wasserstoffführendes Innenrohr aus Verbundwerkstoff ist in einem äußeren Sicherheitsrohr installiert, das als sekundäre Rückhaltebarriere dient. Der Ringspalt zwischen beiden Rohren wird mit einem Inertgas gespült und mithilfe von Wasserstoffsensoren überwacht. Explizit vorgeschrieben ist eine solche Konstruktion im Gesetz aber nicht.
„Aus unserer Sicht ist an SB 804 besonders bemerkenswert, dass sich der regulatorische Rahmen in dieselbe Richtung entwickelt hat wie die Technologie, an der H2C Safety Pipe seit Jahren arbeitet", sagte Martin L. Adams, Verwaltungsratsmitglied von H2CSP und ehemaliger Generaldirektor und Chefingenieur des Los Angeles Department of Water and Power.
Robert H. Shelton, Präsident und CEO von H2CSP, sieht das Gesetz als mögliches Vorbild für Anforderungen in anderen US-Bundesstaaten und darüber hinaus. Allerdings ist die Ausgangssituation in Europa eine andere. Hier sollen viele Erdgaspipelines zu Wasserstoffleitungen umgewidmet werden. Ob Bestandsstähle die Materialanforderungen nach kalifornischem Muster erfüllen könnten, ist offen.