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H2-Marktanalyse

Studie: 170 Wasserstoff-Start-ups in Deutschland

Die Kommunikationsberatung CC: Collective hat ein Whitepaper mit dem Titel „H2 nach dem Hype" veröffentlicht. Darin analysiert sie den Stand der deutschen Wasserstoffwirtschaft auf Basis von Interviews mit Vertretern aus Verband, Ökosystem und Technologie. Zu Wort kommen Timm Kehler, Geschäftsführer des Branchenverbands Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft, Uwe Kerkmann, CEO des Essener H2UB, sowie die Gründer der Start-ups Greenlyte Carbon Technologies und elementarhy.

Die zentrale These des Papiers: Der Hochlauf scheitert nicht an der Technik, sondern an fehlenden Marktmechanismen. Es fehlten stabile Preissignale, ein funktionierender Spotmarkt und verlässliche Abnahmestrukturen. Daraus ergebe sich ein klassisches Henne-Ei-Problem: Ohne bezahlbares Angebot bleibe die Nachfrage zurück, ohne große Abnehmer fehle der Produktionsanreiz.

Rund 0,2 Gigawatt Elektrolysekapazität in Betrieb

Das Whitepaper verweist auf die Diskrepanz zwischen politischen Zielen und Realität. Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur sind bundesweit derzeit lediglich rund 0,2 Gigawatt Elektrolysekapazität in Betrieb. Das Ziel der Nationalen Wasserstoffstrategie liegt bei mindestens 10 Gigawatt bis 2030.

Timm Kehler ordnet die Lage so ein: „Der Wasserstoffmarkt scheitert derzeit nicht an der Technik. Er scheitert an fehlenden und inkonsistenten Rahmenbedingungen." Nötig sei ein konsistenter Instrumentenmix aus Fördermechanismen für Elektrolysekapazitäten, Contracts for Difference, Nachfragestimulierung und Quotenansätzen.

Ökosystem mit rund 170 Start-ups

Uwe Kerkmann beschreibt die Branche als Ökosystem mit rund 170 Start-ups in Deutschland und etwa 600 in Europa entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nach seiner Einschätzung ist der Hype um Wasserstoff, der 2021 und 2022 seinen Höhepunkt hatte, abgeklungen. „Nach dem Hype – der seinen Peak etwa 2021/22 hatte – sind wir jetzt in einer Realisierungsphase", so Kerkmann. Fokus liege nun auf Wirtschaftlichkeit und Umsetzungsfähigkeit. Als Treiber nennt er auch die Resilienzdebatte infolge geopolitischer Konflikte. Grüne Moleküle könnten in Europa produziert werden und dienten zugleich als Speichermedium.

Greenlyte: Erste LiquidSolar-Anlage in Duisburg

Florian Hildebrand, Mitgründer und CEO von Greenlyte Carbon Technologies, berichtet über die im November 2025 in Betrieb genommene Anlage in Duisburg. Diese sei semikommerziell und produziere bei aktueller Reaktorgröße rund fünf Tonnen E-Methan pro Jahr. Die Technologie LiquidSolar bindet CO₂ aus der Luft und produziert gleichzeitig Wasserstoff. Der wirtschaftliche Proof Point soll mit einer skalierten Anlage im nordrhein-westfälischen Marl folgen.

Das Unternehmen habe bislang mehr als 55 Millionen Euro eingesammelt. Zur Gewinnung von Abnahmepartnern habe Greenlyte ein Industry Advisory Board mit Vertretern von Lufthansa, TUI und Uniper gegründet. „Den Business Case haben wir gemeinsam mit den Abnehmern erarbeitet", sagt Hildebrand. Er fordert Contracts for Difference für E-Fuels sowie Mechanismen für langfristige, bindende Off-Takes.

Elementarhy: Iridium-Einsatz um bis zu 95 Prozent reduziert

Das 2024 gegründete Spin-off des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung in Greifswald entwickelt eine plasmabasierte Membran-Elektroden-Anordnung (MEA) für Elektrolyseure. Nach Unternehmensangaben reduziert die Technologie den Iridium-Einsatz um bis zu 95 Prozent und kommt ohne per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) aus. Für ein Gigawatt Elektrolysekapazität werden derzeit rund 500 Kilogramm Iridium benötigt – bei einer weltweiten Jahresförderung von etwa acht Tonnen.

Mitgründer Gustav Sievers fordert ein stabiles Förderinstrument: „Wir brauchen im Grunde das EEG für Wasserstoff." Ein fester Betrag pro Kilogramm Wasserstoff könne die Differenz zwischen Produktionskosten und Marktpreis abfedern. In zwei Jahren wolle elementarhy die ersten Megawatt-Stacks mit Kunden im Betrieb haben und eine Gigawatt-Fabrik für MEAs planen.

Sechs Handlungsfelder für die Kommunikation

Aus den Interviews leitet CC: Collective sechs Handlungsfelder für die Branchenkommunikation ab. Dazu zählen die Sichtbarmachung des wirtschaftlichen Case, der strategische Einsatz von Advisory Boards, die frühzeitige Einbindung externer Stakeholder, die Nutzung von Resilienz und Wirtschaftlichkeit als Argument, das Einfordern politischer Verlässlichkeit sowie das Verständnis von Kommunikation als Marktinstrument. Als warnendes Beispiel verweist das Whitepaper mehrfach auf die deutsche Solarindustrie, die trotz technologischer Führerschaft ihre Marktposition an China verlor.