Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat gemeinsam mit 15 weiteren Verbänden ein Impulspapier für eine europäische Wasserstoffallianz vorgelegt. Ziel ist es, den Hochlauf eines gemeinsamen Wasserstoffmarktes und industrieller Wertschöpfung in Europa zu beschleunigen. Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem DVGW, DWV, en2X, Eurogas, FNB Gas, Hydrogen Europe, VCI, VDA, VDMA P2X4A, VIK, VKU und die Wirtschaftsvereinigung Stahl. Bereits im Juni 2025 hatten die Verbände einen ersten gemeinsamen Appell gestartet, den sie nun erneuern.
Aus Sicht der Verbände kommt der Wasserstoffhochlauf dort voran, wo Infrastruktur, Förderung, Nachfrageanreize, regulatorische Planungssicherheit und Risikoabsicherung zusammenwirken. Insgesamt bleibe er jedoch deutlich hinter den politischen und industriellen Erfordernissen zurück. Viele Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette stünden unter erheblichem wirtschaftlichem Druck, Investitionsentscheidungen würden zurückgestellt, europäische Technologieanbieter gerieten in einen verschärften internationalen Wettbewerb.
Fortschritte bei Großprojekten und Kernnetz
Das Impulspapier nennt mehrere Projekte, die zuletzt entscheidende Entwicklungsschritte erreicht haben. Dazu zählen die Investitionsentscheidungen für den 200-MW-Elektrolyseur ELYgator in Rotterdam/Maasvlakte und für die erste 300-MW-Phase des Andalusian Green Hydrogen Valley in Spanien. Fortschritte gebe es zudem beim 320-MW-Elektrolyseur im Rahmen des Projekts Clean Hydrogen Coastline in Emden. Im Bau befinden sich nach Angaben der Verbände der 100-MW-Elektrolyseur Refhyne 2 im Rheinland, der 200-MW-Elektrolyseur Holland Hydrogen 1 im Hafen Rotterdam sowie der 100-MW-Elektrolyseur Lingen Green Hydrogen in Niedersachsen. Kurz vor der finalen Investitionsentscheidung stehe das eSAF-Vorhaben am Standort Schwedt in Brandenburg.
Auch bei der Infrastruktur sehen die Verbände Fortschritte. Das deutsche Wasserstoff-Kernnetz, die laufende Kapazitätsreservierung und die Weiterentwicklung grenzüberschreitender Korridore seien zentrale Bausteine. Positiv bewerten sie die Einstufung von grenzüberschreitenden Transportkorridoren als europäische „Energy Highways“. Nun müsse das Kernnetz zügig mit Speichern, Importkapazitäten, Industrieclustern, Verteilnetzen und europäischen Transportkorridoren verbunden werden.
Forderung nach Regulierungsreform und Risikoabsicherung
Damit der Hochlauf kosteneffizienter wird, müsse die Regulierung überarbeitet werden, fordern die Verbände. Kritisch sehen sie die strikten Strombezugskriterien für RFNBO-konformen Wasserstoff (Renewable Fuels of Non-Biological Origin) sowie Vorgaben für kohlenstoffarme Kraft- und Brennstoffe. Neben einer Senkung allgemeiner Systemkosten verlangen sie eine Netzentgeltbefreiung für Elektrolyseure.
Da bislang kein liquider Wasserstoffmarkt mit belastbaren Preissignalen existiere, fehlten häufig langfristige Abnahmeverträge und finale Investitionsentscheidungen. Hier könnten nach Einschätzung der Verbände Differenzverträge, Nachfrageinstrumente, Bürgschaften und Garantien helfen. Ein technologieoffener Ansatz solle sowohl erneuerbaren als auch kohlenstoffarmen Wasserstoff einbeziehen.
Deutschland soll Brückenfunktion übernehmen
Deutschland müsse als größter Wirtschaftsstandort, künftiger Importeur, Technologieexporteur und zentraler Netzknoten eine führende Rolle einnehmen, heißt es in dem Papier. Das Land könne Brücken bauen zu den Benelux-Staaten, über das H2Med-Vorhaben zu Frankreich, Spanien und Portugal, entlang des SouthH2 Corridor zu Italien und Österreich sowie zu den nordischen Staaten als Produktionsstandorten. Die Verbände verweisen auf den Koalitionsvertrag, in dem eine führende deutsche Rolle in einer europäischen Wasserstoffinitiative vereinbart ist. Begleitend wollen die Verbände die laufende Einbettung auf EU-Ebene in den Industrial Accelerator Act und den Net Zero Industry Act aktiv begleiten.