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Weltkongress Gründach: Aktualisierter Leitfaden Gebäudebegrünung vorgestellt

Auf dem diesjährigen Weltkongress Gebäudegrün in Berlin hat Nicole Pfoser von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen die überarbeitete Fassung des Leitfadens „Gebäudebegrünung – Zukunftsfähige Lösungen für Klima und Stadt“ vorgestellt. Es ist eine Aktualisierung des bisherigen Leitfadens „Gebäude, Begrünung und Energie: Potenziale und Wechselwirkungen“ aus dem Jahr 2013.

Nach zehn Jahren sei eine solche Aktualisierung notwendig, betont Nicole Pfoser. Das Ziel: „Den Wissensstand zur Gebäudebegrünung auf den neuesten Stand zu bringen, was die Leistungsfaktoren betrifft, was Bauweisen, Installation und Pflege betrifft“, erklärt sie. „Aber auch Wartung und die Kombination mit der Frage energieeffizientes Bauen standen im Mittelpunkt. So können wir einen kostenfreien Leitfaden mit viel enthaltenem Wissen allen zur Verfügung stellen.“

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Multifunktionsdächer eingeführt

So haben die Autoren die Kategorisierung von Gründächern grundlegend überarbeitet. Statt der bisherigen Trennung in extensive und intensive Begrünung unterscheidet der neue Leitfaden nun zusätzlich nach Prioritäten wie Gewichtseinsparung oder Multifunktionsdächern, die als Kategorie ganz neu eingeführt wurden. Dazu gehören auch die solaren Gründächer – neben den Biodiversitätsdächern, Retentionsdächern und Wassergründächern sowie Anlagen zur gebäudeintegrierten Farmwirtschaft. Nicole Pfoser begründet diese damit, dass sich der Markt entsprechend verändert und die Nachfrage nach solchen Multifunktionsdächern einen echten Schub erfahren hat.

Kriterien für solare Gründächer

So ist neben der Fassadenbegrünung einer der Schwerpunkte der Aktualisierung die Kombination des Gründaches mit der Photovoltaik. Im Leitfaden werden die gestalterischen Kriterien beim Bau von solaren Gründächern durch vegetationstechnische und bautechnische Kriterien ergänzt. Es werden die gängigen technischen Möglichkeiten dargestellt und die jeweiligen Vorteile herausgearbeitet. So beschreibt der Leitfaden acht verschiedene Anwendungsformen – von Flachkollektoren neben extensiven Begrünungen über neigungsoptimierte Solarmodule bis zu semitransparenten Photovoltaikanlagen auf Pergolen über intensiver Begrünung.

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Zudem beschrieben die Autoren die verschiedenen Vorteile der Kombination von Photovoltaik und Gründach, auch mit Blick auf die Modulleistung und die Erträge. Die angegebenen Werte gehen auf konkrete Messungen zurück – unter anderem auf einen Vergleich zwischen einem begrünten und einem Bitumendach der Ufa-Fabrik in Berlin-Tempelhof sowie auf Untersuchungen der Technischen Hochschule Nürnberg. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Begrünungen zu einer Abkühlung der Lufttemperatur zwischen Pflanzen und Photovoltaik um maximal 1,6 Kelvin im Vergleich zum unbegrünten Referenzfall führen“, schreiben die Autoren im Leitfaden.

Synergien bei Montage und Statik

Neben der Wirkungsgradsteigerung beschreibt der Leitfaden weitere konstruktive Vorteile der Kombination. Bei aufgeständerten Photovoltaikanlagen kann die Dachbegrünung die sonst notwendige Auflast aus Kies oder Betonplatten ersetzen. Dies vermeidet Punktlasten und erlaubt eine gleichmäßige Lastverteilung. Auf dem Markt sind inzwischen kombinierte Systeme als Solargründach mit Unterkonstruktion für Photovoltaikanlagen und Flachdachbegrünungssysteme verfügbar.

Wartung gewinnt an Bedeutung – holen Sie sich das Fachwissen im kompakten Format

Die Lebenszyklusbetrachtung im Leitfaden zeigt allerdings differenzierte Ergebnisse: Über einen Betrachtungszeitraum von 50 Jahren liegt der Barwert eines extensiven solaren Gründaches bei rund 223 Euro pro Quadratmeter, während ein Kiesdach mit Solaranlage bei etwa 168 Euro pro Quadratmeter liegt. Die höheren Investitions- und Wartungskosten werden durch den Mehrertrag aus der Stromproduktion nicht vollständig kompensiert. Nicole Pfoser betont jedoch, dass weiche Faktoren wie die Wirkung auf das Stadtklima, die Verbesserung der Gebäudegestalt und das Wohlbefinden bei solchen Betrachtungen einbezogen werden müssten.

Der vollständige Leitfaden „Gebäudebegrünung – Zukunftsfähige Lösungen für Klima und Stadt“ steht auf der Webseite der Hochschule Nürtingen-Geislingen zum kostenfreien Download zur Verfügung. (su)