Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat sich in einem Positionspapier für die Einführung von Differenzverträgen (Contracts for Difference, CfDs) als Schlüsselinstrument für den Wasserstoffmarkthochlauf ausgesprochen. Der Verband schlägt vor, im Bundeshaushalt 2027 einen eigenen, zweckgebundenen Haushaltstitel für Wasserstoff-CfDs im Klima- und Transformationsfonds (KTF) zu verankern.
Aus Sicht des BDEW stockt der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, ein Markt entwickle sich bislang nicht. Erneuerbarer und kohlenstoffarmer Wasserstoff sei in der frühen Hochlaufphase deutlich teurer als fossile Alternativen. Zudem fehlten langfristig abgesicherte Nachfrage, standardisierte Produkte und belastbare Referenzpreise. Solange die Lücke zwischen der Zahlungsbereitschaft der Abnehmer und den Bereitstellungskosten nicht geschlossen werde, blieben finale Investitionsentscheidungen (FIDs) entlang der Wertschöpfungskette aus.
BDEW: Förderinstrumente greifen zu kurz
Die bestehenden Förderinstrumente setzen nach Einschätzung des Verbandes häufig nur an einzelnen Wertschöpfungsstufen an – etwa bei der Produktion, dem Transport oder einzelnen Abnehmergruppen. Um die gesamte Wertschöpfungskette zu adressieren, brauche es ein Instrument, das erste Mengen in den Markt bringt, Investitionsrisiken reduziert und den Aufbau belastbarer Lieferketten ermöglicht.
Ein Wasserstoff-CfD könne die Kostenlücke zwischen erneuerbarem beziehungsweise kohlenstoffarmem Wasserstoff und der heutigen Zahlungsbereitschaft der Abnehmer reduzieren. Unternehmen sollen dabei in wettbewerblichen Ausschreibungen bieten. Ein Rückzahlungsmechanismus (Claw-Back) soll sicherstellen, dass ein Teil der Mittel an den Staat zurückfließt, wenn sich die Marktentwicklung positiver darstellt als bei der Gebotsabgabe angenommen. Der CfD sei damit „kein pauschaler Zuschuss, sondern ein wettbewerbliches und steuerbares Markthochlaufinstrument“, heißt es in dem Papier.
Vertragslaufzeiten von 15 Jahren gefordert
Die Verträge sollten nach BDEW-Vorstellung grundsätzlich eine Laufzeit von 20 Jahren, mindestens jedoch 15 Jahren haben, um die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit zu ermöglichen. Bereits im Bundeshaushalt 2027 solle die Grundlage für weitere Ausschreibungsrunden in dieser Legislatur (2027, 2028 und 2029) sowie darüber hinaus geschaffen werden.
Ohne diese Planbarkeit drohe der Wasserstoffhochlauf weiter durch Attentismus, Projektverzögerungen und fehlende Finanzierbarkeit ausgebremst zu werden. Entscheidend sei, dass das Instrument schnell in die Umsetzung komme und in der ersten Phase nicht durch übermäßige Komplexität und bürokratischen Aufwand ausgebremst werde.
Breiter Teilnehmerkreis und beihilferechtliche Konformität
Bei der Einführung des Instruments sollten nach Auffassung des BDEW mehrere Punkte berücksichtigt werden. Der CfD solle einem breiten Kreis von Energieversorgern offenstehen. Teilnehmen können sollten Erzeuger und Händler, die Wasserstoffmengen bündeln, Portfolien aufbauen und bedarfsgerechte Produkte entwickeln. Je standardisierter das zugrunde liegende Produkt sei, desto kosteneffizienter und wirksamer arbeite der CfD-Mechanismus.
Über das Ausschreibungsdesign müsse zudem sichergestellt werden, dass hinter den Geboten die notwendige wirtschaftliche und operative Verbindlichkeit steht und bezuschlagte Mengen tatsächlich in den Markt gelangen. Der Fördermechanismus sei von Beginn an so auszugestalten, dass er mit dem EU-beihilferechtlichen Genehmigungsrahmen – insbesondere dem Clean Industrial State Aid Framework (CISAF) – vereinbar und grundsätzlich mit anderen Förderungen kombinierbar sei, sofern keine Doppelförderung entstehe.
Als sinnvolle Ergänzung sieht der BDEW flankierende Garantieinstrumente, etwa nach dem Vorbild einer „First Loss Portfolio Guarantee“ mit der KfW Bank als möglichem Sicherheitengeber. Diese sollen Ausfallrisiken in der frühen Hochlaufphase absichern, Finanzierungskosten senken und die Bankability von Wasserstoffprojekten verbessern. Die geförderten Mengen sollten zudem die Befüllung und den Betrieb des Wasserstoff-Kernnetzes unterstützen und so zur Auslastung und Liquidität der entstehenden Infrastruktur beitragen.