Viele Kommunen stehen vor der Herausforderung, Klimaschutzprojekte umzusetzen, während finanzielle Mittel, technisches Know-how und personelle Ressourcen begrenzt sind.
Contracting bietet eine praktikable Lösung: Ein Gebäudeeigentümer beauftragt einen Dienstleister, der die Investitionen zunächst übernimmt. Die Kosten werden anschließend über einen längeren Zeitraum zurückgezahlt, entweder über eine feste Rate wie beim Energiespar-Contracting oder über den Wärme- beziehungsweise Kältepreis wie Energieliefer-Contracting. Das heißt: Es ermöglicht Investitionen in effiziente Technik und erneuerbare Energien, ohne dass Kommunen selbst hohe Anfangskosten tragen müssen.
Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) setzt sich dafür ein, das Potenzial dieses Instruments stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Kommunen bei der Umsetzung zu unterstützen.
Das sind die Vorteile von Contracting
Wann lohnt sich Contracting? Es ist besonders bei der Wärmeversorgung sinnvoll, wenn Kommunen weder das Kapital für moderne Heizanlagen noch das nötige Know-how, die Zeit oder das Personal besitzen. Contractor-Unternehmen kompensieren diese Defizite und erzielen durch Optimierungsprozesse wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Die Kommune investiert nicht in die Technik, sondern zahlt für die bezogene Nutzenergie. Insbesondere beim Einsatz erneuerbarer Energieträger ergeben sich daraus interessante Möglichkeiten für Kommunen. Auch für die gewerbliche Seite entstehen Kostenvorteile und eine bessere Kontrolle über die Energiekosten.
DEN e.V. / Mahrholdt
Praxisbeispiel: Sektorengekoppeltes Energiesystem versorgt das Quartier Rockywood
Im Offenbacher Quartier Rockywood zeigt sich, wie komplex und wirkungsvoll Contracting-Projekte sein können. Das Projekt kombiniert verschiedene Komponenten: klimaneutrale Fernwärme aus dem EVO-Heizkraftwerk und dem Müllheizkraftwerk, Kälte- und PV-Stromerzeugung, Energiemonitoring, Mittelspannungstechnik für E-Ladestationen sowie eine raumlufttechnische Anlage mit Wärmepumpe. All diese Systeme sind Teil eines Energieliefer-Contractings.
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Die Architektur des Hybridhauses Rockywood ist ebenfalls bemerkenswert. Der größere Gebäudeteil besteht aus insgesamt 2.600 Kubikmeter Holz, als Holzmodule in Stapelbauweise verbaut. Dies entspricht etwa 2.400 Tonnen gespeichertem CO₂. Hier befinden sich überwiegend Büroflächen. Ein weiterer Gebäudeteil, ein schwarzer Kubus in Betonbauweise mit großen Fensterflächen, kann unter anderem für Veranstaltungen genutzt. Auf den Dächern befinden sich Photovoltaik-Module, Kälteerzeugungs- und Lüftungsanlagen sowie eine Wärmepumpe.
So kann eine Zusammenarbeit von Contracting-Unternehmen und Energieberatern aussehen
Das Beispiel Rockywood verdeutlicht das Potenzial von Contracting für Energieeffizienzmaßnahmen. Ralf Enneking, Koordinator des DEN-Kompetenzteams Contracting, betont: „Das verdeutlicht, dass die Zusammenarbeit von Contracting-Unternehmen und Energieberater/innen – auch im Gebäudebereich – fruchtbar und sinnvoll ist.“
Das DEN unterstützt Kommunen als unabhängiges Netzwerk von Sachverständigen bei der Auswahl und Umsetzung geeigneter Contracting-Angebote und begleitet sie fachlich durch den gesamten Prozess. Hermann Dannecker, Ehrenvorsitzender des DEN, hebt hervor: „Angesichts der Komplexität des Themas ist es entscheidend, Wissen zu bündeln und unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Gemeinsam müssen wir Kommunen zeigen, wie gutes Contracting Klimaschutz finanzierbar macht.“
Contracting als Motor für die Energiewende in Kommunen nutzen
Contracting-Lösungen eignen sich nicht nur für ambitionierte Neubauprojekte, sondern auch für Bestandsgebäude und kommunale Infrastruktur. Sie bieten Kommunen die Möglichkeit, Klimaschutzmaßnahmen effizient und wirtschaftlich umzusetzen, selbst wenn eigene Ressourcen begrenzt sind. Die Zusammenarbeit zwischen Energieberatern und Contracting-Unternehmen fördert die Entwicklung nachhaltiger und zukunftsweisender Energielösungen. Contracting bleibt ein wichtiger Baustein für die Energiewende und den kommunalen Klimaschutz. ar / DEN