Ein Wohnhaus aus den 1970er-Jahren auf Effizienzhaus-40-Niveau zu bringen, ist technisch anspruchsvoll. Das zeigt ein Sanierungsprojekt in Wilnsdorf-Niederdielfen im Kreis Siegen-Wittgenstein. Das Zweifamilienhaus verfügte über zwei Wohneinheiten, eine beheizte Wohnfläche von rund 230 Quadratmetern sowie einen beheizten Keller und ein teilweise ausgebautes Dachgeschoss. Die Gebäudehülle war bis zur Sanierung nicht energetisch ertüchtigt worden; lediglich die Ölheizung war 2003 erneuert worden.
Neben dem hohen Energieverbrauch bestand ein umfassender baulicher Sanierungsbedarf, unter anderem wegen Schäden an Dach und Entwässerung, Feuchteproblemen im Öllagerraum, defekter Drainage, Putzrissen im Sockelbereich, maroder Kellerfenster und nicht gedämmter Leitungen. Grundlage für die Planung war ein individueller Sanierungsfahrplan.
Vom Reparaturstau zum Effizienzhaus 40 EE
Die Sanierung verfolgte mehr als nur das Ziel, Heizkosten zu reduzieren. Der Bauherr wollte den Reparaturstau beseitigen, zusätzliche Wohnfläche schaffen, den Wohnkomfort steigern und das Gebäude gestalterisch grundlegend verändern. Architektonisch orientierte sich das Konzept an einem schwarzen Pavillon, den der Bauherr vor rund 25 Jahren in der Autostadt Wolfsburg gesehen hatte. Entstanden ist ein markant gestaltetes, dunkel verkleidetes Wohnhaus.
Energetisch wurde das Gebäude zum Effizienzhaus 40 EE weiterentwickelt. Der berechnete jährliche Endenergiebedarf sank laut Projektunterlagen von ursprünglich 52.379 Kilowattstunden auf 5.146 Kilowattstunden. Erdberührte Bauteile, Bodenplatte, Dach, und Fassade sowie Fenster und Türen wurden erneuert.
So erhielt das Dach eine mehrlagige Dämmung aus Unter-, Zwischen- und Aufsparrendämmung mit insgesamt bis zu 480 Millimeter Aufbauhöhe. Der angegebene U-Wert liegt bei 0,06 W/(m²K). Die Fassade wurde als hinterlüftete Schieferfassade ausgeführt; ihr U-Wert beträgt laut Planung 0,135 W/(m²K). Für Keller und andere erdberührte Bauteile wurden eine 200 Millimeter starke Perimeterdämmung, eine neue Abdichtung und eine erneuerte Drainage realisiert. Neue Holz-Aluminium-Fenster mit Dreifachverglasung sowie Passivhaustüren komplettieren die wärmebrückenarm ausgeführte Hülle.
Wärmepumpe, Ringgrabenkollektor und Komfortlüftung
Die Wärmeversorgung übernimmt eine modulierende Sole/Wasser-Wärmepumpe mit einer Heizleistung von 0,8 bis sechs Kilowatt. Sie arbeitet mit einem Ringgrabenkollektor als Wärmequelle. Der Kollektor besteht aus zwei jeweils 300 Meter langen PE-Rohren und wurde in einem rund 65 Meter langen sowie 1,8 Meter tiefen Graben verlegt. Der Bauherr berechnete, hob aus und verlegte den Ringgrabenkollektor selbst.
Die Wärmepumpe versorgt eine neu eingebaute Fußbodenheizung, die mit niedrigen Vorlauftemperaturen von unter 30 Grad Celsius betrieben wird. Die berechnete Jahresarbeitszahl liegt bei 5,1. Hinzu kommt eine zentrale Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Ein Enthalpietauscher soll neben Wärme auch Feuchte zurückgewinnen. Über einen zusätzlichen Sole-Erdkollektor wird die Zuluft im Winter vorgewärmt und im Sommer temperiert.
Photovoltaik und Batteriespeicher
Für eine möglichst hohe Stromautarkie wurde das Dach vollflächig mit Photovoltaik belegt. Die Anlage verfügt über 30,42 Kilowatt Leistung, jeweils etwa zur Hälfte auf der Süd- und der um 35 Grad geneigten Nordseite. Ergänzt wird sie durch einen Batteriespeicher mit 30,76 Kilowattstunden Kapazität und einer Lade- und Entladeleistung von 18 Kilowatt. Das System ist dreiphasig aufgebaut und verfügt über eine Ersatzstromfunktion.
Auch die Elektromobilität ist eingebunden: Zwei Wallboxen mit elf beziehungsweise 22 Kilowatt stehen zur Verfügung. In der Planungsrechnung entfielen von rund 10.429 elektrisch gefahrenen Kilometern pro Jahr etwa 10.027 Kilometer auf Solarstrom.
Die Simulation prognostizierte für die Photovoltaikanlage einen Jahresertrag von rund 22.179 Kilowattstunden. Für den gesamten Strombedarf aus Elektromobilität, Haushalt, Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung errechnete das Projekt einen Autarkiegrad von 83,4 Prozent. Eine zusätzliche PV-Belegung auf Garage und Carport könnte den Autarkiegrad auf etwa 94 Prozent anheben.
Netzstrombezug 2025 bei rund 700 Kilowattstunden
Besonders bemerkenswert sind die vom Projektteam genannten Verbrauchsdaten für das Jahr 2025: Demnach bezog das Gebäude nur rund 700 Kilowattstunden Strom aus dem Netz. Die Angabe bezieht sich auf den Netzbezug; sie ist daher nicht mit dem gesamten Stromverbrauch des Haushalts gleichzusetzen.
Vor der Sanierung lagen die kalkulierten jährlichen Ausgaben für Heizöl, Haushaltsstrom und Benzin bei rund 7.110 Euro beziehungsweise 593 Euro pro Monat. Für die umfassende Sanierung wurden Gesamtkosten von rund 410.000 Euro angesetzt. Nach den seinerzeit zugesagten Förderungen von insgesamt 172.400 Euro verblieb laut Projektunterlagen ein Finanzierungsbedarf von 177.600 Euro, zuzüglich 60.000 Euro Eigenmitteln etwa für Bäder, Küche und Außenanlagen.
Die modellierte monatliche Belastung aus Finanzierung, Strombezug und Einspeisevergütung lag bei rund 443 Euro. Damit sollten die laufenden monatlichen Belastungen trotz der umfangreichen Modernisierung unter den zuvor angesetzten Energiekosten liegen. Neben der Energiebilanz nennt das Projektteam als weitere Effekte einen deutlichen Komfortgewinn, eine größere Wohnfläche von jetzt 27 Quadratmetern, den Abbau des Sanierungsstaus und eine Wertsteigerung des Gebäudes.
Projekt zeigt Grenzen und Chancen der Vollsanierung
Das Beispiel macht deutlich, dass eine Sanierung zum Effizienzhaus 40 weit über Einzelmaßnahmen hinausgeht. Erst das Zusammenspiel aus sehr guter Gebäudehülle, Niedertemperatur-Wärmeverteilung, effizienter Wärmequelle, Lüftung mit Wärmerückgewinnung sowie Photovoltaik, Speicher und Lastmanagement ermöglicht die hohe Eigenversorgung.
Zugleich bleibt ein solches Projekt eine komplexe Gesamtaufgabe: Neben der technischen Planung sind die Bestandsaufnahme, die Förderstrategie, die Finanzierung und die Abstimmung zahlreicher Gewerke entscheidend.
Quelle: Dörnbach Energie