Etwa 300 Aussteller haben auf der Messe Digitalbau 2026 in Köln ihre digitalen Produkte und Dienstleistungen rund um die Leitthemen Kreislaufwirtschaft, Bauprozessoptimierung, KI und Bestandserfassung vorgestellt. Nahezu jeder Aussteller hat auf das Marketing-Zugpferd Künstliche Intelligenz gesetzt und mehr oder weniger smarte Lösungen präsentiert.
Dass die KI das Potenzial hat, die Digitalisierung am Bau weiter voranzutreiben, haben insbesondere rund 60 Startup-Unternehmen gezeigt. In einem separaten Messebereich stellten sie ihre Angebote vor, die vorwiegend auf KI basierten. In vielen Vorträgen und Forendiskussionen wurde aber auch auf eine Kehrseite hingewiesen: Es wächst die Sorge um die Datenhoheit und die Sicherheit sensibler Projekte. Auch Firmenzusammenschlüsse waren wieder ein Gesprächsthema – wie die neu gegründete Orca Group, die acht etablierte Software-Unternehmen unter einem Dach vereint.
Bauphysik- und Energiesoftware
Direkt am Messeeingang setzte Hottgenroth den Fokus auf digitale Gebäudemodelle, moderne Raumerfassungstechnologien und Energieberatungstools. Die CAD-Lösung Hott CAD bildet dabei die Basis für energetische Gebäudeanalysen, Heizlastberechnungen, Simulationen oder den hydraulischen Abgleich. Unterstützt wird ebenso die Raum- und Gebäudeerfassung.
Neu bei Dämmwerk 2026 ist unter anderem das Ökobilanzierungstool nach QNG für die Neubauförderung der KfW mit der Übertragung von Mengen und Energien aus der DIN V 18599-Bilanz. Mit dem speziell auf die Bedürfnisse der energetischen Bilanzierung von Gebäuden zugeschnittenen 3D-Zeichenmodul E-CAD können komplexe Wohn- und Nichtwohngebäude konstruiert, grafisch zoniert und alle berechnungsrelevanten Kenndaten per XML-Schnittstelle an Dämmwerk übergeben werden.
Der Energieplaner 2026 von BKI bietet eine optimierte Dateneingabe, aktualisierte Kostendaten für präzise Investitionskostenermittlung und eine Schnittstelle zur 3D-Gebäudeplanungssoftware BKI E-CAD 6. Unter Berücksichtigung GEG-relevanter Parameter lassen sich in der neuen Version Wohn-, Nichtwohn- und gemischt genutzte Gebäude planen und konstruieren. Der Datenexport in den BKI Energieplaner liefert alle Zonen und Bauteile mit den zugehörigen Flächen zur Berechnung der Transmissionswärmeverluste.
Solar Computer hat das Programm Lüftungskonzept NWG zur normkonformen Berechnung der Volumenströme von Räumen in Nichtwohngebäuden und einem durchgängigen Workflow mit GEG-, DIN V 18599- und Heiz-/Kühllast-Anwendungen vorgestellt. Mit dem Programm Hydraulischer Abgleich im Bestand lassen sich Heizungsanlagen im WG- und NWG-Bestand optimieren - inklusive einer Temperatur-, Druckverlust- und Einstellwert-Berechnung. Das Programm Ökobilanz nach QNG ermittelt aus vorhandenen Bauteil-, Anlagen- und Gebäude-Geometriedaten den nicht erneuerbaren Primärenergieaufwand und das Treibhauspotenzial des Gebäudes für die verschiedenen Lebenszyklusphasen. Mit dem neuen Revit Plug-in GBIS werden BIM-Prozesse beschleunigt und automatisiert. Für mehr Effizienz, Prozesssicherheit und Normkonformität soll der neue KI-Assistent NEO sorgen.
Auch EDV Software Service präsentierte mit AX3000 eine Software für Energieausweise und TGA, direkt eingebunden als Plugin in AutoCAD, BricsCAD oder Allplan. Berechnungen nach DIN V 18599 und GEG wurden weiter optimiert, ebenso Funktionen für QNG/LCA und iSFP für Förder- und Nachhaltigkeitsnachweise.
BIM, CAD und LCA
Zahlreiche, auf der Messe vorgestellten CAD-Neuerungen optimieren die kooperative BIM-Planung, Bestandserfassung, Lebenszyklusanalyse oder Ökobilanzierung. So stand im Mittelpunkt des Messeauftritts von Graphisoft die fachübergreifende Zusammenarbeit der BIM-Software Archicad, die in der Version 29 noch stärker mit den TGA-Planungstools DDScad und MEP Designer von Graphisoft vernetzt werden soll. Unterstützt wird dies durch den smarten Graphisoft AI Assistant, der auf Support- und Community-Expertenwissen zugreift. Eine neue, cloudbasierte Entwurfsplattform berücksichtigt Standort-, Gebäude- und Umgebungsdaten, ermöglicht Machbarkeits- und Nachhaltigkeitsanalysen sowie die BIM-Projektintegration.
Das wahlweise als Kauflizenz oder Mietmodell erhältliche Elitecad Architecture offeriert in der aktuellen Version 17 neue Funktionen für eine weitgehend automatisierte Punktwolkenverarbeitung sowie nachhaltigere Planung gemäß des „European Green Deal“ und des künftig vorgeschriebenen Digitalen Produkt Passes (DPP). Mit der Einbindung der Umwelt Produkt Deklarationen (EPD) und des DPP können Planer Gebäuderessourcenpässe weitgehend automatisiert generieren. Zudem können Entwurfsvarianten hinsichtlich ihres Treibhausgaspotenzials (Global Warming Potential, GWP) verglichen werden.
Zu den zahlreichen Neuerungen von Vectorworks 2026 gehören zum Beispiel ein neues Phasensystem, mit dem sich Renovierungen in mehreren Abschnitten abwickeln lassen. Mit dem Nachhaltigkeitsdashboard haben Planer die Umweltwirkung ihrer Projekte in Echtzeit im Blick, verfolgen den CO2-Fußabdruck oder nutzen Werkzeuge zur Berechnung der Umweltwirkung. Neu sind auch ein Fassadenmodul, eine flexiblere Gestaltung von Fenster- und Türgewänden sowie eine direkte Anbindung an die Bauprodukt-Datenbank Ausschreiben.de.
Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung
Die BIM-AVA-Verknüpfung, die Optimierung des IFC-Imports und die E-Rechnung waren Leitthemen bei AVA-Programmen. So ermöglicht der kostenfreie webbasierte Invoice-Viewer von G&W-Software eine Visualisierung und Validierung von E-Rechnungen nach DIN EN 16931 in den Formaten X-Rechnung und Zugferd. Eingebettete Anlagen lassen sich extrahieren und in AVA-Programmen zu Prüfzwecken verwenden, Rechnungsdaten zu Kontrollzwecken ausdrucken oder als PDF speichern. Der neue BIM-Regelmanager in California X V25 vereinfacht mit einer automatisierten, individuell anpassbaren Filterung und Gruppierung gleichartiger Bauteile die Verarbeitung von BIM-Modellen für die Kostenplanung.
Nova Building IT hat die Cloud-Lösung Nova AVA durch ein zentrales Ticket- und Mängelmanagement-System erweitert. Zu erledigende Aufgaben lassen sich direkt mit LV-Positionen verknüpfen und werden in der Bauabrechnung als offene Punkte angezeigt. Der neue smarte Nova AI Hub soll künftig Unterstützung bei der Informationsbeschaffung, bei der Texterstellung oder -prüfung sowie eine aktive Assistenz per Sprachdialog bieten.
Orca Software hat sich erstmals als Teil der Orca Group präsentiert. Im Fokus standen neben Ausschreiben.de vor allem Orca AVA. Mit der kommenden Version 28 der AVA-Software soll die Datenbanktechnologie auf SQL umgestellt werden, was mehr Datensicherheit, Performance und Stabilität bieten soll. KI-gestützte Funktionen sollen AVA-Prozesse automatisieren. Neue Lösungen wie der Orca LV Viewer und Orca LV Bid, das neue Online-Tool zur schnellen und einfachen Bepreisung von Leistungsverzeichnissen, erweitern das Portfolio.
Der bereits vorhandene KI-Chatbot der Aufmaßsoftware Grava connect sowie des AVA-Systems Avanti werden durch eine neue KI-basierte Plananalyse in Grava connect ergänzt. Die Funktion soll das Erfassen und Strukturieren von Flächen aus Plänen beschleunigen. Parallel dazu arbeitet Hersteller Softtech an weiteren KI-Anwendungen, etwa für die Datenauswertung oder prompt-gesteuerte Interaktionen.
Baustellen-, Büro- und Projektmanagement
Für neue Impulse in der Büro-, Projekt- und Baustellenmanagement-Software sorgen das Mobile und Cloud Computing, BIM und die Künstliche Intelligenz. Letztere war auch am Stand der Baumanagement-App Baumaster ein Thema – allerdings eher mit einem kritischen Blick auf den tatsächlichen Mehrwert, sowie den Datenschutz und die Sicherheit sensibler Projektdaten. Deshalb entwickelt Baumaster aktuell KI-Lösungen, die europäischen Datenschutzanforderungen entsprechen und laut Anbieter eine echte Erleichterung bieten sollen.
Das Premium-Abonnement Bluebeam Max soll das Kernprodukt Bluebeam Revu für die PDF-basierte Projektzusammenarbeit mit KI-Technologien kombinieren. Damit beschleunigt Bluebeam Max die Prüfung von Zeichnungen und Plänen, automatisiert zeitintensive Arbeitsabläufe und optimiert das Zusammenspiel von BIM-Modellen und PDF-Bauplänen.
Auch die Baumanagementsoftware Capmo, die Baudokumentation, Mängel-, Projekt- und Dokumentenmanagement sowie Planserver in einer ganzheitlichen Plattform vereint, automatisiert jetzt administrative Abläufe per KI.
Bei Ishap, Anbieter digitaler Lösungen für die Personal-Dokumentation, stand die Nachunternehmerdokumentation im Fokus. Alle relevanten Nachweise werden zentral gespeichert, der Status ist jederzeit sichtbar und fehlende oder bald ablaufende Dokumente werden früh erkannt.
Modocu, eine digitale Lösung zur Fotodokumentation und Bautagebuchführung für Bauhandwerker und Planer erfasst Baustellenfortschritte, Mängel, Notizen und Berichte direkt vor Ort über eine mobile App und speichert diese zentral in einer Cloud. Optimiert wurden Funktionen zur Vor-Ort-Dokumentation, Berichte und Reportvorlagen.
Planradar, die Webplattform für die Dokumentation des gesamten Gebäudelebenszyklus, hat digitale Lösungen zur Bautagebucherstellung, für das Aufgabenmanagement und die Kommunikation mit Subunternehmern, für Inspektionen, Checklisten, das Mängelmanagement, die Mängelbeseitigung oder das Nachforderungsmanagement vorgestellt.
Die cloudbasierte Kollaborationsplattform RIB Unify stellt zusammen mit einer mobilen App Projektinformationen strukturiert und in der jeweils aktuellen Version für alle zugänglich an einem zentralen Ort zur Verfügung. Unterstützt wird RIB Unify durch den KI-Assistenten RIB Omni, für die Informationssuche und administrative Tätigkeiten.
Mit Unterm-Strich One hat Hersteller Unterm-Strich die nächste Software-Generation eingeläutet – mit einer neuen Benutzeroberfläche, klareren Bedienwegen und zahlreichen funktionalen Weiterentwicklungen. So können etwa Projektfavoriten direkt über das kombinierte Such- und Filtersystem aufgerufen werden. Auch das Mahnungswesen und die Mahnungsverfolgung wurden optimiert.
Weise Software hat sein Software-Angebot für Planer in der neuen Version 2026 vorgestellt. Beispielsweise wurde in der Büromanagement-Software Weise-Control die Ressourcenplanung optimiert und die Benutzerführung intuitiver und interaktiver gestaltet. Mit der Software Projekt-Manager 2026 lassen sich jetzt BIM-Modelle effizient verwalten und einfacher mit Projektablaufplänen verknüpfen.
Aufmaß und Bestandserfassung
Hottgenroth unterstützt die schon erwähnte Raum- und Gebäudeerfassung mit dem optionalen Hott-CAD-Zusatzmodul Hott-KI, das aus Grundrissplänen automatisiert 3D-Modelle erstellt sowie mit dem 3D-Raumscanner Hottscan. Die erweiterte Optimus-App kann jetzt mit Apple Pro-Endgeräten ab der 12. Generation per Lidar-Scan Raumgeometrien erfassen und 3D-Modelle generieren.
Faro hat seine Focus 3D-Laserscanner präsentiert – den Focus Premium Max mit einer Reichweite von bis zu 400 Metern und den Focus Premium und Focus Core mit Reichweiten von 200, respektive 100 Metern. Alle Modelle ermöglichen schnelle „Flash-Scans“ sowie Standard-Scans für mehr Detailgenauigkeit.
Hilti war unter anderem mit dem neuen P3D 800 Laser-scanner mit einer Reichweite von 80 Metern und einer Genauigkeit von zwei Millimetern, einer automatischen Kalibrierung und Selbstnivellierung sowie der Hilti Onsite Scan Software und dem PLC 600 Tablet für eine rationellere Datenerfassung und ‑verarbeitung vertreten. Präsentiert wurden auch zwei Exoskelette für Überkopfarbeiten und schwere Stemmarbeiten sowie der Jaibot-Bauroboter für automatisierte Bohrarbeiten an Wänden oder Decken.