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Netzausbau: BDEW for­dert Bü­ro­kra­tie­ab­bau und In­ves­ti­ti­ons­an­rei­ze

michabo19 - stock.adobe.com

Anlässlich seines Fachkongresses „Treffpunkt Netze“ fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) klare Regeln und Investitionsanreize für den Netzanschluss und Netzausbau. Zudem müssten alle Akteure zusammenarbeiten und bürokratische Hürden abbauen, so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Die Anforderungen an die Stromnetze ändern sich kontinuierlich. Viele regulatorische Weichenstellungen erfolgen parallel. Die Netzbetreiber müssen gleichzeitig massiv ausbauen und jährlich über eine Million neue Anlagen und Verbraucher integrieren, während sie einen sicheren Systembetrieb gewährleisten.

Herausforderungen für die Netze

Im Jahr 2025 wurden rund 1,5 Millionen Photovoltaik- und Windkraftanlagen, Ladesäulen und Batteriespeicher neu in Betrieb genommen. Dies entspricht einer zusätzlichen Anschlussleistung von rund 28 Gigawatt. Hinzu kommen neue Bedarfe aus der Industrie, insbesondere durch Rechenzentren. Die Netzbetreiber stehen vor der Aufgabe, vorhandene Anschlusskapazitäten effizient zu nutzen und gleichzeitig neue zu schaffen.

Das Netzpaket adressiert die steigende Zahl konkurrierender Anschlussbegehren, da das sogenannte Windhund-Prinzip an seine Grenzen stößt. Netzbetreiber benötigen transparente und rechtssichere Verfahren zur Zuteilung knapper Netzkapazitäten. Bessere Zuteilungsverfahren können den Netzausbau jedoch nicht ersetzen.

Hoher Investitionsbedarf

Die Bundesnetzagentur beziffert den Investitionsbedarf der größeren Verteilnetzbetreiber für den Netzausbau bis 2045 auf rund 207 Milliarden Euro. Zusätzlich werden etwa 30 Milliarden Euro für Ersatzinvestitionen und Rückbau benötigt. Im Jahr 2025 lagen die Investitionen bei rund 11 Milliarden Euro im Verteilnetz und etwa 22,2 Milliarden Euro im Übertragungsnetz. Für 2027 schätzt der BDEW die Gesamtinvestitionen in Verteil- und Übertragungsnetze auf rund 40 Milliarden Euro. Dies entspricht mehr als dem Vierfachen der Investitionen von 9,7 Milliarden Euro im Jahr 2021.

Fortschritte beim Smart Meter Rollout

Bei der Digitalisierung der Netze zeigen sich Fortschritte: Zum Stichtag 30. Juni 2026 waren bundesweit rund 3,17 Millionen intelligente Messsysteme installiert. Bei den verpflichtenden Einbaufällen für Verbraucher liegt die bundesweite Ausstattungsquote bei 26,1 Prozent und übertrifft damit die gesetzliche 20-Prozent-Marke für Ende 2025. Der Smart Meter Rollout schreitet voran, was das Ergebnis erheblicher Anstrengungen bei Messstellen- und Netzbetreibern ist. Der BDEW fordert, den Rollout durch Vereinfachungen, etwa bei Quotenregelungen oder im Eichrecht, weiter zu beschleunigen.

Forderungen an die Politik

Um das Tempo beim Netzausbau weiter zu steigern, appelliert der BDEW an die Politik, Planungs- und Genehmigungsverfahren durch Bürokratieabbau zu beschleunigen, insbesondere im Bereich Hochspannung. Das angekündigte Verteilnetzbeschleunigungsgesetz sollte noch 2026 umgesetzt werden. Gleichzeitig ist eine Anreizregulierung erforderlich, die notwendige Investitionen finanzierbar macht und privates Kapital anzieht.

Auch die Gasnetze benötigen verlässliche Investitionsbedingungen. Sie werden noch über Jahrzehnte für eine sichere Versorgung notwendig sein und müssen auf neue Versorgungsstrukturen vorbereitet werden. Dies erfordert einen verlässlichen gesetzlichen und regulatorischen Rahmen für Betrieb, Umbau und perspektivische Stilllegung. ■■
Quelle: BDEW / fl