Vom 21. bis 23. April kommen mehr als 600 Unternehmen der europäischen Windindustrie zu Konferenz und Messe zusammen.
Nicole Weinhold
Eine Branche sucht zwischen ehrgeizigen Klimazielen, politischen Unsicherheiten und strukturellen Engpässen ihren nächsten Wachstumsschritt.
Europas Windbranche steht an einem Wendepunkt. Einerseits wächst ihre Bedeutung für Energieversorgung, Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit stetig. Andererseits bremsen Genehmigungsprozesse, Netzengpässe und wirtschaftliche Unsicherheiten den Ausbau vielerorts aus. Vor diesem Hintergrund kommt das Wind Europe Annual Event vom 21. bis 23. April in Madrid zu einem entscheidenden Zeitpunkt zusammen.
Europa verfügt inzwischen über rund 304 Gigawatt (GW) installierte Windleistung. 2025 kamen 19,1 GW neu hinzu – überwiegend an Land. Windkraft deckte so rund 19 Prozent des Stromverbrauchs in der Europäischen Union (EU). Bis 2030 rechnet der Branchenverband Wind Europe mit durchschnittlich 30 GW Neuinstallationen pro Jahr. Dennoch bleibt der Ausbau hinter den politischen Zielmarken zurück: Um die EU-Ziele zu erreichen, müssten deutlich höhere Kapazitäten realisiert werden.
Unzureichender Netzausbau
Die Branche sieht vor allem drei zentrale Bremsfaktoren: langwierige Genehmigungsverfahren, unzureichend ausgebaute Stromnetze und eine Elektrifizierung der Wirtschaft, die langsamer voranschreitet als erwartet. Gleichzeitig wächst der geopolitische Druck. Energieversorgung, industrielle Resilienz und strategische Autonomie sind zu zentralen Themen der europäischen Energiepolitik geworden.
Vor diesem Hintergrund versteht sich das diesjährige WindEurope-Treffen in Madrid nicht nur als Branchenmesse, sondern als politisch und wirtschaftlich bedeutende Plattform für die Zukunft der europäischen Energieversorgung.
19 Prozent des europäischen Stroms stammen inzwischen aus heimischen Windparks.
Industrie, Politik und Forschung im Dialog
Mehr als 600 Unternehmen werden auf der begleitenden Fachmesse erwartet. Turbinenhersteller, Zulieferer, Projektentwickler, Netzbetreiber, Forschungseinrichtungen und Start-ups präsentieren neue Technologien, Komponenten und Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Windenergie.
Parallel dazu bringt die Konferenz Industrievertreter, politische Entscheidungsträger und Wissenschaft zusammen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Europa seine Energieversorgung schneller elektrifizieren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sichern kann. Eine Ministerrunde widmet sich etwa der Rolle von Elektrifizierung und Industriepolitik in der europäischen Energiewende.
Weitere Sessions befassen sich mit zentralen Infrastrukturthemen. Diskutiert wird unter anderem, wie Stromnetze modernisiert und erweitert werden können, um den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien aufzunehmen. Auch Finanzierungsfragen stehen auf der Agenda, etwa Strategien zur Risikominimierung bei Windinvestitionen und neue Ansätze für Fördermechanismen und Auktionen.
Ein besonderes Augenmerk gilt zudem dem Ausbau der Offshore-Windenergie. Panels behandeln etwa hybride Offshore-Netze, neue Fundament- und Installationslösungen sowie den Ausbau der europäischen Lieferketten. Gleichzeitig wird die Koexistenz mit anderen Nutzungen der Meere – etwa Fischerei oder Naturschutz – diskutiert.
Technologie, Digitalisierung und gesellschaftliche Akzeptanz
Neben Infrastruktur- und Marktfragen spielt technologische Innovation eine zentrale Rolle im Programm. Mehrere Sessions widmen sich dem Einsatz von künstlicher Intelligenz und großen Sprachmodellen in Betrieb und Wartung von Windparks. Auch datengetriebene Methoden zur Analyse von Turbulenzen, Leistungsprognosen oder Wake-Effekten werden vorgestellt.
Diskutiert wird unter anderem, wie Stromnetze modernisiert und erweitert werden können.
Weitere Themen sind neue Rotorblatttechnologien, Lidar-Messsysteme sowie Ansätze für smartere Zustandsüberwachung und Lebensdaueranalysen von Turbinen. In Workshops und Roundtables diskutieren Experten außerdem Strategien für Repowering-Projekte – ein wachsendes Segment, da viele ältere Windparks in Europa das Ende ihrer ursprünglichen Betriebszeit erreichen.
Auch ökologische Fragen werden adressiert. Sessions beschäftigen sich mit naturverträglichem Offshore-Design, mit Maßnahmen zum Schutz von Vögeln und Fledermäusen sowie mit neuen Konzepten für Recycling und Wiederverwertung von Rotorblättern im Sinne einer Kreislaufwirtschaft.
Neben dem Fachprogramm bietet die Veranstaltung zahlreiche Networking-Formate, eine Start-up-Pitch-Competition sowie ein spezielles Studierendenprogramm. Poster-Sessions, Workshops und thematische „Markets Theatre“-Formate ergänzen die Konferenz.
Für die Windbranche ist das Treffen in Madrid damit mehr als eine Leistungsschau neuer Technologien. Es ist ein Gradmesser dafür, ob Europa den Ausbau der Windenergie beschleunigen kann – und damit eine zentrale Säule seiner künftigen Energieversorgung und industriellen Wettbewerbsfähigkeit stärkt.
Foto: Wind Europe GmbH
Aussteller präsentieren ihre neuen Technologien.
Foto: Wind Europe
Montagetechnik für On- und Offshore darf auf der Wind Europe nicht fehlen.
Energiezukunft mit Netto-Null-Emissionen
Powering-the-Future heißt das Stageevent beim Wind Europe Annual Event, auf dem sich vom 21. bis 23. April alles um die Energiezukunft Europas dreht. In Halle 9 erwartet die Besucherinnen und Besucher ein vielseitiges Programm aus Fachvorträgen, Panels und interaktiven Diskussionen – gestaltet gemeinsam mit Iberdrola. Im Fokus stehen zentrale Hebel für ein wettbewerbsfähiges und sicheres Netto-Null-Energiesystem: Elektrifizierung auf Basis erneuerbarer Energien, intelligente Netzintegration, Flexibilität, Innovation und Digitalisierung. Die Bühne bringt führende Köpfe aus Windbranche, Industrie und Politik zusammen, um Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu finden und neue Kooperationen anzustoßen. Themen wie PPA-Märkte, Netzausbau, industrielle Transformation, Energiespeicher sowie die Rolle von Fachkräften und Talenten stehen im Mittelpunkt. Auch Zukunftsfelder wie Start-ups und datengetriebene Anwendungen werden beleuchtet. Die „Powering the Future“-Stage ist für alle Messebesucher mit gültigem Ticket zugänglich und bietet eine ideale Plattform zum Austausch mit Entscheidungsträgern und Trendsettern der Energiewende.
Wind-Europe-2026 setzt gezielt auf Austausch und Zusammenarbeit: In Workshops und Thementischen diskutieren Branchenvertreter, Forschende und Innovatoren zentrale Fragen der Windenergie. In kleinen Gruppen entstehen Raum für vertiefte Fachgespräche, neue Perspektiven und konkrete Kooperationen. Inhaltlich reicht das Spektrum von Airborne Wind und Robotik über die Auswirkungen des Klimawandels bis hin zu Renaturierung und Ausgleichsmaßnahmen. Auch Themen wie Offshore-Speicherlösungen zur Flexibilisierung sowie Rückbaukonzepte, etwa am Beispiel Belgiens, stehen im Fokus. Die Formate verbinden technologische, ökologische und strategische Aspekte und ermöglichen den direkten Austausch auf Augenhöhe. Damit sind die Sessions ein zentraler Bestandteil des Programms – für alle, die Entwicklungen mitgestalten und ihr Netzwerk erweitern wollen.
Weitere Informationen:
windeurope.org/annual2026/conference/workshops/
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