Bislang eine edle Nische: Im süddeutschen Raum sind elektrische Heizplatten aus Naturstein sehr beliebt. Produziert und angeboten werden sie von der Firma Thermostone, einem kleinen Unternehmen aus Merkendorf in Mittelfranken.
Das ist kein Start-up, sondern ein gestandener Anbieter mit viel Erfahrung. „Thermostone gibt es bereits seit 1997“, erzählt Geschäftsführer Akritas Sidiropoulos. „Wir fertigen und vertreiben unsere eigenen Produkte, sind aber auch als OEM für Auftraggeber tätig.“
Viele Kunden in Süddeutschland
Fast 30 Jahre im Geschäft, hat sich Thermostone bereits einen umfangreichen Kundenstamm aufgebaut, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Der Vertrieb läuft im Wesentlichen über den Großhandel, alle namhaften Händler für das Elektrohandwerk haben die Natursteinheizung im Angebot. „Seit einiger Zeit spüren wir eine deutlich wachsende Nachfrage“, konstatiert Sidiropoulos. „Unsere Heiztechnik passt sehr gut mit Solarstrom vom eigenen Dach zusammen, das treibt die Nachfrage.“
Natursteinheizungen sind – technisch gesehen – elektrische Infrarotheizungen. Allerdings bringen die massiven Steinplatten eine hohe Speicherkapazität auf, sodass sie relativ träge aufheizen und längere Zeit brauchen, bis sie wieder abgekühlt sind. Das unterscheidet sie von Infrarotheizungen aus Metall, die sich sehr viel schneller regeln lassen.
Hohe Speicherfähigkeit
Die Speicherkapazitäten der verschiedenen Steine wurden an der Technischen Universität Dresden genau ausgemessen und dokumentiert. Denn die thermische Trägheit ist durchaus vorteilhaft, wenn eigener Sonnenstrom oder preiswerter Netzstrom aus dynamischen Stromtarifen zum Einsatz kommt. Dann halten die aufgeheizten Platten die Wärme lange vor und geben sie später zeitversetzt wieder ab.
Auf diese Weise lassen sich Lastspitzen verschieben, die Natursteinheizung wird dynamisch regelbar. Die Platten werden auf maximal 65 Grad Celsius erwärmt. Um Räume vor Auskühlung zu schützen, können sie im Dauerbetrieb auf 20 Grad Celsius laufen.
Strahlungswärme wie von Ofenkacheln
Im Prinzip erzeugen sie ein Wärmegefühl, wie man es vom Kachelofen kennt. Der technische Aufwand ist gering, ein einfacher Stromanschluss genügt. Normalerweise sind die Steinplatten derart solide, dass sie nicht kaputtgehen. Thermostone gibt zehn Jahre Gewährleistung. Sollte dennoch ein Defekt entstehen, lässt sich die Platte schnell austauschen und ersetzen.
Natursteinplatten werden in verschiedenen Abmaßen und Steinarten geliefert, je nach Kundenwunsch. „Wir sind steinreich“, berichtet Akritas Sidiropoulos schmunzelnd, als er dem Besucher die Musterfliesen zeigt. „Die Kunden können sich die Größe, das Material und die Maserung aussuchen.“
Große Auswahl an Steinen und Heizleistung
Marmor aus Griechenland, Kalkstein aus Deutschland, Ägypten oder Portugal oder norwegischer Granit – die Maserung des Steins bestimmt die Optik. Es ist eine edle Optik, denn die geschliffene Oberfläche mit sorgfältig gefasten Kanten macht die Heizplatte zum Blickfänger im Raum.
Die Baugrößen beginnen bei 60 mal 40 Zentimetern und reichen bis 135 mal 60 Zentimetern. Die Platten sind drei Zentimeter tief, sie wiegen zwischen 30 und 70 Kilogramm.
Die elektrische Leistung liegt zwischen 350 und 1.650 Watt je Heizplatte. „Der Marmor kommt aus unserer Fabrik in Drama bei Thessaloniki“, nennt Sidiropoulos ein Beispiel. „Dort kaufen wir die Natursteinblöcke selbst ein.“
Ohmscher Widerstand des Heizdrahts
Danach erfolgt das Gattern der Platten, das Sägen der Rohlinge. In Merkendorf werden sie dann auf Maß gebracht, abgefast und poliert. Eine Mehrblattsäge sägt auf der Rückseite die Schlitze ein, wo der Heizdraht eingelegt wird. Dieser Draht besteht aus einer Kupferwendel, verfügt über eine Seele aus Glas und ist mit Silikon ummantelt.
Kleinere Heizflächen haben bis zu 16 Ohm je Meter Widerstand, größere Platten bis 1,2 Ohm je Meter. Nachdem der Heizdraht eingelegt wurde, wird er durch eine mineralische Paste verklebt. Darin wird der Sägestaub wiederverwendet. Die Paste härtet aus, dadurch wird die Platte unverwüstlich.
Maximal 65 Grad Celsius
Im Kupferleiter entstehen bis zu 120 Grad Celsius, an seiner Oberfläche bis 100 Grad Celsius. So wird die Platte auf maximal 65 Grad erwärmt und ist problemlos auf Handwärme abregelbar. Im Energiemanager wird sie als ohmscher Widerstand, also als einfacher elektrischer Verbraucher, integriert.
Die Natursteinplatten werden mit allen gängigen Thermostaten ausgeliefert, die auch über Funk ansteuerbar sind. „Die regelbaren Thermostate und die vergleichsweise hohe Speicherkapazität passen sehr gut zu dynamischen Stromtarifen“, erklärt der Firmenchef. „Die Heizflächen werden bei niedrigen Strompreisen beladen, beispielsweise in den frühen Morgenstunden. Danach wird die Temperatur lediglich gehalten. Das verhindert die Auskühlung des Gebäudes.“
Fünf bis sechs Megawatt im Jahr
Noch ist sein Team sehr klein. Drei Leute arbeiten in der Fertigung und Kommissionierung, drei im Büro und im Vertrieb. Hinzu kommen freie Vertriebskräfte im Außendienst. Im Jahr werden zwischen 4.000 und 5.000 Heizflächen ausgeliefert. Die durchschnittliche elektrische Leistung beträgt 1.200 Watt pro Heizfläche, macht in Summe zwischen fünf und sechs Megawatt im Jahr. Davon entfallen zwischen 70 und 80 Prozent auf weißen Marmor.
Um schnell lieferfähig zu sein, hält Thermostone zwischen 1.500 und 2.000 Heizplatten im Lager vor. Erfolgt die Bestellung am Vormittag, wird sie in der Regel am selben Tag ausgeliefert und ist am nächsten Morgen auf der Baustelle. „Einzige Ausnahme sind Sondermaße, die wir nicht im Katalog haben“, schränkt Sidiropoulos ein. „Diese Flächen müssen wir im Stein anfertigen, das dauert etwas länger.“
Kaum Verluste durch Lüftung
Elektrische Heizsysteme wie die Natursteinheizung haben einen weiteren Vorteil, der oft unterschätzt wird: Sie brauchen keine Luft zur Verbrennung. Deshalb sinkt der Bedarf zur Raumlüftung. Weil die Heizplatten nicht die Luft im Raum erwärmen, sondern in den Raum hinein die Wärme abstrahlen, sinken thermische Verluste durch Lüftung noch weiter. Die Raumluft kann abkühlen, aber durch die gespeicherte Wärme in den Heizflächen geht weniger Energie verloren und der Raum kommt schneller wieder auf die gewünschte Temperatur.
Naturstein als thermischer Speicher ermöglicht es, Erzeugungsspitzen der Solaranlage auf dem Dach oder Überangebot im Stromnetz (dynamische Niedertarife) effizient zu nutzen. Dadurch sinkt der Bezug von teurem Strom während der Zeiten von Spitzenlast. Auf diese Weise steigt die Eigenverbrauchsquote des Sonnenstroms, die Energiekosten sinken.