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H2 in der Luftfahrt

Testflugzeuge ready for Take-off

Text: Steven Oji, Carolin Anger (Hyfindr GmbH)

Zwischen Flugzeugen auf dem Rollfeld und gut besuchten Hallen entstand ein klares Bild: Die Branche sucht nicht nach der einen perfekten Lösung, sondern nach einem tragfähigen Kompromiss aus Effizienz, Leistung und Skalierbarkeit. Der Planungshorizont dieser Industrie ist vergleichsweise lang, weshalb kurzfristige Stimmungen weniger im Fokus stehen. Wasserstoff ist zunehmend relevant, denn der Energiebedarf der Luftfahrt ist enorm – insbesondere beim Start und bei längeren Strecken. Genau hier stoßen rein batterieelektrische Lösungen schnell an physikalische Grenzen.

Wasserstoff als praktischer Mittelweg

Mehrere Gesprächspartner beschrieben Wasserstoff daher als „praktischen Mittelweg“. Irwin Kerboriou von Beyond Aero, einem französischen Unternehmen, das ein Wasserstoffflugzeug herstellen will, formulierte es sehr treffend: Wasserstoff ermögliche „einen guten Kompromiss zwischen Effizienz und Leistungsfähigkeit“.

Auf der Messe wurde nicht mehr nur über Zukunftsszenarien gesprochen; es gab konkrete Systeme zu sehen – von Brennstoffzellenlösungen über spezialisierte Komponenten bis hin zu ersten Testflugzeugen. Unternehmen wie Green GT, EKPO und Kasaero treiben die Entwicklung voran.

Kleinflugzeuge im Testbetrieb

Das auf Ingenieurdienstleistungen für Flugzeuge spezialisierte Unternehmen Kasaero hat ein wasserstoffbetriebenes Ultraleichtflugzeug entwickelt, dessen elektrische Variante schon im Flugbetrieb ist, berichtet Projektmanager Erick Vianello. Das Unternehmen sucht derzeit weitere Kapitalgeber für dieses Projekt.

Forschungseinrichtungen und studentische Teams testen indessen Prototypen. Prof. Johannes Markmiller, Professor für Luftfahrzeugtechnik an der TU Dresden, informierte im Gespräch, dass sein zweimotoriges Flugzeug vom Typ Diamond DA62 MPP nunmehr mit einem Wasserstoffantrieb in den Testbetrieb komme. Das eine Sonderversion des Flugzeugtyps, den der deutsche Bundeskanzler laut Medienberichten privat fliegt.

Kommerzielle Anwendungen dauern noch

Die Projekte zeigen, dass die Technologie zunehmend Anschluss an die Praxis findet.

Trotz des positiven Momentums war auch der Realismus greifbar. Infrastruktur, Zertifizierung, Sicherheitsanforderungen und die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff bleiben große Herausforderungen. Insbesondere größere, kommerzielle Anwendungen werden noch Jahre – wenn nicht Jahrzehnte – benötigen. Den Innovationsdruck auf die Luftfahrt aus Fernost und insbesondere aus China spürt man schon jetzt – dies beschleunigt Projekte im Hier und Heute, um später im Wettbewerb bestehen zu können.

Abhängigkeiten reduzieren

Ein weiteres Thema vieler Gespräche war die Energiesouveränität. Wasserstoff wird nicht mehr nur als Klimaschutzlösung betrachtet, sondern auch als strategischer Faktor. Frédérich Thébault von der Firma GreenGT, die auf der Messe Brennstoffzellensysteme für die Luftfahrtindustrie präsentierte, brachte es so auf den Punkt: Wasserstoff biete „eine energiepolitisch souveräne Alternative zu fossilen Brennstoffen“. Gerade in einem geopolitisch unsicheren Umfeld ist das ein Argument, das an Bedeutung gewinnt.

Die Haltung eines relevanten Teils der Branche ist bemerkenswert: Der Wille, neue Wege zu gehen, ist deutlich spürbar. Wasserstoff in der Luftfahrt ist kein fernes Zukunftsthema mehr – sondern ein Ökosystem, das beginnt, Form anzunehmen.

Hyfindr-Video von der Aero 2026

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