Der 2026 in Betrieb genommene, modernisierte Solarpark in Neustadt.
Wie Neustadt an der Weinstraße einen Solarpark fit für die Zukunft macht und regionale Wertschöpfung vorantreibt.
Nicole Weinhold
Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt eine der zentralen Herausforderungen für Kommunen und ihre Stadtwerke. Während neue Solar- und Windparks häufig auf begrenzte Flächen, langwierige Genehmigungsverfahren und Akzeptanzfragen treffen, rückt ein anderer Ansatz zunehmend in den Fokus: das Repowering bestehender Anlagen. Das Beispiel des Solarparks am Flugplatz Lilienthal in Neustadt an der Weinstraße zeigt gut, welches Potenzial in der Modernisierung bestehender Erzeugungsanlagen steckt – sowohl für die Energiewende als auch für die wirtschaftliche Entwicklung kommunaler Unternehmen.
Der Solarpark in Neustadt blickt auf eine besondere Geschichte zurück. Als die Photovoltaik-Freiflächenanlage Anfang der 2000er-Jahre errichtet wurde, galt sie als eine der größten ihrer Art in Deutschland. Zudem gehörte sie zu den ersten Projekten, bei denen Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit erhielten, sich finanziell an einer Solarstromanlage zu beteiligen. Damit wurde die Anlage früh zu einem Symbol für die regionale Energiewende.
4,6 statt zwei Megawatt Leistung auf derselben Fläche - das Ergebnis von Repowering in Neustadt.
Mehr als zwei Jahrzehnte später stand der Standort vor einer neuen Herausforderung. Die technische Lebensdauer vieler Komponenten näherte sich ihrem Ende, gleichzeitig liefen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der ursprünglichen EEG-Förderung aus. Statt den Standort zurückzubauen oder nur eingeschränkt weiterzubetreiben, entschieden sich die Beteiligten für einen zukunftsorientierten Weg: ein umfassendes Repowering.
Im Mai 2026 nahmen die Pfalzwerke Aktiengesellschaft und die Stadtwerke Neustadt an der Weinstraße den modernisierten Solarpark offiziell in Betrieb. Das Ergebnis verdeutlicht die Leistungsfähigkeit dieses Ansatzes. Auf derselben Fläche konnte die installierte Leistung von ursprünglich zwei Megawatt auf rund 4,6 Megawatt mehr als verdoppelt werden. Gleichzeitig steigt die jährliche Stromerzeugung auf etwa 5,5 Millionen Kilowattstunden – genug, um rund 2.000 Haushalte mit erneuerbarer Energie zu versorgen.
Für Stadtwerke eröffnet Repowering damit eine Reihe von Vorteilen. Anders als bei Neubauprojekten sind wichtige Voraussetzungen bereits vorhanden. Die Flächen sind erschlossen, Netzanschlüsse bestehen und Genehmigungsprozesse können oftmals deutlich schlanker gestaltet werden. Zudem genießen bestehende Anlagenstandorte häufig eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, da sie seit Jahren Teil des lokalen Umfelds sind.
Nutzungskonflikte und Flächenkonkurrenz
Gerade in Zeiten zunehmender Flächenkonkurrenz gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung. Kommunen stehen unter Druck, sowohl Wohnraum als auch Gewerbeflächen und Infrastruktur bereitzustellen. Neue Energieprojekte stoßen daher häufig auf Nutzungskonflikte. Repowering bietet hier eine effiziente Lösung, weil vorhandene Standorte deutlich leistungsfähiger genutzt werden können, ohne zusätzliche Flächen in Anspruch zu nehmen.
Der Solarpark Neustadt verdeutlicht diesen Mehrwert besonders anschaulich. Obwohl die installierte Leistung um mehr als das Doppelte gesteigert wurde, blieb der Flächenbedarf unverändert. Gleichzeitig konnten bestehende ökologische Konzepte fortgeführt werden. Die Schafbeweidung der Flächen sowie Biodiversitätsmaßnahmen bleiben erhalten. Hinzu kommt, dass die ausgebauten Altmodule recycelt oder weitervermarktet werden, wodurch wertvolle Ressourcen im Kreislauf verbleiben.
Für Stadtwerke ist jedoch nicht nur die technische Effizienz entscheidend. Ebenso wichtig sind wirtschaftliche Perspektiven und langfristige Einnahmequellen. Durch die Modernisierung entstehen neue Geschäftsmodelle, die unabhängig von auslaufenden Fördermechanismen tragfähig sein können. Bestehende Anlagen werden zu modernen Erzeugungsstandorten weiterentwickelt und sichern so langfristig regionale Wertschöpfung.
Als die Photovoltaik-Freiflächenanlage Anfang der 2000er-Jahre errichtet wurde, galt sie als eine der größten ihrer Art in Deutschland.
In Neustadt wurde hierfür eigens die „Solarpark Neustadt GmbH“ gegründet. Die gemeinsame Betreibergesellschaft von Pfalzwerken und Stadtwerken hält die Anlage künftig zu gleichen Teilen. Dieses Modell verbindet die technische und operative Erfahrung eines regionalen Energiedienstleisters mit der lokalen Verankerung und dem kommunalen Auftrag der Stadtwerke. Gleichzeitig verbleiben Wertschöpfung und Investitionen in der Region.
Die Investitionssumme von mehr als zwei Millionen Euro unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung des Projekts. Neben der Stromerzeugung profitieren davon auch kommunale Akteure. So bleibt die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Neustadt Eigentümerin und Verpächterin der Fläche. Die daraus resultierenden Einnahmen können wiederum in weitere Standort- und Entwicklungsprojekte fließen.
Das Projekt zeigt exemplarisch, welche Rolle Stadtwerke künftig bei der Transformation der Energieversorgung einnehmen können. Sie entwickeln sich zunehmend von klassischen Versorgern zu aktiven Gestaltern der Energiewende. Dabei gewinnen Kooperationen mit regionalen Energieunternehmen, Investoren und kommunalen Gesellschaften an Bedeutung. Gemeinsam lassen sich Projekte realisieren, die sowohl ökologische als auch ökonomische Ziele erfüllen.
Der modernisierte Solarpark am Flugplatz Lilienthal steht damit stellvertretend für eine Entwicklung, die bundesweit an Relevanz gewinnt. Tausende Photovoltaikanlagen in Deutschland erreichen in den kommenden Jahren ein Alter, in dem über Modernisierung, Weiterbetrieb oder Rückbau entschieden werden muss. Für Stadtwerke bietet sich hier die Chance, bestehende Infrastruktur zu nutzen, die lokale Stromerzeugung auszubauen und gleichzeitig wirtschaftliche Potenziale zu erschließen.
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