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Präzise Prognosen entscheiden über Bankfähigkeit

Wie „bankfähig“ sind Windgutachten?

Lasse Blanke: Ein Windgutachten gilt nur dann als bankfähig, wenn es belastbare P50-, P75- und P90-Ertragswerte liefert und sämtliche Unsicherheiten transparent quantifiziert. Dazu gehören insbesondere die Variabilität des Windangebots im Verlauf des Jahres sowie mögliche Verluste durch Abschaltungen oder Netzrestriktionen. Entscheidend ist, dass diese Unsicherheiten nachvollziehbar aufgeschlüsselt und konsistent zu einem Gesamtunsicherheitsbudget aggregiert werden, das internationalen Kreditkomitees standhält.

Welche Rolle spielen Unsicherheiten für Finanzierungsentscheidungen?

Lasse Blanke: Unsicherheiten sind ein zentraler Faktor in der Risikobewertung. Banken erwarten statistisch fundierte Bandbreiten, die klar dokumentieren, wie stark einzelne Einflussgrößen das Projektergebnis beeinflussen können. Nur wenn diese Unsicherheiten sauber modelliert und plausibel erklärt sind, lassen sich Finanzierungsentscheidungen auf eine stabile Grundlage stellen.

Lasse Blanke
Anemos

Foto: anemos

Wie wichtig ist Prognosegenauigkeit bei wachsendem Anteil Erneuerbarer?

Lasse Blanke: Mit steigendem EE-Anteil nimmt der wirtschaftliche Wert präziser Prognosen deutlich zu. Schon Abweichungen von plus-minus zwei Prozent im Langfrist-Windindex können Projektbewertungen und Vermarktungserlöse spürbar verändern. Gleichzeitig steigen systemische Risiken wie Ausgleichsenergiekosten oder zusätzlicher Speicherbedarf, wenn Prognosen ungenau sind.

Welche Daten und Methoden setzen sich aktuell durch?

Lasse Blanke: Hochaufgelöste Windatlanten mit bis zu ein Kilometer räumlicher und zehnminütiger zeitlicher Auflösung gelten als neuer Standard. Durch weiteres Remodelling liefern sie standortgenaue Zeitreihen, die mit Anlagenkennlinien kombiniert werden und so detaillierte Ertragsprofile ermöglichen. Damit lassen sich nicht nur wirtschaftliche Kennzahlen, sondern auch Fragen zur Systemstabilität, zum Speicherbedarf und zu zukünftigen Erlösstrukturen deutlich präziser analysieren. Hochaufgelöste Zeitreihen aus dem neuen anemos Windatlas ermöglichen zudem eine technisch saubere Umsetzung vieler Anforderungen, etwa bei der Modellierung von Betriebsrestriktionen. (NW)

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