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Christoph Siegle: „Immer mehr Betreiber setzen auf physische Sicherheit“

Sie haben schon angedeutet, dass Sie auch Solarparks überwachen. Was sind dort die besonderen Herausforderungen?

Christoph Siegle: Bei Solarparks unterscheiden wir zwei Phasen: die Bauphase und den laufenden Betrieb. In der Bauphase entsteht ein besonders kritisches Zeitfenster, wenn das Projekt weitestgehend fertig ist, aber der Netzanschluss noch auf sich warten lässt. In dieser Phase kann die Anlage noch nicht in Betrieb gehen und auf dem Gelände ist oft kaum jemand vor Ort. Da haben Diebe viel Zeit, um Komponenten abzubauen. Dazu kommt noch, dass Solarparks typischerweise abseits von Ortschaften liegen, dazu noch oft nah an Autobahnen. Täter können schnell anhalten, einladen und verschwinden. Bei einem einzigen Diebstahl sprechen wir teilweise über hunderttausende Euro Schaden – und das Material ist wegen langer Lieferzeiten nicht schnell zu ersetzen, was den Netzanschluss weiter verzögert.

Und welche Risiken entstehen im laufenden Betrieb?

Dann ist es ähnlich problematisch. Im Fokus stehen für die Täter inzwischen nicht mehr die Solarmodule, sondern die Kabel mit hohem Kupferanteil. Das kann dazu führen, dass ein Großteil der Anlage oder sogar der gesamte Solarpark ausfällt. Viele dieser Parks sind mit gering einstelligen Renditen kalkuliert. Wenn ein Park eine Woche lang stillsteht, kann das die gesamte Jahresrendite zunichtemachen. Deshalb setzen immer mehr Betreiber auf physische Sicherheit.

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Wirkt die sichtbare Präsenz der Überwachungstürme auch abschreckend, oder ist das den Tätern egal?

Unsere stromgebundenen Türme strahlen ein grünes Licht aus – wir signalisieren potenziellen Eindringlingen: Hier wird das Gelände videoüberwacht. Die organisierten Gruppen haben als oberstes Ziel, niemals erwischt zu werden. Sobald sie Videoüberwachung und schnelle Detektion erkennen, machen sie einen Bogen um die Anlagen. Was wir allerdings nicht beziffern können, ist diese Dunkelziffer: Also, wie viele Einbrüche wir allein dadurch verhindert haben, dass die Täter unsere Türme gesehen und es gar nicht erst versucht haben.

Videoüberwachung klingt nach einer erheblichen Investition. Was müssen Betreiber eines Solarparks einplanen?

Das lässt sich pauschal schwer sagen, weil wir jedes Projekt individuell bewerten. Im Vergleich zu einem klassischen Sicherheitsdienst mit Wachpersonal vor Ort kosten unsere Lösungen allerdings nur einen Bruchteil. Die Kunden sind eigentlich immer positiv überrascht, dass sich eine professionelle Videoüberwachung im Verhältnis zu möglichen Schäden durch Diebstahl oder Ausfälle sehr schnell rentiert. Entscheidend ist der Blick auf das Risiko: Schon ein einzelner Diebstahl oder ein längerer Stillstand kann einen Schäden verursachen, der deutlich über den Kosten einer professionellen Überwachung liegt.

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Spielen auch Versicherungen eine Rolle? Verlangen die inzwischen eine Kameraüberwachung?

Ja, das kommt inzwischen vor. Versicherungen fordern zunehmend den Einsatz von Kameras, wenn ein Solarpark versichert werden soll. Es ist bislang nicht so detailliert, dass sie vorschreiben, wo genau welche Kamera stehen muss, aber die Grundanforderung gibt es. Wir erstellen dann ein Sicherheitskonzept, das der Kunde bei seiner Versicherung vorlegt. Die Versicherung prüft das und gibt Rückmeldung. Grundsätzlich hilft eine professionelle Überwachung dem Kunden, die Versicherungsprämie niedrig zu halten – und im Schadensfall springt die Versicherung dann auch tatsächlich ein.

Das Gespräch führte Sven Ullrich.

Im ersten Teil unseres Interviews mit Christoph Siegle erfahren Sie, wie der Schutz der Energieinfrastruktur gegen hybride Bedrohungen gelingt. Im zweiten Teil erklärt Christoph Siegle, mit welcher Technik dieser Schutz organisiert wird.