Springe zum Hauptinhalt Skip to main navigation Skip to site search
Kontrollierte Zu- und Abluft schützt vor Radonbelastung

Frischer Strahlenschutz für das Eigenheim

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das beim natürlichen Zerfall von Uran im Boden entsteht. Das Problem: Es kann Zellen schädigen und dadurch das Risiko für Lungenkrebs erhöhen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Radon nach Rauchen die zweithäufigste Ursache für diese Erkrankung. In Deutschland gehen mehr als sechs Prozent der Lungenkrebs-Todesfälle auf das geruchlose, geschmacksneutrale und unsichtbare Gas zurück.

Die Radonkonzentration in der Luft variiert je nach Region. Im norddeutschen Tiefland ist sie meist geringer, während sie in Gebieten mit einem felsigen Untergrund – etwa im Bayerischen Wald, im Voralpenland oder in den deutschen Mittelgebirgen – deutlich höher ausfallen kann.

Im Freien ist die Gefahr gering, hier verdünnt sich das Gas sehr schnell. In Gebäuden treten dagegen höhere Konzentrationen auf. Dort können auch Werte entstehen, die gesundheitsgefährdend sind. Im Freien ist das Risiko gering, weil sich Radon dort schnell verdünnt. In Gebäuden können sich dagegen deutlich höhere, mitunter gesundheitsschädliche Konzentrationen ansammeln. Das Strahlenschutzgesetz legt für Innenräume einen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter im Jahresmittel fest. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt jedoch, Maßnahmen zur Senkung der Radonkonzentration bereits ab einem Jahresmittel von mehr als 100 Becquerel pro Kubikmeter zu ergreifen.

Da Radon im Boden entsteht, ist die Belastung in den erdberührten Bereichen eines Gebäudes – insbesondere im Keller und in unterkellerten Räumen – am höchsten. Dort kann das Gas über undichte Fundamentbodenplatten, Risse im Mauerwerk oder Rohrdurchführungen eindringen. Nach oben nimmt die Konzentration in der Regel von Stockwerk zu Stockwerk ab. Dennoch können auch höher gelegene Räume stark belastet sein, etwa wenn vertikale Schächte oder offene Treppenhäuser eine direkte Verbindung zu den erdnahen Gebäudebereichen bilden.

Weil Radon vor allem in den unteren Geschossen auftritt, sind ländliche Regionen mit vielen Einfamilienhäusern bei vergleichbarer Belastung tendenziell stärker betroffen als Städte. Dort lebt ein größerer Teil der Bevölkerung in höher gelegenen Stockwerken von Mehrfamilienhäusern.

Fensterlüftung hilft nur kurzfristig

Die naheliegendste Maßnahme gegen Radon besteht darin, die betroffenen Räume sorgfältig abzudichten. Bei Neubauten müssen bauliche Maßnahmen dafür sorgen, dass Radon nicht in das Gebäude eindringen kann. Bei bestehenden Gebäuden ist eine nachträgliche Abdichtung jedoch oft nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht möglich. Die einfachste Möglichkeit, die Radonkonzentration zu senken, ist daher regelmäßiges Lüften.

„Die gezielte Steuerung des Luftwechsels ist eine sehr wirksame Maßnahme, die Radonkonzentration in der Raumluft zu senken und kann vor allem in Bestandsgebäuden eine wichtige Maßnahme des Radonschutzes sein“, heißt es in dem Merkblatt Radonschutz im Gebäudebestand (https://t1p.de/GEB260801)der Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege International (WTA).

Intensives Stoß- oder Querlüften über die Fenster kann kurzfristig helfen, Radon aus den Räumen zu entfernen. Dabei sollten die Kellertüren geschlossen bleiben. Andernfalls kann das Gas durch den Kamineffekt in höher gelegene Gebäudebereiche gelangen.

Als dauerhafte Lösung eignet sich Fensterlüftung jedoch nur bedingt. Denn Radon strömt kontinuierlich aus dem Boden nach, sodass die Konzentration nach dem Schließen der Fenster wieder ansteigt. Zudem kann regelmäßiges Lüften mit dem Feuchteschutz, der Wärmedämmung und dem Wohnkomfort in Konflikt geraten. Auch energetisch ist diese Methode wenig effizient. Eine Fensterlüftung kann bei hohen Radonbe­lastungen der Raumluft deshalb nicht als dauerhafte Lösung empfohlen werden, schreiben die WTA-Autoren.

Unterdruck wirkt wie ein Staubsauger

Langfristig wirkungsvoll sind dagegen dezentrale Lüftungsanlagen, die mit Zu- und Abluft arbeiten. Mit ihnen lassen sich die Luftwechselraten genau definieren. Einen eineinhalb- bis zweieinhalbfachen Luftwechsel pro Stunde empfiehlt Uwe Schmidtke von Schwille Elektronik, einem Anbieter von Messtechnik und Lüftungssteuerung. So sei gewährleistet, dass es eine Weile dauere, bis durch das nachströmende Gas die Radonkonzentration wieder zu stark ansteigt. Bei geringeren Luftwechselraten muss die Lüftung dagegen möglicherweise dauerhaft laufen, um die Belastung auf einem niedrigen Niveau zu halten.

Wichtig dabei: Dem Raum sollte minimal mehr Luft zu- als abgeführt werden, sodass ein leichter Überdruck entsteht. Darauf weisen neben Schmidtke auch die Experten des Lüftungstechnikherstellers Lunos sowie die Autoren des WTA-Merkblatts hin. Denn für einen wirksamen Radonschutz kommt es entscheidend auf das richtige Druckverhältnis an.

So wirkt ein dauerhafter Unterdruck wie ein Staubsauger und zieht zusätzliches Radon ins Haus. Unterdruck läuft der Zielstellung der Schutzmaßnahmen zuwider, heißt es im Merkblatt. Doch auch Überdruck kann Probleme verursachen. Die Belastung durch Radon wird zwar beseitigt, aber es können feuchtetechnische Probleme im Gebäude verstärkt werden. Zudem besteht laut Schmidtke die Gefahr, dass der Überdruck das Gas in die oberen Etagen drückt.

Wärmerückgewinnung bringt Effizienz

Ein minimaler Überdruck ist also die geeignete Variante. Anbieter wie etwa Lunos werben damit, dass sie dezentrale Lüftungssysteme mit Balanced-Betrieb bereitstellen, die Zu- und Abluftmengen präzise ausgleichen. Zudem können die Lüftungssysteme auch mit Wärmerückgewinnung ausgestattet werden. So wird die Konzentration von Radon unter den kritischen Schwellenwert gedrückt – und dies auf energieeffiziente Weise im Gegensatz zur Fensterlüftung.

Hauseigentümer können außerdem auf Lüftungstechnik zurückgreifen, die nur dann läuft, wenn sie auch wirklich benötigt wird. So hat zum Beispiel Schwille eine Lüftungssteuerung entwickelt, die die Radonkonzentration in Innenräumen kontinuierlich überwacht und automatisch reguliert. Wird ein definierter Schwellenwert überschritten, aktiviert das System selbstständig einen angeschlossenen Lüfter. Außerdem lässt sich der Radonschutz mit Feuchteregulierung verbinden. Entsprechende Funktionen sind in die Steuerung integriert, um Schäden durch Kondensation und Durchfeuchtung zu vermeiden.

Radon mit Detektor messen

Der Hersteller bietet zudem einen Sensor zur Radonmessung an. Denn bevor ein Hauseigentümer Maßnahmen wie etwa die Installation von dezentralen Lüftungssystemen im Keller oder den unteren Etagen umsetzt, muss zunächst die genaue Belastung gemessen werden. Das radioaktive Gas lässt sich zwar nicht sehen, riechen oder schmecken. Doch spezielle Messgeräte registrieren die Strahlung, die beim Zerfall von Radon und seinen Folgeprodukten Blei, Polonium und Wismut entsteht.

Dafür stehen laut BfS zwei Arten von Geräten zur Verfügung. Das sind zum einen sogenannte passive Detektoren, kleine Plastikbehälter, die keinen Strom benötigen und weder Licht noch Geräusche aussenden. Sie werden in den wichtigsten Aufenthaltsräumen ausgelegt. Das Ergebnis wird nach Ende des Messzeitraums in einem Labor ermittelt.

Da die Radonkonzentration von der Witterung beeinflusst wird, empfiehlt das BfS, Messgeräte für einen Zeitraum von drei bis zwölf Monaten am selben Ort zu belassen. Ideal ist eine Messung über ein komplettes Jahr hinweg. Ist es nicht möglich, zwölf Monate auf das Ergebnis zu warten, sollte die Messung möglichst im Winter erfolgen. In dieser Jahreszeit sind die Radonkonzentrationen meist höher als in den wärmeren Monaten – so lässt sich vermeiden, dass der Jahresmittelwert unterschätzt wird.

Die passiven Detektoren sind laut BfS eine relativ einfache Methode, um die Radonkonzentration zu messen. Sie sind besonders dafür geeignet, um herauszufinden, wie hoch diese in einem Raum über einen längeren Zeitraum im Durchschnitt ist. Mithilfe der Geräte könnten Radon-Konzentrationen von 15 bis über 5.000 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft bestimmt werden.

Daneben gibt es aktive elektrische Messgeräte. Sie werden nur für wenige Minuten bis Tage eingesetzt und zeigen den Messwert direkt in einem Display an. Durch die kurze Messdauer zeigen sie laut BfS lediglich eine Momentaufnahme der Radonkonzentration an und ermöglichen keine verlässlichen Aussagen zur langfristigen Belastung. Sie eignen sich jedoch gut, um einen ersten Überblick über die Radonbelastung in einem Gebäude zu erhalten oder Stellen zu identifizieren, an denen Radon in ein Gebäude eindringt.

Eine dichte Gebäudehülle kann die Radonbelastung verstärken

Im Zuge der weiter fortschreitenden energetischen Sanierungsmaßnahmen im Bestand könnte es künftig erst recht notwendiger werden, sich mit der Radonbelastung in Gebäuden zu beschäftigen. Denn laut dem Whitepaper der WTA können bei Veränderungen der Gebäudehülle auch in Gebieten mit durchschnittlichen oder niedrigen Radonkonzentrationen im Erdreich erhebliche Pro­bleme auftreten.

Durch den Einbau neuer Fenster und Türen sowie die Umsetzung anderer Abdichtungsmaßnahmen wird der Infiltrationsluftwechsel stark reduziert. „Wenn man alles dicht macht, hat man natürlich auch weniger Zirkulation. Und somit kann das Radon nicht mehr abgeführt werden“, bringt es Schmidtke auf den Punkt. Er warnt davor, die Gefahr durch Radon zu unterschätzen. Hierzulande sei die Aufklärungsarbeit noch nicht sehr stark entwickelt. In anderen Ländern wie zum Beispiel der Schweiz gebe es dagegen schon eine größere Sensibilität für das Thema.

Grundsätzlich sollte klar sein: Wer in seinem Gebäude eine Radonkonzentration feststellt, kann nicht darauf hoffen, dass das Problem von selbst wieder verschwindet. Denn ohne Abdichtung strömt das Gas kontinuierlich nach. Daher ist ein dauerhaft wirksames Lüftungskonzept erforderlich.

In unterkellerten Räumen ist die Radonbelastung am höchsten. Dort kann das Gas beispielsweise über undichte Fundamentbodenplatten eindringen.

Bild: BfS

In unterkellerten Räumen ist die Radonbelastung am höchsten. Dort kann das Gas beispielsweise über undichte Fundamentbodenplatten eindringen.
Langfristig wirkungsvoll wirken gegen Radon dezentrale ­Lüftugsanlagen, die mit Zu- und Abluft ­arbeiten. Mit ihnen lassen sich die Luft­wechselraten genau einstellen.

Bild: ronstik - stock.adobe.com

Langfristig wirkungsvoll wirken gegen Radon dezentrale ­Lüftugsanlagen, die mit Zu- und Abluft ­arbeiten. Mit ihnen lassen sich die Luft­wechselraten genau einstellen.

Vorschriften unterscheiden sich nach ­Gebäudetyp

Nach dem Strahlenschutzgesetz mussten die Bundesländer bis Ende 2020 Gebiete ausweisen, in denen in vielen Gebäuden erhöhte Radonkonzentrationen zu erwarten sind.

Gemeint sind Regionen, in denen der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter in einer beträchtlichen Zahl von Gebäuden mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen überschritten wird. Für diese Gebiete gelten je nach Gebäudetyp unterschiedliche Regelungen:

  • Für private Bestandswohngebäude können Eigentümer und Bewohner freiwillig Maßnahmen ergreifen, um die Radonkonzentration zu senken.
  • Bei privaten Neubauten sind Bauherren verpflichtet, durch geeignete bauliche Maßnahmen das Eindringen von Radon in das Gebäude weitgehend zu verhindern.
  • Werden Gebäude als Arbeitsstätten genutzt, müssen die Verantwortlichen die Radonkonzentration an Arbeitsplätzen im Keller und im Erdgeschoss messen. Liegt sie über 300 Becquerel pro Kubikmeter, sind Maßnahmen erforderlich, um die Belastung im Gebäude zu senken.

Bundesamt informiert

Weitere Informationen zu Gefährdung durch Radon stellt das Bundesamt für Strahlenschutz auf seiner Internetseite bereit:

https://t1p.de/GEB260802

Auf seinem Geoportal stellt das BfS außerdem Geoinformationen zur Radon-Verteilung in Deutschland zur Verfügung:

https://t1p.de/GEB260803

Weiterbildung zum Thema

Am 14. Dezember 2026 bietet die Akademie der Ingenieure ein Seminar zum Thema „Radon in Gebäuden als Gefahr für Menschen“ an. Darin wird es unter anderem auch um lüftungstechnische Maßnahmen gehen.

Weitere Informationen finden Sie unter https://t1p.de/GEB260804

Jetzt weiterlesen und profitieren.

Mit unserer Future Watt Firmenlizenz top informiert und immer auf dem neuesten Wissenstand in ihrem Fachgebiet.

+ Unbegrenzter Zugang zu allen Future Watt Inhalten
+ Vergünstigte Webinarteilnahme
+ E-Paper Ausgaben
+ Sonderhefte zu speziellen Themen
+ uvm.

Wir haben die passende Lizenz für Ihre Unternehmensgröße!

Mehr erfahren

Tags