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Kommunale Wärmeplanung als Geschäftsfeld

Die Umsetzungshelfer der Wärmewende

Fehlendes Know-how und zu wenig Personal – diese Punkte gehören zu den Herausforderungen, mit denen Städte und Gemeinden bei der kommunalen Wärmeplanung zu kämpfen haben. Das gilt besonders für die kleinen und mittleren Kommunen. Daher lagern viele von ihnen die entsprechenden Aufgaben aus und vergeben diese an Externe wie zum Beispiel Planungs- und Ingenieursbüros. Auch für Energieberatende schien sich mit der kommunalen Wärmeplanung ein neues lukratives Betätigungsfeld zu öffnen.

Doch nur für wenige dürfte es interessant sein, ihre Unterstützung bei der Erstellung von Wärmeplänen anzubieten. Das liegt zum einen daran, dass die Herausforderung, vor der die Kommunen stehen, auch für die Energieberatenden gilt: Das Thema ist komplex. So hat zum Beispiel Carol Charlier, Energieeffizienz-Experte und Inhaber eines Ingenieurbüros in Düsseldorf, erkannt, dass die kommunale Wärmeplanung für viele Energieberatende eine Nummer zu groß ist. „Wir haben festgestellt, dass wir als Energieberatungsbüro die entsprechenden Aufgaben nicht abdecken können – und dies, obwohl wir zu der Zeit, als wir uns mit dem Thema beschäftigt haben, bereits ein Team aus vier oder fünf Mitarbeitern hatten.“

Die kommunale Wärmeplanung erfordert den Umgang mit großen Datenmengen. „Als Einzelkämpfer oder kleines Büro die riesige Zahl an Daten zu verarbeiten, ist fast unmöglich“, sagt Charlier. Daher müsse man sich komplett auf die kommunale Wärmeplanung spezialisieren, wenn man diese als Betätigungsfeld für sich erschließen möchte. „Es ist sicherlich kaum möglich, dies quasi nebenbei zu erledigen – also zusätzlich zum üblichen Tagesgeschäft in der Gebäude-Energieberatung.“

Standard-Software stellt günstige Konkurrenz dar

Gisela Renner, Vorstandsvorsitzende des Energieberatendenverbandes GIH in Nordrhein-Westfalen, schätzt, dass der Anteil der GIH-Mitglieder, die sich mit der Erstellung von Wärmeplänen beschäftigen, im unteren einstelligen Bereich liegt. Und dabei handele es sich vor allem um größer aufgestellte Büros.

Wer dieses Geschäftsfeld erschließen möchte, hat es mit starker Konkurrenz zu tun. Beratungsunternehmen und Startups hätten sich auf das Thema spezialisiert und würden mit Hilfe von Standard-Software weitgehend automatisiert Wärmepläne erstellen, berichtet Markus Fritz, Leiter des Geschäftsfelds „Klimaneutrale Gebäude“ am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), das bereits in verschiedene Wärmeplanungsprojekte involviert gewesen ist. „Da werden Wärmeplanungen teilweise für 10.000 oder 15.000 Euro angeboten“, sagt Fritz.

Solche Preise sind für viele Kommunen attraktiv. Wie günstig das ist, zeigt ein Ergebnis der Kommunenbefragung des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) aus dem vergangenen Jahr. Demnach liegen die Kosten für eine kommunale Wärmeplanung im Durchschnitt bei 3,79 Euro pro Einwohner beziehungsweise Einwohnerin – abhängig von Kommunengröße und Grundlagen. Bei einer 20.000-Einwohner-Gemeinde sind das also gute 75.000 Euro. Wenn man den Wärmeplan dann zum Schnäppchen-Preis bekommt, greift man gerne zu.

Kleine Wärmeplanung reduziert Aufwand

Hinzu kommt, dass der Markt mittlerweile kleiner geworden ist. Laut aktuellen Zahlen des KWW haben mittlerweile fast alle Kommunen mit über 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ihre Wärmeplanung abgeschlossen (94 Prozent). Bei den mittleren Kommunen sind es 44 Prozent und bei den kleinen immerhin schon 31 Prozent. Viele andere stecken mittendrin in der Wärmeplanung.

Für die kleinen Kommunen wird sich der Aufwand außerdem künftig wohl deutlich reduzieren. Bei der Novellierung des Wärmeplanungsgesetzes sieht die Bundesregierung die Einführung einer sogenannten kleinen Wärmeplanung vor. Diese soll das Verfahren für Gemeinden mit bis zu 15.000 Einwohnerinnen und Einwohnern vereinfachen. Unter anderem soll ein Gebiet dabei typischerweise als dezentral versorgt ausgewiesen werden. Nur bei konkreten Hinweisen auf wirtschaftliche Wärme-, Wasserstoff- oder Grünmethannetze sollen Prüfgebiete vertieft untersucht werden.

Damit soll der Aufwand auf etwa 20 Prozent einer regulären Wärmeplanung sinken. So gäbe es künftig für kleinere Kommunen also weniger Gründe, auf externe Hilfe zurückzugreifen. Doch gerade solche Gemeinden wären ein geeignetes Betätigungsfeld für Energieberatende.

Lokale Gegebenheiten werden vernachlässigt

„Das große Geschäft mit der Erstplanung ist im Prinzip schon gelaufen“, stellt Jan Karwatzki fest, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude beim Öko-Zentrum NRW. Doch das heißt nicht, dass Energieberatende damit das Thema kommunale Wärmeplanung für sich abhaken sollten. Nach wie vor bietet dieses großes Potenzial, um sich zu betätigen.

Zum einen müssen Wärmepläne alle fünf Jahre überarbeitet werden. Es gibt also immer wieder Bedarf an Unterstützung. Und nicht für jede Kommune wird ein Wärmeplan von der Stange ausreichen. Die Angebote der erwähnten Beratungsunternehmen und Startups seien grundsätzlich nicht schlecht, meint Fritz, aber mit einer Standardsoftware werde man bestimmte lokale Gegebenheiten eher nicht berücksichtigen können.

Er hält es für wichtig, dass bei der Erstellung von Wärmeplänen die Energieberaterperspektive miteinbezogen wird. Das gelte vor allem für die Umsetzbarkeit. In den Wärmeplanungen werde häufig nicht berücksichtigt, ob sich diese überhaupt praktisch realisieren lassen.

GIH-Fachfrau Renner stimmt zu. Die Wärmepläne hätten würden häufig eine relativ hohe „Flughöhe“ aufweisen. Gegebenheiten vor Ort würden kaum berücksichtigt. Häufig würden für ein Gebiet Mittelwerte berechnet, die dann aber für das jeweilige Einzelgebäude nicht stimmen müssen. „Mir hat gerade kürzlich ein Kunde berichtet, dass er richtig enttäuscht war, nachdem er sehnsüchtig auf die Wärmeplanung gewartet hatte. Diese konnte ihm nicht die für ihn wichtige Frage beantworten: Bekomme ich jetzt Fernwärme? Und wenn ja, wann?

Karwatzki vom Öko-Zentrum kennt das Beispiel einer Kommune, die ihre ursprüngliche Ausschreibung zur Erstellung eines Wärmeplans wieder zurückgezogen hat. „In der neuen Ausschreibung hat sie dann die fachlichen Anforderungen und die Mindestzahl an Arbeitstagen, die angeboten werden müssen, erhöht.“ Die Kommune musste nämlich feststellen, dass sie nur fachlich nicht geeignet Angebote bekommen hatte.

Kommunen fehlt das Wissen

Karwatzki sieht bei der Umsetzung der Wärmeplanung die größten Chancen für Energieberatende. Denn nach dem Erstellen der Wärmepläne geht es darum, die darin enthaltenen Empfehlungen zu realisieren. Laut dem KWW setzen bereits 77 Prozent der Kommunen mit Wärmeplan konkrete Maßnahmen um, so das Ergebnis der Befragung aus dem vergangenen Jahr. Im Fokus stehen dabei die energetische Sanierung und Effizienzsteigerung kommunaler Gebäude sowie Machbarkeitsstudien, die einzelne Vorhaben aus den Wärmeplänen prüfen. Dabei können sie Unterstützung gut gebrauchen. Denn die KWW-Studie zeigt auch: Fast jede fünfte Kommune mit abgeschlossenem Wärmeplan schätzt ihr Wissen zur Wärmeplanung als gering ein.

Energieberatende können ihre Stärken besonders dann ausspielen, wenn es auf die Gebäudeebene hinuntergeht. So können sie etwa die Städte und Gemeinden unterstützen, wenn es um die Sanierung der eigenen Gebäude geht. Karwatzki sieht aber vor allem große Möglichkeiten bei der Erstellung von Quartierskonzepten für einzelne Gebiete, die in der Wärmeplanung entsprechend dargestellt wurden.

Das gleiche gilt für das Sanierungsmanagement, das im Rahmen der Umsetzung eines Quartierskonzeptes notwendig ist und für das es auch eine Förderung gibt. „Dabei beschäftigt man sich schon wesentlich detaillierter mit einzelnen Gebäuden als in der Wärmeplanung. Das ist die klassische Tätigkeit eines Energieberatenden“, erklärt Karwatzki. Den Kollegen komme dabei ihre gewerkeübergreifende Denke zugute, meint Renner. „Man hat es dabei ja mit vielen weiteren Akteuren zu tun, wie etwa einem Tiefbauer.“ Quartiere seien ein forderndes, aber auch besonders spannendes Betätigungsfeld.

Pläne sind öffentlich

Generell seien übergreifende Ansätze bei der Umsetzung der kommunalen Wärmewende gefragt – etwa bei der Verbindung von Gebäude und Netz. „Es gibt Leute, die die Gebäude im Fokus haben, und es gibt Leute, die sich um die Netzplanung kümmern“, sagt Renner. Aber die Interaktion zwischen beidem werde noch zu selten mitgedacht.

Ähnlich wie Karwatzki sieht sie viele Chancen für die Energieberatenden, wenn es darum geht, die Kommunen bei der Realisierung ihrer geplanten Maßnahmen zu unterstützen. „Wir sind die Umsetzungshelfer der kommunalen Wärmewende“, stellt Renner klar.

Wer Interesse hat, als ein solcher tätig zu werden, dem empfiehlt Karwatzki, sich den Wärmeplan der eigenen Kommune anzuschauen, um zu sehen, welche Maßnahmen dieser vorsieht. Viele wüssten nicht, dass es diese Empfehlungen überhaupt gibt. „In den Plänen stehen sowohl Umsetzungs-, aber auch Informations- und Kommunikationsmaßnahmen, von denen die Energieberatenden zum einen profitieren können, weil es ihre Arbeit unterstützt. Und zum anderen können sie partizipieren, indem sie entsprechende Angebote erstellen und Leistungen erbringen.“

Karwatzki berichtet, dass Kommunen derzeit Stellen ausschreiben, für die sie gezielt Energieberatende suchen, die sich um das Thema Wärmeplanung kümmern sollen. Schließlich ergebe es Sinn, dass sich die Kommunen entsprechend verstärken, wenn der Wärmeplan alle fünf Jahre überarbeitet werden solle.

Wärmewende braucht viele Akteure

Damit sich Interessenten entsprechend fortbilden können, bietet das Öko-Zentrum NRW wie auch andere Weiterbildungseinrichtungen einen entsprechenden Lehrgang an. Wer daran teilnimmt, wird zum kommunalen Wärmemanager beziehungsweise zur -managerin ausgebildet. Den Lehrgang, den das Kompetenzzentrum schon länger anbietet, hat es mittlerweile inhaltlich stärker in Richtung Umsetzung und Weiterführung der Wärmeplanung umgebaut.

Neben fachlichen Kompetenzen wird es künftig stärker auf kommunikative Fähigkeiten ankommen. Darauf weist Renner vom GIH hin. Dass diese in der Arbeit von Energieberatenden zunehmend eine Rolle spielen, spiegelt ihrer Ansicht nach eine allgemeine Entwicklung wider. In der kommunalen Wärmewende im speziellen ist Kommunikation ihrer Meinung nach aber besonders gefordert.

Bei der Umsetzung der Wärmepläne müssten viele Personen und Institutionen mit ins Boot geholt werden, unter anderem private Vermieter, Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungseigentümergemeinschaften. „Alle müssen motiviert werden, um an der Umsetzung des Planes konstruktiv mitzuarbeiten“, erklärt Renner. „Und dafür braucht eine Kommune natürlich Leute, die dieses Projekt auch transportieren und den einzelnen Leuten vermitteln.“

Der Erklärungsbedarf ist enorm. Es gibt viele Fragen, die sich zum Beispiel mit den Gründen für oder gegen bestimmte Entscheidungen in der Planung oder mit den konkreten Auswirkungen auf das eigene Gebäude beschäftigen. Und zu diesen kommen noch weitere, etwa zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz oder zu veränderten Förderbedingungen. „Das ist schon ein bunter Beratungsstrauß, den man dann zu binden hat“, sagt Renner.

Solche und weitere Fragen müssen in verschiedenen Formaten wie etwa Akteurs-Workshops besprochen werden. Und die Kommunen brauchen Experten, die diese vorbereiten und durchführen. Dafür benötige man eben auch soziale Kompetenzen. „Das gehört ja bis jetzt noch nicht zur Standardausbildung eines Energieberatenden“, sagt Renner.

Wertvolle Informationen für die eigene Beratungspraxis sammeln

Letztendlich gibt es noch einen weiteren Grund, warum Energieberatende die kommunale Wärmeplanung auf dem Schirm haben sollten: Sie bietet wichtige Informationen für die eigene Beratungspraxis. „Energieberatende können diese nutzen, um fundierte Empfehlungen zu geben“, sagt Karwatzki.

Die Informationen aus der kommunalen Wärmeplanung sind eine wichtige Grundlage, um zu erkennen, welche Wärmeerzeuger in welchem Gebäude sinnvoll sind und auch künftig Sinn ergeben – sowohl wirtschaftlich als auch technisch. „Wenn man zum Beispiel weiß, dass ein Gebäude in einem Gebiet steht, das für ein Fernwärmenetz ausgewiesen ist, kann man den Kunden dahingehend beraten“, ergänzt Energieeffizienzexperte Charlier.

Zudem könne die kommunale Wärmeplanung aus Marketingsicht interessant sein. „Wenn man die eigene Beratungstätigkeit zum Beispiel stärker in Richtung Wärmepumpe entwickeln möchte, dann kann es vielleicht sinnvoll sein, in einem Gebiet eine Flyerkampagne zu starten, für das eine dezentrale Wärmeversorgung vorgesehen ist.“

Energieberatende können ihre Stärken besonders ausspielen, wenn es auf die Gebäudeebene hinuntergeht.

Bild: Graphithèque - stock.adobe.com

Energieberatende können ihre Stärken besonders ausspielen, wenn es auf die Gebäudeebene hinuntergeht.
Das Wissen, in welchen Gebieten zum Beispiel Fernwärmenetze vorgesehen sind, hilft in der eigenen Beratungspraxis.

Bild: S. Leitenberger - stock.adobe.com

Das Wissen, in welchen Gebieten zum Beispiel Fernwärmenetze vorgesehen sind, hilft in der eigenen Beratungspraxis.
Status der kommunalen Wärmeplanung in Deutschland (Stand: August 2026)

Bild: Dena/KWW

Status der kommunalen Wärmeplanung in Deutschland (Stand: August 2026)

Podcast zur Energieberatung

Nicht nur die kommunale Wärmeplanung ist ein neues Thema, mit dem sich Energieberatende beschäftigen sollten. Das gesamte Berufsbild ist einer ständigen Wandlung unterzogen. Im Podcast GEBbäudewende haben wir uns daher die Frage gestellt: Quo vadis Energieberatung?

Im zweiten Teil der 50. Folge sprechen Energieeffizienz--Expertinnen und -Experten darüber, welche aktuellen Herausforderungen sie für ihre Branche sehen, welche Kompetenzen dafür notwendig sind und wie sich der Beruf ihrer Meinung nach künftig entwickeln wird. Dabei geht es unter anderem über die Entwicklung des Energieberatenden zum Lotsen durch die Energiewende, die sich ständig ändernden gesetzliche Rahmenbedingungen und die neuen Möglichkeiten durch Digitalisierung und KI.

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