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Politik und Recht

Initiative GET H2: Investitionsentscheidungen bleiben aus – sieben Punkte sollen Markt beleben

Die Initiative GET H2 hat im Oktober 2026 ein aktualisiertes Forderungspapier zum Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft veröffentlicht. Darin reagiert das Bündnis aus rund 50 Unternehmen, Institutionen und Kommunen auf das Impulspapier des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE). Nach Einschätzung der Initiative kommt der Hochlauf bislang zu langsam voran. Zwar seien erste Teile des Wasserstoff-Kernnetzes betriebsbereit, großvolumige Lieferverträge abgeschlossen und mit dem GET H2 Nukleus ein erstes integriertes Wasserstoffcluster in Betrieb. Investitionsentscheidungen in größerem Maßstab blieben jedoch aus.

Produktionskosten im Fokus

Als ersten Hebel nennt die Initiative eine pragmatische Reform der EU-Kriterien für erneuerbaren Wasserstoff (RFNBO). Insbesondere die Vorgaben zu Zusätzlichkeit und Gleichzeitigkeit des eingesetzten Stroms trieben die Produktionskosten in die Höhe. Die EU-Kommission habe für Herbst 2026 eine Überprüfung angekündigt. GET H2 fordert, die Schwelle für den Wegfall der Zusätzlichkeit beim bundesweiten EE-Stromanteil von 90 auf 80 Prozent abzusenken.

Beim Netzentgeltregime verweist die Initiative auf den laufenden AgNes-Prozess, der einen Kapazitätspreis statt eines Arbeitsentgelts für Elektrolyseure vorsieht. Zudem solle die Netzentgeltbefreiung für Elektrolyseure gesichert werden, die vor dem 4. August 2029 in Betrieb gehen. Auch Paragraf 13k EnWG („Nutzen statt Abregeln“) solle überarbeitet werden, um Elektrolyseuren zusätzliche Erlösmöglichkeiten zu eröffnen.

Zertifizierung und Importe

2025 habe die EU-Kommission erste Zertifizierungssysteme offiziell anerkannt, so die Initiative. Ein einheitliches, bürokratiearmes System fehle jedoch, insbesondere für Importe aus Drittstaaten. Als nationale Übergangslösung schlägt GET H2 ein Book-and-Claim-Modell analog zu Herkunftsnachweisen für Ökostrom vor, um physischen Wasserstofffluss und Herkunftseigenschaft zu entkoppeln.

Beim Import läuft nach Angaben der Initiative die zweite H2Global-Ausschreibungsrunde seit Februar 2025 mit einem Budget von 2,5 Milliarden Euro. Importierter Wasserstoff werde absehbar nicht automatisch günstiger sein als heimische Produktion. Die Initiative fordert staatliche De-Risking-Instrumente zur Senkung der Kapitalkosten in Exportländern sowie eine frühzeitige Verlängerung der Strompreiskompensation und der Umlagenbefreiung für Elektrolyseure über 2030 hinaus.

Kernnetz, Verteilnetze und Speicher

Beim Wasserstoff-Kernnetz sieht GET H2 die greifbarsten Fortschritte: 9.040 Kilometer seien genehmigt, 525 Kilometer seit Ende 2025 betriebsbereit. Das Kernnetz drohe jedoch zunächst gering ausgelastet zu werden. Viele potenzielle Abnehmer lägen nicht am Kernnetz, Verteilnetze seien weder regulatorisch noch finanziell ausreichend adressiert. Die Umsetzung der EU-Binnenmarktrichtlinie Gas und Wasserstoff zum Termin 5. August 2026 sei verpasst worden und müsse kurzfristig erfolgen.

Beim Thema Speicher verweist die Initiative darauf, dass einer der ersten Kavernenspeicher im Rahmen des GET H2 Nukleus in Gronau-Epe 2027 in den kommerziellen Betrieb gehen soll. Die Vorlaufzeiten lägen bei fünf bis sechs Jahren für die Umstellung bestehender Speicher und bei zehn Jahren für Neubauten. GET H2 fordert eine Wasserstoffspeicherstrategie auf Basis einer Bedarfsanalyse sowie ein Finanzierungsmodell über Differenzverträge und intertemporale Umlagefinanzierung.

Nachfrageanreize und Transportquote

Das 10-GW-Elektrolyseziel bis 2030 habe das BMWE aufgegeben und durch ein nachfrageorientiertes System ersetzt. Die Initiative begrüßt das im Impulspapier vorgesehene Wasserstofffenster bei den CO2-Differenzverträgen (CCfD). Zusätzlich fordert sie die Einführung von Wasserstoff-CfDs, die bei Midstreamern verankert sein sollen, um Angebot und Nachfrage mehrerer Marktteilnehmer zu bündeln. Die Mittel sollen im Bundeshaushalt 2027 über einen zweckgebundenen Haushaltstitel verankert werden. Besonders berücksichtigt werden sollen Abnehmer aus Stahlindustrie, Raffinerien und chemischer Industrie.

Positiv bewertet die Initiative die 2026 beschlossene Reform der THG-Quote mit einer eigenen RFNBO-Unterquote im Transportsektor, die von 0,1 Prozent ab 2026 auf mindestens 10 Prozent im Jahr 2040 steigt. Der festgelegte Pfad müsse vor nachträglichen regulatorischen Änderungen geschützt werden.

Übergreifend fordert GET H2 einen breiten energiepolitischen Konsens, der Wasserstoff als Baustein berücksichtigt und Investoren Planungssicherheit gibt. Ein belastbarer H2-Hochlauf sei nach Einschätzung der Initiative bereits in diesem Jahrzehnt realistisch erreichbar, eine breite Skalierung in den 2030er Jahren – sofern jetzt gehandelt werde.