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Fraunhofer-Whitepaper

PtX-Zertifizierung entscheidet über Wasserstoffexporte aus dem südlichen Afrika

Vier Fraunhofer-Institute haben ein Whitepaper zur Zertifizierung von Power-to-X-Produkten (PtX) aus dem südlichen Afrika veröffentlicht. Der Beitrag trägt den Titel „Navigating PtX Certification Challenges: Qualitative Assessment of Sustainability Requirements and Cost Dynamics for Exports from the SADC Region“ und ist im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts HySecunda entstanden. Das Whitepaper steht auf der Publikationsplattform von Fraunhofer zum Download bereit.

Die Analyse vergleicht die Zertifizierungsschemata, rechtlichen Anforderungen und Marktanreizmechanismen von vier potenziellen Importregionen: der Europäischen Union, dem Vereinigten Königreich, Südkorea und Japan. Untersucht werden unter anderem die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (RED III) sowie Instrumente wie H2Global, atmosfair fairfuel, das britische RTFO-System und verschiedene Quoten für nachhaltige Flugkraftstoffe. Ziel ist es, zu zeigen, welche regulatorischen Anforderungen für Produzenten in der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas (SADC) besonders relevant sind.

EU stellt strengste Anforderungen

Ein zentrales Ergebnis: Die Nachhaltigkeitskriterien unterscheiden sich in den untersuchten Importregionen deutlich. Am striktesten und detailliertesten sind sie laut Whitepaper in der EU ausgestaltet. Diese Unterschiede wirken sich nach Angaben der Autorinnen und Autoren direkt auf das technische Systemdesign, die Auslegung der PtX-Produktionsanlagen sowie auf Investitions- und Betriebskosten aus.

„Für Projektentwickler bedeutet dies, dass eine frühzeitige Festlegung auf einen Zielmarkt erforderlich ist, um Anlagen zertifizierungskonform und wirtschaftlich auslegen zu können“, erklärt Elena Timofeeva, Forscherin am Fraunhofer-Institut für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) und Mitautorin des Whitepapers.

Quantitative Analyse bis Jahresende geplant

Im Projekt HySecunda sollen bis zum Jahresende weiterführende quantitative Analysen folgen. Diese sollen den Einfluss der Nachhaltigkeitsanforderungen auf Kostenstrukturen und Systemkonfigurationen von PtX-Anlagen vertiefend untersuchen. Das Fraunhofer IEG koordiniert die Modellierungsarbeiten zur Systemanalyse. Es modelliert regionale erneuerbare Energien, einzelne Power-to-X-Projekte sowie den Wasserstoff-Weltmarkt und berücksichtigt dabei auch Wasserverfügbarkeiten und Landnutzung.

„Mit HySecunda tragen wir gleichermaßen zur Energiesicherheit in Deutschland und Europa und zur wirtschaftlichen Entwicklung im südlichen Afrika bei“, sagt Christoph Nolden vom Fraunhofer IEG. „Das Projekt ist ein Baustein für den internationalen Markthochlauf von grünem Wasserstoff und seiner Derivate.“

Neun Fraunhofer-Institute und externe Partner

Im Verbundprojekt HySecunda arbeiten die Fraunhofer-Institute IMWS, ISC, IEE, IST, IWES, IKTS, ISE, ISI und IEG im Rahmen des Clusters Fraunhofer Cines zusammen. Beteiligte externe Partner sind Linde, ITM Linde Electrolysis, Sasol und Enertrag. Das Projekt verfolgt einen Ansatz aus Capacity Building, Markt- und Systemanalyse einschließlich Zertifizierung sowie Technologieentwicklung von Elektrolyseuren.

Parallel wirkt das Fraunhofer IEG an der Entwicklung der DIN-Norm 35809 „Nachhaltigkeitskriterien für Wasserstoff und Wasserstoffderivate“ mit. Die Norm soll Grundsätze, Kriterien und Indikatoren für eine Bewertung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeitsaspekte bei Erzeugung, Transport und Speicherung von Wasserstoff und seinen Derivaten definieren.