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Industrie stuft Energieeffizienz zurück, steckt aber mehr in sie hinein

Teilindex Bedeutung: Bedeutung von Energieeffizienz sinkt beinahe auf historischen Tiefpunkt der Sommerer-hebung 2024 (n= 854).

EEP Energieeffizienz-Index Sommererhebung 2026

Teilindex Bedeutung: Bedeutung von Energieeffizienz sinkt beinahe auf historischen Tiefpunkt der Sommerer-hebung 2024 (n= 854).

Der aktuelle Energieeffizienz-Index der Universität Stuttgart zeigt: Industrieunternehmen investieren weiter in Energieeffizienz, messen dem Thema aber weniger Bedeutung bei. Treiber bleiben Kosten, Emissionssenkung und gesetzliche Vorgaben.

Das Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart hat die Ergebnisse der Sommererhebung 2026 des Energieeffizienz-Index der deutschen Industrie (EEI) veröffentlicht. Im Kern zeigt die Erhebung zwei gegenläufige Entwicklungen: Der Anteil der Investitionen in Energieeffizienz-Maßnahmen steigt, die relative Bedeutung des Themas im Betrieb sinkt.

Unternehmen ordnen Energieeffizienz neu ein

Der Investitionsindex (EII) ist seit der Energiekrise erstmals zum dritten Mal in Folge gestiegen. Der Bedeutungsindex (EBI), also die relative Bedeutung, die Unternehmen dem Thema Energieeffizienz beimessen, erreicht dagegen beinahe den historischen Tiefstand der Sommerhebung 2024.

EEP-Institutsleiter Professor Alexander Sauer erläutert: „Der Trend der Teilindizes zeigt, dass in der aktuellen Situation Industrieunternehmen Investitionen in Energieeffizienz-Maßnahmen als Mittel zum Zweck der Kosten- und Emissionssenkung sehen. Sie stufen Energieeffizienz überwiegend als gleichbedeutend mit anderen Themen wie zum Beispiel der Produktentwicklung ein“

Anders als bei der Wintererhebung 2025 messen nach Angaben des EEP nun ausschließlich Großunternehmen Energieeffizienz einen höheren Stellenwert im Vergleich zu anderen Themen im Betrieb bei, etwa der Qualitätssicherung. Das zeigt nach Einschätzung des EEP auch, dass die Betriebe nun weniger intrinsisch motiviert sind, Maßnahmen für mehr Energieeffizienz zu ergreifen.

Als wichtigste Gründe für die Einrichtung eines Energiemanagementsystems benennt die Erhebung vor allem ökonomische und betriebliche Aspekte. 71 % der befragten Unternehmen nennen die Optimierung und Kontrolle des eigenen Energieverbrauchs. 70 % führen die Senkung von CO2-Emissionen an. 58 % verweisen auf gesetzliche Anforderungen.

55 % der befragten Industrieunternehmen betreiben ein Energie- und/oder Umweltmanagementsystem (n= 853, n‘= 1.000).

EEP Energieeffizienz-Index Sommererhebung 2026

55 % der befragten Industrieunternehmen betreiben ein Energie- und/oder Umweltmanagementsystem (n= 853, n‘= 1.000).

Betriebe richten Maßnahmen an Kosten, Emissionen und Vorgaben aus

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Energieeffizienzgesetz (EnEfG), das im November 2023 in Kraft trat. Betriebe mit einem Endenergieverbrauch von mehr als 2,5 GWh müssen Umsetzungspläne von Endenergieeinsparmaßnahmen erstellen und veröffentlichen. Ab einem Energieverbrauch von 7,5 Gigawattstunden sind sie zur Einrichtung eines zertifizierten Energie- oder Umweltmanagementsystems verpflichtet.

Mit der voraussichtlichen Novellierung des EnEfG sollen sich diese Schwellenwerte von 2,5 auf 2,77 Gigawattstunden und von 7,5 auf 23,6 Gigawattstunden verschieben. Nach der Erhebung würden dann nur noch etwa die Hälfte der befragten Industrieunternehmen zur Einrichtung eines zertifizierten Energie- und Umweltmanagementsystems herangezogen.

Aktuell betreiben 55 Prozent der befragten Unternehmen ein solches System. Zugleich haben die Betriebe ihre eigenen Kapazitäten und Kompetenzen ausgeweitet, sodass sie seltener externe Unterstützung für Planung und Einrichtung benötigen.

Unternehmen prüfen Abwärme und setzen unterschiedliche Technik ein

Deutlich zeigt sich der mögliche Effekt der Novellierung auch beim Thema Abwärme. Das geltende EnEfG verpflichtet Industrieunternehmen ab 2,5 Gigawattstunden, Maßnahmen zur Vermeidung und Nutzung von Abwärme zu ergreifen. 89 Prozent der befragten Betriebe kennen bereits ihr Potenzial für solche Maßnahmen.

Im Zuge der Novellierung soll dies nur noch Betriebe betreffen, die eine Industrieanlage mit einem durchschnittlichen Gesamtenergieinput von mehr als 8 Megawattstunden pro Stunde planen oder erheblich modernisieren möchten. Dadurch müssten nur noch 5 Prozent statt 51 Prozent der befragten Unternehmen Maßnahmen umsetzen.

Aktuell sollen Industrieunternehmen Abwärme vermeiden oder nutzen. Mit der Novellierung würde nur noch die technisch vermeidbare Abwärme betrachtet werden. Betriebe müssten dafür eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen, 12 statt zuvor 32 Prozent im Winter 2023.

Für mehr als 70 Prozent der befragten Betriebe haben sich Wärmerückgewinnung, Dämmung und Isolierung bewährt. Ungefähr ein Drittel der Unternehmen setzt Wärmepumpen, Absorptionskältemaschinen oder Kraft-Wärme-Kopplung ein.

Unternehmen bevorzugen kurze Amortisation und stellen Gesetz infrage

Beim Blick auf die Amortisierung zeigt die Erhebung einen weiteren Trend. Unternehmen bevorzugen für Investitionen aktuell eine durchschnittliche Amortisationsdauer von maximal drei Jahren. Die Akzeptanz für längerfristige Investitionen ist im Vergleich zur Wintererhebung 2023 von 25 auf 2 Prozent gesunken. Gleichzeitig wird das EnEfG, das teilweise größere Investitionen einfordert, zunehmend in Frage gestellt.

Sauer betont: „Immer mehr deutsche Industrieunternehmen fordern die Abschaffung des Energieeffizienzgesetzes. Doch die Politik sollte daran festhalten. Denn es ist eines der wichtigsten Treiber, damit sich Betriebe mit dem Thema Energieeffizienz auseinandersetzen“

Das EEP erhebt den EEI seit 2013 halbjährlich. An der Sommererhebung 2026 nahmen 854 Unternehmen des produzierenden Gewerbes teil. Der Erhebungszeitraum lief vom 09. März bis zum 30. April 2026. Quelle: ar / EEP / Universität Stuttgart

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