Am Shell-Standort Wesseling bei Köln hat das Wasserstoffprojekt Refhyne 2 einen weiteren Bauabschnitt erreicht. Wie Shell mitteilt, sind die ersten 14 von insgesamt 150 Elektrolyse-Stacks für die geplante 100-MW-Anlage angeliefert worden. Weitere Chargen sollen in den kommenden Monaten folgen. Die Komponenten werden zunächst eingelagert und geprüft, bevor sie in die bereits installierten Elektrolysemodule eingebaut werden.
„Mit der Ankunft der ersten Elektrolyse-Stacks erreicht Refhyne 2 einen weiteren Meilenstein“, sagt Marijn Bezuijen, Senior Project Manager Transformation im Shell Energy and Chemicals Park Rheinland. „Die Anlieferung markiert den Übergang von der Bauphase hin zur späteren Inbetriebnahme der Anlage. Nun biegen wir auf die Zielgerade dieses für den Standort sehr wichtigen Transformationsprojektes ein.“
PEM-Technologie von ITM Power
Die Stacks werden bei ITM Power im britischen Sheffield gefertigt und durchlaufen vor dem Versand Tests und Abnahmeverfahren. In den Stacks wird mittels Proton-Exchange-Membrane-Technologie (PEM) Wasser unter Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Für den Transport der empfindlichen Bauteile setzt das Unternehmen eigens entwickelte Gestelle ein, die für weitere Lieferungen wiederverwendet werden sollen. Generalunternehmer des Projekts ist Linde. Zu den weiteren Projektpartnern zählen Tecnalia, ERM, Sintef und Concawe.
Nach Angaben von Shell soll die Anlage bei voller Auslastung bis zu 16.000 Tonnen erneuerbaren Wasserstoff pro Jahr produzieren – abhängig von der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien. Die Inbetriebnahme ist laut Unternehmen für 2027 vorgesehen. Der erzeugte Wasserstoff soll aufbereitet und in das bestehende Wasserstoffnetz des Standorts eingespeist werden, um dort die CO₂-Intensität von Betrieb und Produkten zu senken. Refhyne 2 zählt nach Unternehmensangaben zu den größten PEM-Elektrolyseuren Europas.
Ergänzung zu Refhyne 1
Der neue Elektrolyseur ergänzt den bereits 2021 in Betrieb genommenen 10-MW-Elektrolyseur Refhyne 1 am selben Standort. Gemeinsam sollen beide Anlagen künftig einen Teil des Wasserstoffbedarfs der Produktionsprozesse aus erneuerbaren Energien decken. Shell erwartet zudem, dass das Projekt Erfahrungen bei Herstellung, Integration und Betrieb von Elektrolyseuren im industriellen Maßstab liefert.
Refhyne 2 ist Teil eines größeren Umbaus des Shell Energy and Chemicals Park Rheinland. Neben dem Elektrolyseur investiert der Konzern am Standort in die Umwandlung der bisherigen Rohölverarbeitung im Werksteil Wesseling in eine Grundölanlage sowie in die seit 2024 laufende Produktion von Bio-LNG. Im Werk sind rund 1.400 Beschäftigte von Shell sowie Mitarbeiter von Partnerfirmen tätig. Sie produzieren dort Diesel- und Ottokraftstoffe, Kerosin, Heizöl sowie Vorprodukte für die chemische Industrie.
Refhyne 2 wird nach Angaben von Shell durch Fördermittel aus dem EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 unterstützt.