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Podcast Gebäudewende

Weniger Baustandards – weniger Kosten

Die sogenannten allgemein anerkannten Regeln der Technik bestimmen maßgeblich, wie gebaut werden muss. Was als technische Regel gilt, muss eingehalten werden. „Jede Abweichung führt zu einem Mangel“, sagt Baufachanwalt Marc Steffen von der Kanzlei Leinemann & Partner im Podcast #45 Hohe Standards machen das Bauen teuer. Das gelte selbst dann, wenn ein Bauwerk technisch funktioniere. Die Regeln werden zwar seit Jahrzehnten angewandt, ihre genaue Definition ist jedoch überraschend unklar. Trotz intensiver Rechtsprechung gibt es kaum eindeutige Leitlinien. Für besonders problematisch hält Steffen die starke Bindung an die DIN-Normen. Obwohl diese ursprünglich nur Empfehlungscharakter besitzen, werden sie faktisch wie zwingendes Recht behandelt.

So verursachen die allgemein anerkannten Regeln der Technik hohe Kosten, denn Handwerker und Planer müssen diese vollumfänglich berücksichtigen, um Haftungsrisiken zu vermeiden. „Hinter jedem kleinen Vertrag hängen somit 100.000 Seiten, die ebenfalls Gegenstand des Vertrages sind.“ Diese Situation trägt laut Steffen wesentlich zur aktuellen Baukrise bei. Während früher billiges Kapital hohe Kosten überdeckte, führen heutige Finanzierungskosten dazu, dass viele Projekte nicht mehr realisiert werden.

Regeln bringen Sicherheit

Gleichzeitig erkennt Steffen an, dass die Regeln auch Vorteile bieten: Sie sorgen für Sicherheit und Verbraucherschutz. Das Problem sei jedoch, dass inzwischen jeder denkbare Sonderfall abgesichert werde, wodurch Standards unnötig hoch ausfallen. Andere europäische Länder würden mit geringeren Vorgaben bauen, ohne dass die Gebäude unsicher seien.

Als Reformoptionen werden drei Wege diskutiert: Abschaffung der rechtlichen Bindung an technische Regeln, Schaffung von Ausnahmen wie dem geplanten Gebäudetyp E oder eine klare gesetzliche Neudefinition dessen, was tatsächlich als anerkannte Regel der Technik gelten soll. Steffen bevorzugt letzteren Ansatz: weniger, aber klar definierte Mindeststandards.

Kritisch sieht er den aktuellen politischen Kurs, der vor allem auf Sonderlösungen wie Gebäudetyp E setzt. Diese würden nur kleine Marktsegmente betreffen und könnten sogar Wertnachteile erzeugen, weil Käufer später erkennen, dass ein Gebäude nach reduziertem Standard errichtet wurde.

Auch den sogenannten Bauturbo, der Planungsverfahren beschleunigen soll, bewertet er ambivalent. Dieser beseitige zwar Hürden, löse aber nicht das Kernproblem hoher Baukosten. Steffen plädiert daher für einen grundlegenderen Reform­ansatz, der neben dem individuellen auch den kollektiven Verbraucherschutz berücksichtigen muss. Hohe Standards würden zwar einzelne Käufer schützen, verhinderten aber zugleich, dass sich viele Menschen überhaupt noch Wohneigentum leisten könnten. Die Politik muss Steffen zufolge eine neue Balance in dieser Frage finden.

GEB Podcast

Im Podcast Gebäudewende diskutiert GEB-Redakteur Markus Strehlitz mit Gästen aus Forschung, Politik und Wirtschaft über Aktuelles beim energieeffizienten Bauen und Sanieren. Dazu gehören beispielsweise Lowtech-Konzepte für Gebäude und Innovationen bei der Anlagentechnik. Auch die Aufgaben der Energieberatung, die Chancen von Wasserstoff in Quartiers­konzepten und die Notwendigkeit der Effizienz zum Erreichen der Klimaziele sowie die serielle Sanierung waren bereits Themen. Die mittlerweile 46 Episoden finden Sie im Überblick ­unter www.geb-info.de/podcast und unter dem Stichwort „Gebäude­wende“ auf allen gängigen Podcast-Plattformen.

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