Springe zum Hauptinhalt Skip to main navigation Skip to site search
Kommentar

Was China macht, ist schon lange nicht mehr egal 

Lange wurde, immer wieder, wenn es um den Einsatz von erneuerbaren Energien für das Weltklima ging, darauf verwiesen, dass es egal sei, was man mache, weil da wäre ja China, als größter Verbraucher von fossilen Energieträgern. Und wenn China nicht die Wende schaffen würde, dann bräuchten wir es gar nicht erst probieren. Dieses Argument scheint in letzter Zeit ziemlich verklungen zu sein. Kein Wunder, wenn man auf die jährlichen Ausbauzahlen von Windenergie, Solarenergie und Batteriespeicher schaut. Haben sie doch, nach Zahlen des Global Energy Wind Council, 120,5 Gigawatt Windleistung zugebaut – 73 Prozent des globalen Zubaus. Dasselbe Bild zeigt sich auch bei der neu installierten Leistung für Batteriespeicher. 2025 installierte das Land 61,1 der 112 Gigawatt Leistung. Diese Zahlen sprechen doch für einen klaren Ausbaupfad pro erneuerbare Energien, oder?

Kohle im Überfluss

Es ist eben nur eine Seite der Medaille. Denn: Nach einer aktuellen Untersuchung des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) und des Global Energy Monitor (GEM) haben chinesische Entwickler 2025 insgesamt 161 Gigawatt neue oder reaktivierte Kohleprojekte beantragt. Gleichzeitig wurden 78 Gigawatt neue Kohlekraftkapazität in Betrieb genommen, die höchste Jahresleistung seit einem Jahrzehnt. Der im März vorgelegte 15. Fünf-Jahres-Plan sollte bislang einer der großen Treiber dieser plötzlich verstärkten Beantragungswelle. Zunächst wurde vermutet, dass stärkere Klimaziele und Emissionsgrenzen den Bau schwieriger machen könnten. Nach der Veröffentlichung des Plans wird klar: Bis 2030 soll die CO2-Intensität um 17 Prozent pro Wirtschaftseinheit sinken. Gleichzeitig können die absoluten Emissionen weiter steigen. Der vorschnelle Bau der Kohlekraftwerke war also gar nicht nötig. Es kann auch weiterhin entspannt ausgebaut werden.

Zwei Bilder, eine Richtung

Diese beiden Bilder zeigen, dass China eine ambivalente Einstellung zur Energieversorgung hat. Es ist ihnen wichtig, im großen Stil auszubauen. Dafür, einer der Technologieführer zu sein und Produktionskapazitäten weiterhin zu erweitern. Nur eben nicht nur in eine Richtung, sondern in mehrere. Von China bekommt man nicht den Eindruck, dass eine bestimmte Energieerzeugung mit besonderer Emotionalität verteidigt wird. Sei es für fossile oder für erneuerbare Energien.

Es wird klar, dass zwei Faktoren besonders bestimmend sind für den Ausbau. Zum einen möchte das Land auch in Zukunft mit der Versorgungssicherheit auf der ganz sicheren Seite stehen. Ja, mit weiter anwachsender Elektrifizierung von allen möglichen Anwendungen in Industrie und Alltag steigt der Bedarf an Strom insgesamt. Dass es dem Land aber wirklich nur darum geht, wäre zu kurz gegriffen. Auch hier werden wirtschaftliche und für den Energiemarkt entscheidende Faktoren noch ausschlaggebender sein. Kohlestrom rechnet sich noch, solange, da Emissionsziele ziemlich niedrig aufgesetzt werden: Na, dann fördern wir eben noch weiterhin Kohle, solange es sich lohnt. Und da dabei bislang kein wirkliches Ende in Sicht ist, bis auf die Jahresmarke 2060, können wir es auch noch weiter machen. Gleichzeitig sieht das Land, dass der Umstieg irgendwann unumgänglich wird, und zwar nicht nur in China, sondern auf der gesamten Welt. Also lohnt es sich in jedem Fall, selbst Kapazitäten nach den volkswirtschaftlichen Möglichkeiten aufzubauen und dabei Technologien als Marktführer zu exportieren.

Beides führt dazu, dass sich die wirtschaftliche Position verstärkt. Das Motiv hinter dem in allen Bereichen führenden Ausbau von China ist daher im ganz großen Teil auf den wirtschaftlichen Nutzen ausgelegt. Eine Wirkung, die auch in Europa und Deutschland ankommt, wenn es eine der wesentlichen Aufgaben ist, Unternehmen in diesen Bereichen zu halten. Was dafür die beste Strategie ist, darüber lässt sich streiten.  Jedoch wirkt die Energiepolitik Chinas sich so stark aus, dass es, unabhängig davon, wie man diese bewertet, nicht egal ist, was man selbst tut.