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Katalysatormaterialien

Das Pulver, das die Kosten senken soll

Interview: Eva Augsten

HZwei: Herr Mohrdieck, Sie bringen 34 Jahre Erfahrung aus großen Automobilkonzernen wie Daimler und Mercedes mit zu Pajarito Powder, einem Hersteller von Katalysatormaterialien mit etwa 35 Mitarbeitenden. Was wollen Sie in Ihrer neuen Position als CEO nun verändern?

Dr. Christian Mohrdieck: Für mich ist es eine Umstellung von der Betrachtung auf Systemebene auf die Ebene der Kernkomponenten. Die müssen für die nächste Stufe der Kommerzialisierung noch mal angefasst werden. Wir haben gute Zutaten, jetzt geht es um das beste Rezept.

Bei Pajarito Powder gibt es schon gute Produkte. Wir müssen sie aber mehr an das Business und die Prozesse der Automotive-Industrie anpassen und serientauglich machen, um auch bei den Kernkomponenten das Optimum herauszuholen.

Und natürlich ist es kein Geheimnis, dass das Netzwerk dafür wichtig ist. Man muss mit den richtigen Leuten auf der Kundenseite sprechen.

Wie viel ist bei den Katalysatoren überhaupt noch zu holen? Die Platinmengen sind doch schon immens gesunken.

In einem Brennstoffzellensystem für einen Pkw stecken zehn bis 20 Gramm Platin, beim Lkw um den Faktor zwei bis drei mehr. Der Katalysator kann bei einem Brennstoffzellenstack auch heute noch über die Hälfte der Kosten ausmachen. Ich denke, dass wir die Kosten für die Stacks im idealen Fall um 20 Prozent senken können, indem wir 40 Prozent Kosten beim Katalysator einsparen. Dabei geht es vor allem um weniger Platin und eine bessere Ausnutzung.

„Indem wir beim Katalysator 40 Prozent einsparen, könnten wir die Kosten der Stacks um bis zu 20 Prozent senken.“

Der Platinanteil variiert je nach Kundenwunsch. Für einen Lkw nimmt man eher um die 60 Gewichtsprozent – unter 40 Gewichtsprozent will aber praktisch niemand. Der Katalysator degradiert mit der Zeit. Das heißt, man kann anfangs auch mit relativ wenig Platin eine hohe Leistung erreichen, aber dann hält die Brennstoffzelle nicht so lange.

Wie reduziert man den Platingehalt so, dass die Zelle trotzdem gut funktioniert?

Wir nutzen ein meso-, also mittelporöses Kohlenstoffträgermaterial. Es bietet viel innere Oberfläche, an der sich Platin anlagern kann, ohne Klumpen zu bilden. Wir haben noch einen ganzen Baukasten an Zusatzstoffen und Dotierungen, zum Beispiel mit Niob oder Kobalt, mit denen sich die Aktivität verbessern lässt.

Was ist mit Iridium?

Iridium ist noch teurer als Platin. Man nutzt es bei Brennstoffzellen, wenn die Zellen gegen eine Zellspannungsumkehr tolerant sein sollen, zum Beispiel bei einem Kaltstart oder nach längeren Standzeiten. Vor allem kommt es aber bei Elektrolyseuren zum Einsatz und macht da einen großen Teil der Kosten aus – noch mehr als Platin bei den Brennstoffzellen.

Kann man so knappe und kritische Materialien wie Platin und ­Iridium nicht durch andere ersetzen?

Bei Platin ist die grundsätzliche Verfügbarkeit gut – moderne Brennstoffzellenautos brauchen am Ende ähnliche Mengen Platin wie die Abgaskatalysatoren von Verbrennern. Iridium ist da schon kritischer. Allerdings ist keine Alternative in Sicht.

„Für Iridium ist keine Alternative in Sicht, also müssen wir die Ausnutzung erhöhen.“

Also müssen wir die Ausnutzung erhöhen. Unsere Aktivität pro Masse ist beim Iridium fast doppelt so hoch wie die veröffentlichten Werte der Mitbewerber. Beim Überführen in eine Großserie wird die Leistung wahrscheinlich ein bisschen nachlassen, aber dem steht dann ein Schub in der Kostensenkung gegenüber.

Wo stehen wir denn in der Skalierung und Industrialisierung?

Wir können mit unserer neuen Linie Batches mit bis zu 20 Kilogramm produzieren, davon sind bis zu 60 Gewichtsprozent Platinanteil. Die potenziellen Kunden wollen nun erst mal sehen, wie die Linie läuft.

Wir sind bei einem Hersteller aus Asien in der Vorauswahl für Brennstoffzellen. Bei einem der weltweiten Top-5-Elektrolyseurhersteller aus Nordamerika haben wir uns für die Zulieferkette qualifiziert. In Europa sprechen wir mit mehreren Kontakten über eher kleinere Mengen.

Gerade im Automotive-Bereich sind Standards wichtig, wie ISO-Normen. Wir haben dafür gerade eine erfahrene Qualitätsmanagerin eingestellt. Besonders wichtig ist zum Beispiel in der Dokumentation die Traceability, also Nachverfolgbarkeit. Diese ISO-Audits kann man im Grunde bei jeder Produktionsmenge machen.

Im weiteren Ausbau werden Kapital und Vernetzung wichtig. Wir haben Hyundai Motor, NV Bekaert SA und Technip Energies NV unter unseren Investoren und im Aufsichtsrat. Das hilft.

Christian Mohrdieck

Pajarito Powder

Christian Mohrdieck

Über Christian Mohrdieck und Pajarito Powder

Pajarito Powder mit Sitz in Albuquerque, New Mexico, ist auf Katalysatoren für Elektrolyseure und Brennstoffzellen spezialisiert. Im Jahr 2020 stieg der deutsche Automobilmanager Christian Mohrdieck in den Vorstand ein, seit April dieses Jahres leitet er das Unternehmen als CEO.

Mohrdieck war unter anderem als CTO bei Hyzon Motors, als CCO bei Cellcentric und als CEO bei Mercedes-Benz Fuel Cells tätig. Er hat einen Doktortitel in Physik, studierte in Deutschland und Frankreich und ist Honorarprofessor an der Universität Ulm sowie Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Wien.

Das 2012 gegründete Unternehmen Pajarito Powder ist mit XX Mitarbeitenden im Vergleich zu seinen Kunden aus der Automobilbranche recht klein, hat aber große Geldgeber. Dazu gehören die Hyundai Motor Company, NV Bekaert, Ecovyst, der Geschäftsbereich Advanced Materials & Catalysts von Technip Energies,
der Verge-Fund und Omphalos Venture Partners. Für die Fertigung seiner Katalysatoren nutzt Pajarito Powder sowohl eigene Patente als auch Lizenzen des Los Alamos National Laboratory. Zu den Produkten gehören Katalysatoren aus Platingruppenmetallen (PMG), Engineered Catalyst Supports (ECS) und Engineered Electrolyzer Catalysts (EEC).

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