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Großspeicher statt Dunkelflaute-Angst

Nicole Weinhold

Immer mehr Betreiber interessieren sich für Speicherlösungen – mit Blick auf mögliche Regelungen, nach denen es für Abregelung keinen Ausgleich gibt. Wie gut passen Speicher und Windenergie zusammen?

Harry Nortje: Lassen Sie mich kurz beim Wasserstoff anfangen, mit dem ich mich in meiner letzten Firma intensiv beschäftigt habe. Die Rechnung für grünen Wasserstoff geht leider nicht auf – auch in 20 Jahren wird er nicht wirklich preiswert sein. Blauer Wasserstoff ist in Ordnung, aber beim grünen kommt immer ein Aufschlag obendrauf. Ein Elektrolyseur kann zudem nur rund 30 Prozent des Stroms in Wasserstoff umwandeln. Das heißt, wir müssten dreimal so viel Wind zubauen, um genügend Wasserstoff zu bekommen. Das kann nicht das Ziel sein. Für uns ist der Speicher deshalb das beste System.

Wie bewerten Sie die politischen Rahmenbedingungen?

Harry Nortje: Es gibt dazu mehrere Ebenen. Die Bundesregierung hat gerade erst festgelegt, dass bis 2045 kein fossil erzeugter Strom mehr durch deutsche Netze fließen soll. Zwei Tage zuvor stand in den Plänen, dass Batteriespeicher ein fester Bestandteil werden müssen – denn das große Thema ist die Netzstabilität und -flexibilität, die Wind und Solar allein nicht liefern. Und für eine echte Dunkelflaute hat Deutschland bislang nichts anderes. Genau hier kann die Batterie eine große Rolle spielen.

Sie sagen, wer jetzt nicht anfängt, kommt zu spät?

Harry Nortje: Genau. Noch ist es vielleicht kein Muss, aber Strafzahlungen ohne Batterie werden kommen. Man kann abwarten – aber die Firmen, die jetzt mit Wind-plus-Speicher-Projekten starten, werden in den nächsten Jahren die Marktführer sein. Sie haben dann die Erfahrung. Wer drei Jahre wartet, ist zu spät.

Haben Sie bereits Projekte mit Wind und Speicher?

Harry Nortje: Ja, wir haben laufende Projekte in Dänemark und in China, dazu kommt Schweden. Allein im vergangenen Jahr sind daraus 18 Projekte in der Pipeline entstanden. In Dänemark zum Beispiel wird zum bestehenden Onshore-Wind der Speicher dazugebaut.

In Dänemark zum Beispiel wird zum bestehenden Onshore- Wind der Speicher dazugebaut.

Harry Nortje, Key Account Manager BESS, Sungrow

Warum hat sich die Kombination aus Solar und Speicher so viel schneller entwickelt?

Harry Nortje: Mehrere Gründe. Solar war an vielen Standorten lange günstiger als Wind, und zusammen mit dem Speicher ist das Investment nicht so hoch. Dazu kommen Regelungen gegen negative Preise und Rebates vom Staat, sodass man weniger Geld verliert. Auch das Thema Kannibalisierung spielt eine Rolle: Wenn viel Wind oder Solar im Markt ist, drückt das die Preise. Mit dem Speicher kann der Strom zeitversetzt ins System gehen – und die Batterien werden immer besser, halten mehr und über längere Phasen.

Robert von Wahl: Im Solarbereich ist die Anpassung der Erzeugung an die sogenannte Dark Curve einfacher, und damit auch die Berechnung von Wirtschaftlichkeit und Finanzierung. Bei Wind ist die Vorhersage komplizierter, und die Finanzierung war und ist eine andere als bei PV-Projekten.

In Deutschland hatten wir lange das Problem der Vermischung von Grau- und Grünstrom – Speicher durften nur zeitbefristet arbeiten, was unwirtschaftlich ist. Ist das in anderen Ländern klüger geregelt?

Robert von Wahl: Als Country Manager für die DACH-Region kenne ich mich vor allem hier aus. Wir sind Teil der EU, und die EU gibt sehr viele Regeln vor – innerhalb dieses Rahmens kann man ein Stück weit nachsteuern. Aber gerade im Bereich Wind plus Speicher gibt es innerhalb der EU noch kein Land, das viele Projekte gebaut hätte. Es gibt also momentan keinen echten Vorreitermarkt. Deshalb entstehen jetzt erste Referenzprojekte in Europa. Mein Kollege ist dafür hier in Hamburg eingestellt, um Optionen zu evaluieren und Netzwerke aufzubauen. Die deutsche Bürokratie bleibt dabei immer eine Herausforderung.

Lange hieß es, gegen die Dunkelflaute brauchen wir Wasserstoff als Langzeitspeicher. Nähern wir uns dem mit Batterien?

Harry Nortje: Vor fünf Jahren gab es kaum Batteriespeichersysteme – schauen Sie, wie schnell sich die Technologie entwickelt hat. Es ist das energiedichteste System, das wir haben, und wir können in immer kürzerer Zeit immer mehr Strom speichern. Es ist nicht abwegig, dass Batterien diese Lösung einmal übernehmen. Das muss aber die Regierung planen, und auch der Platz ist ein Thema – wir können nicht unendlich Batterien an einen Ort stellen. Das große Thema bleiben die Preise. Wasserstoff kann einen Platz im Markt haben, aber eines der größten Probleme in Deutschland sind die Strompreise. Wenn wir auf Wasserstoff gehen, der teurer ist und laut Prognosen auch in 17, 20 Jahren teurer bleibt, ist das eine bewusste Entscheidung für höhere Kosten.

Robert von Wahl: Zur Dunkelflaute: Die Sonne scheint ja trotzdem, es wird immer etwas produziert – es ist ein Stück weit theoretisch. Vor allem erhöht sich die Speicherdauer immer weiter. Vor zwei, drei Jahren haben wir fast ausschließlich Zwei-Stunden-Systeme gesehen, inzwischen sind vier Stunden Standard, und der Power Titan 3 kann bis zu acht beziehungsweise 16 Stunden gehen. Dazu lassen sich bestehende Netzanschlüsse mit Wind, Speicher und PV erweitern. Auch bei den geplanten 10 Gigawatt Gaskraftwerken sehen wir Möglichkeiten für Batteriespeicher, wenn die technischen Anforderungen angepasst würden.

Welche Vorteile bringt Ihr neuer Großspeicher, der Power Titan 3.0?

Harry Nortje: Die zwei Hauptthemen sind Energiedichte und Effizienz. In Deutschland und Europa ist der Platz begrenzt, deshalb muss das System energiedichter werden. Dazu kommen 92 Prozent Round-Trip-Effizienz – nach allem, was wir wissen, der effizienteste Wert am Markt. Über eine Laufzeit von 15, 20 Jahren bedeutet jedes halbe Prozent mehr Effizienz eine enorme Summe. Dazu kommen viele Details beim Feuersicherheitssystem. Sie werden am Markt nur schwer ein besseres Produkt finden.

Und das Thema Grid Forming?

Harry Nortje: Das haben wir natürlich auch. Sungrow betreibt derzeit das weltweit größte Grid-Forming-Projekt in Saudi-Arabien – so große Parks können wir in Deutschland gar nicht bauen. Weltweit haben wir auf jedem Kontinent 30, 40 Grid-Forming-Projekte am Netz. Das ist eindeutig ein Fokus von Sungrow.

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