Weichen muss der alte Windpark, ehe der nächste entsteht. Warum der Rückbau über das Tempo des ganzen Repowerings entscheidet, erklärt Jörn Maathuis, Bereichsleiter Windenergie bei MFB Bauunternehmen aus Meppen, hervorgegangen aus OEHM.
Sie sprengen Betontürme nicht, Sie schneiden sie. Was ändert das für den Betreiber?
Jörn Maathuis: Alles, was danach kommt. Eine patentierte Bühne zerlegt den Turm Segment für Segment auf der vorhandenen Kranstellfläche, bis ins Fundament. Der Boden bleibt unberührt, im Feld liegen keine Betonreste, Lärm und Staub bleiben gering. Ohne Sprengung und ohne Abrissbirne gibt es keine großräumigen Absperrkreise und keinen unkontrollierten Wurf von Material, wir arbeiten in einem geschlossenen, sicheren Prozess. Der Beton wird direkt vor Ort zu Wegebaumaterial für den neuen Park. Weil wir auf der vorhandenen Kranstellfläche arbeiten und kein Fallfeld auf Nachbarflächen brauchen, sinkt der Koordinationsaufwand deutlich: Die Abstimmung mit Anwohnern und Verpächtern entfällt. Bei einer Sprengung dagegen kann ein Turm auf ein Nachbargrundstück fallen, dann werden Kompensationszahlungen fällig.
Unser Verfahren ist auf Kontrolle und Sicherheit ausgelegt.
Foto: MFB Bauunternehmen
Repowering scheitert selten an der Technik, oft an der Zustimmung vor Ort. Wie hilft Ihr Verfahren?
Jörn Maathuis: Indem es den Boden schont. Wo nicht gesprengt und nicht verdichtet wird, bleibt die Fläche wie vorher, und das überzeugt Eigentümer, Anwohner und Behörden. Wer den Unterschied zu einer Sprengung im Nachbarpark einmal gesehen hat, ist schnell überzeugt. Geschonter Boden ist heute ein Genehmigungsargument.
Sie bauen zurück und gleich wieder auf. Wo liegt für den Projektierer der eigentliche Gewinn?
Jörn Maathuis: In der Zeit. Getrennt vergeben, dann wartet ein Gewerk auf das nächste, jede Schnittstelle kostet Tage. Bei uns greifen Rückbau, Erdbau, Wege und Fundament ineinander, mit einem Ansprechpartner. Wir lassen uns modular hinzuziehen, nur für den Rückbau oder für die ganze Kette, und sind kurzfristig auf der Baustelle. Aus einer Hand heißt: ein Ansprechpartner statt fünf Schnittstellen. Der Standort ist früher wieder am Netz, und das ist am Ende bares Geld.
Schneiden ist aufwändiger als Sprengen. Warum ist es am Ende die bessere Wahl?
Jörn Maathuis: Das täuscht, sobald man das ganze Projekt betrachtet. Ganzheitlich gerechnet ist unser Rückbau oft sogar schneller. Bei einer Sprengung kommen Vorbereitung und Nachbereitung dazu: absperren, sichern, danach den Bruch aufnehmen, den Boden säubern, die Fläche wiederherstellen. Wir schneiden kontrolliert, das Material bleibt geordnet, und wir bauen direkt weiter. Was der Schnitt an Zeit kostet, sparen wir hinten wieder ein, ohne die Baustelle zu vermüllen.
Haben Sie ein Beispiel?
Jörn Maathuis: Der Windpark Meppen-Teglingen, direkt vor unserer Haustür. Dort haben wir 14 Altanlagen demontiert und ihre Betontürme kontrolliert zurückgebaut, und wir haben Anfang 2025 die Wege- und Kranstellflächen für neun neue Vestas-Anlagen gebaut, die inzwischen Strom liefern. Alles mit eigenem Equipment, eigenen Anschlagmitteln und eigenem Personal.
Für den Rückbau kommt eine eigene DIN-Norm. Hilft Ihnen das oder engt es ein?
Jörn Maathuis: Es hilft. Ein einheitlicher, nachweisbarer Standard trennt saubere Arbeit von grober. Unser Verfahren ist ohnehin auf Kontrolle und Dokumentation ausgelegt, wir schneiden geregelt und können jeden Schritt belegen. Wo Qualität nachweisbar wird, spielt uns das in die Hände.
Beim Recycling sind Beton und Stahl machbar, die Rotorblätter das Problem. Wie ehrlich muss man da sein?
Jörn Maathuis: Ehrlich. Der weitaus größte Teil eines Windrads, vor allem Beton und Stahl, ist gut verwertbar. Den Beton bereiten wir vor Ort auf und bauen ihn in die Wege des neuen Parks ein, der Stahl geht ohne nennenswerten Qualitätsverlust in den Kreislauf. Bleiben die Rotorblätter aus Verbundwerkstoff, der schwierige Rest. Sie gehen bislang überwiegend in die thermische Verwertung. Ein industrielles Recycling gibt es branchenweit noch nicht, aber es laufen erste Pilotprojekte, die die Fasern zurückgewinnen oder zu neuen Werkstoffen verarbeiten. Der Löwenanteil aber läuft rund, und den Standort verlassen wir sauber.
Sie betreiben inzwischen eine zweite Rückbaubühne. Wohin geht die Reise?
Jörn Maathuis: Die Nachfrage ist so groß, dass eine Bühne nicht mehr reicht. Mit der zweiten können wir diesem erhöhten Bedarf unserer Kunden nun nachkommen. Das Ziel bleibt dasselbe: Am Ende steht ein Standort, der sofort weitergenutzt werden kann. Der Beton des alten Turms wird zur Straße des neuen Windparks, die Fläche bleibt, wie sie war. So schließt sich der Kreis.