Als Integrated Power Germany bündelt TotalEnergies seit 1. September die Aktivitäten entlang der vollen Wertschöpfungskette des Erneuerbaren-Stromgeschäfts in Deutschland, von On- und Offshore-Wind über Photovoltaik und Batteriespeicher bis zur Stromvermarktung.
Herr Duret-Proux, Sie leiten seit 1. September TotalEnergies Integrated Power Germany. Welche strategische Aufgabe erfüllt die neue Organisation?
Alexandre Duret-Proux: Deutschland ist der größte Strommarkt in Europa. Mit der neuen Organisation bringen wir Kompetenzen unter einer starken Dachmarke zusammen: VSB als Projektentwickler und Betreiber von Wind- und Solarparks, Kyon Energy als Batteriespeicher-Spezialist, QUADRA energy für Vermarktung und Optimierung des Stroms und unsere Offshore-Wind-Aktivitäten in Nord- und Ostsee. So bilden wir die volle Wertschöpfungskette des Erneuerbaren-Stromgeschäfts ab. Ich will diese Stärken intelligent verbinden: Etwa, indem wir unsere Projekte mit Batteriespeichern kombinieren und den erzeugten Strom durch optimierte Vermarktung wirtschaftlich besser nutzen. So können wir schneller, effizienter und wirtschaftlich tragfähig agieren.
Der Repowering-Windpark Löberitz zeigt sehr gut: Wir denken nicht mehr in einzelnen Technologien, sondern in integrierten Energiesystemen
Foto: VSB Gruppe
Welche Rolle spielt das Einbinden von VSB?
Alexandre Duret-Proux: VSB bringt starke lokale Kompetenzen in die neue Organisation ein, insbesondere in der Entwicklung und Realisierung von Wind- und Solarprojekten. Die enge Zusammenarbeit mit Kommunen, Grundstückseigentümerinnen und -eigentümern sowie regionalen Partnern ist und bleibt dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
TotalEnergies will seine globale Netto-Stromproduktion von rund 50 Terawattstunden auf 100 bis 120 TWh pro Jahr bis 2030 steigern; rund 70 Prozent sollen aus erneuerbaren Quellen stammen. In dieses Gesamtbild bringt VSB Erfahrung aus 30 Jahren Projektentwicklung ein. Und mit den Kompetenzen von Integrated Power Germany können wir bei Hybridprojekten Erzeugung, Speicher und Stromvermarktung frühzeitig zusammendenken. Das stärkt unsere Fähigkeit, passgenaue Stromlösungen für Kunden zu entwickeln und, wo es sinnvoll ist, langfristige Stromlieferverträge zu strukturieren, mitsamt Clean-Firm-Power-Lösungen, die Grünstromerzeugung mit flexiblen Anlagen verbinden und Kunden verlässlichere Lieferprofile erlauben.
Warum messen Sie dem Repowering diese Bedeutung für die Energiewende bei?
Alexandre Duret-Proux: Repowering ist einer der schnellsten und effizientesten Hebel für den Ausbau von Erneuerbare-Energien-Erzeugungskapazitäten. Wir nutzen bestehende Standorte, vorhandene Netzinfrastruktur und oft auch eine gewachsene Akzeptanz vor Ort. Gleichzeitig erzeugen moderne Windenergieanlagen ein Vielfaches der Strommenge älterer Anlagen – häufig mit weniger Windrädern auf derselben Fläche. Das bedeutet: mehr Strom aus Erneuerbaren, eine effizientere Flächennutzung und eine schnellere Umsetzung der Energiewende.
Das Projekt Löberitz in Sachsen-Anhalt verbindet Repowering mit Photovoltaik und perspektivisch einem Batteriespeicher. Warum ist das ein Zukunftsmodell?
Alexandre Duret-Proux: Löberitz zeigt sehr gut, wie sich Erneuerbare Energien heute weiterentwickeln. Wir denken nicht mehr in einzelnen Technologien, sondern in integrierten Energiesystemen. Wind, Photovoltaik und Speicher ergänzen sich und nutzen gemeinsam vorhandene Infrastruktur wie den Netzanschlusspunkt. Das erhöht die Effizienz, schafft mehr Flexibilität für das Stromsystem und ermöglicht eine bessere Nutzung erneuerbarer Energie über den gesamten Tages- und Jahresverlauf. Gleichzeitig zeigt das Projekt eindrucksvoll, welches Potenzial im Repowering steckt: Fünf Windenergieanlagen aus dem Jahr 2003 werden durch drei moderne Anlagen ersetzt. Die installierte Leistung steigt dabei von 4,25 Megawatt auf 21,6 Megawatt, während sich der jährliche Energieertrag auf rund 65,7 Gigawattstunden nahezu verzehnfacht. Damit können künftig rechnerisch rund 18.500 Haushalte mit aus erneuerbaren Quellen produziertem Strom versorgt werden und das auf einem bestehenden Standort mit vorhandener Netzinfrastruktur.
Was muss sich aus Ihrer Sicht ändern, damit Repowering in Deutschland sein Potenzial schneller entfalten kann?
Alexandre Duret-Proux: Das Potenzial ist vorhanden, jetzt müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen noch Schritt halten. Wir müssen weiterhin alles daran setzen, die Prozesse zu digitalisieren, um schneller und flexibler zu werden in den behördlichen Abläufen. Repowering-Projekte modernisieren bestehende Standorte und leisten einen unmittelbaren Beitrag zum Ausbau der Erneuerbaren. Deshalb sollten diese Verfahren besonders effizient gestaltet werden. Rund 20 Prozent unserer deutschen Projektentwicklung entfällt heute schon aufs Repowering. Dieser Anteil wird massiv steigen und damit den entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten.