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Webinar

Ran an große Speicher

Die Energiewende stellt Energieversorger, Projektentwickler und Planer vor neue Herausforderungen. Der rasante Zubau volatiler erneuerbarer Energien wie Photovoltaik und Windkraft trifft auf knappe Netzanschlusskapazitäten – bei gleichzeitig wachsendem Bedarf an wirtschaftlich tragfähigen Großspeicher- und Solarkonzepten. Wie sich diese Spannungsfelder auflösen lassen, war Thema eines Webinars, in dem Sigenergy, Utility Partners und Connectika praxisnahe Einblicke gaben.

Den Auftakt machte Björn van de Loo, Senior Consultant beim Beratungsunternehmen Utility Partners, das seine Kunden von der Strategie bis in die Implementierung begleitet. Ausgangspunkt seines Vortrags war der starke Zubau erneuerbarer Energien, der zu einem deutlich steigenden Bedarf an Batteriespeichern in Deutschland führt. Diese Entwicklung eröffnet Energieversorgern neue Geschäftsfelder – erfordert aber auch, sich rechtzeitig im Markt zu positionieren.

Lücke im Speichermarkt besetzen

Van de Loo unterteilte den Gewerbe- und Industriekundenmarkt anhand von Unternehmensgröße und Individualität der benötigten Lösung. An den beiden Enden hätten sich bereits andere Akteure etabliert: Neo-Energieversorger und Start-ups wie Octopus Energy oder Enpal bedienen mit hoch standardisierten Angeboten die kleineren Gewerbekunden, während Ingenieur- und Fachbüros die komplexen, individuell geplanten Großprojekte übernehmen. In der Mitte, so seine Kernaussage, tue sich eine Lücke auf – und genau dort liege das vertriebliche Optimum für Stadtwerke. Hier lassen sich Lösungen bis zu einem gewissen Grad standardisieren, gleichzeitig profitieren Stadtwerke von ihrer langjährigen persönlichen Kundenbeziehung.

Als Werttreiber, die einen Batteriespeicher für Kunden wirtschaftlich attraktiv machen, nannte er unter anderem das Peak-Shaving zur Kappung der Jahreshöchstlast, die Optimierung von Photovoltaikanlagen, die ­spotmarktoptimierte Beschaffung sowie Arbitragegeschäfte. Durch diesen Multi-Use-Ansatz ließen sich attraktive Amortisationszeiten erreichen. Beim Thema Datensicherheit und Cybersecurity betonte der Referent, dass nicht die Herkunft der Hardware allein entscheidend sei, sondern die Frage, wo welche Daten fließen, wer Zugriff darauf hat und wo sie verarbeitet werden.

Vom Commodity- zum Servicegeschäft

Für Energieversorger sieht van de Loo den Schritt vom reinen Commodity-Geschäft hin zu Energiedienstleistungen als zentralen Mehrwert. Batteriespeicher ermöglichen längere Kundenbindungen, neue Erlösströme durch Cross- und Upselling sowie eine bessere Differenzierung von Wettbewerbern. Als Ergebnis einer Entwicklungskooperation mit Stadtwerken stellte er ein vermarktungsfähiges Produkt vor, das Vertriebsunterlagen, Vertriebsunterstützung sowie ein Partnernetzwerk aus Planung, Bau, Herstellern und Dienstleistern umfasst. Sein Fazit: Die Frage sei nicht mehr, ob Batteriespeicher relevant würden, sondern wer das Thema beim Gewerbe- und Industriekunden besetze und wann.

Wie sich diese Marktchance technisch bedienen lässt, zeigte im Anschluss Guluma Megersa, Senior Key Account Manager bei Sigenergy. Das 2022 gegründete Unternehmen war zunächst im Residential-Bereich aktiv, ist jedoch seit 2024 im C&I-Segment (Commercial & Industrial) aktiv und erweiterte nun sein Angebot um den Utility-Bereich. Ein relativ großer Teil der Mitarbeiter arbeitet in Forschung und Entwicklung – ein Beleg für den starken Fokus auf Innovation.

DC-Kopplung senkt Kosten

Im C&I-Portfolio stand eine DC-gekoppelte Speicherlösung im Mittelpunkt, die sich aus Hybridwechselrichtern, einer DC-DC-Einheit und modularen Batteriemodulen zusammensetzt und flexibel skalieren lässt. Im Vergleich zu konventionellen Systemen mit separaten Photovoltaik- und Batteriewechselrichtern reduziert die DC-Kopplung die Investitionskosten, da weniger Komponenten benötigt werden und die Installation einfacher ausfällt.

Gleichzeitig sinken die Betriebskosten – unter anderem durch automatische Kalibrierung der Batterien – und die Erträge steigen dank höherer Round-Trip-Effizienz, die sich aus den geringeren Wandlungsschritten ergibt. Ergänzend präsentierte Megersa einen neuen Wechselrichter, der durch mehr MPP-Eingänge und geringere Verluste höhere Erträge ermöglicht und auch komplexe Dachflächen abdeckt.

Höhere Spannung senkt Kosten

Beim Utility-Portfolio ging der Referent auf ein umfassendes System aus Wechselrichtern, passenden Trafostationen und AC-gekoppelten Batteriespeichern ein. Die höhere Ausgangsspannung der Wechselrichter senkt Trafo- und Kabelkosten und reduziert damit die Balance-of-System-Kosten.

Die Speicher basieren auf einem AC-Block-Konzept mit integrierten Batteriewechselrichtern, das den Platzbedarf verringert und die nutzbare Speicherkapazität erhöht. Besonders hob Megersa ein KI-gestütztes Klimatisierungskonzept hervor, das den Betrieb an die jeweiligen Bedingungen anpasst, den Energiebedarf senkt und den Ertrag steigert. Internationale Referenzprojekte – etwa in Belgien, China, Bulgarien und Laos – belegten die Praxistauglichkeit von C&I bis Utility.

Feldtest auf der Alb

Dass die DC-Kopplung auch hierzulande an Bedeutung gewinnt, zeigt ein Feldtest auf der Schwäbischen Alb: Gemeinsam mit EnBW und dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) erprobt Sigenergy auf dem Testfeld in Widderstall einen gleichstromgekoppelten Batteriespeicher mit 252 Kilowattstunden Kapazität, kombiniert mit einer 70-Kilowatt-Solaranlage.

Im Fokus stehen Effizienzgewinne durch weniger Umwandlungsverluste sowie geringere Netzausbaukosten – unter anderem, weil die DC-Kopplung eine doppelte Überbauung mit Photovoltaik ermöglicht und so mehr Solarstrom am Netzanschlusspunkt nutzbar macht.

Mischbetrieb mit Netzstrom

Zugleich geht es um die künftige Regulierung: Der bislang untersagte Mischbetrieb mit Netzstrom soll über die neue Regelung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten (­MiSpeL) der Bundesnetzagentur ermöglicht werden – ein Schritt, der die Wirtschaftlichkeit von Speichersystemen in Zukunft erheblich verbessern könnte.

Wie sich solche Speicher im laufenden Betrieb steuern lassen, beleuchtete abschließend Matthias Strasser von Connectika, der das Energiemanagement für Batteriespeicher im Utility-Scale-Bereich in den Fokus rückte. Das Unternehmen liefert Energiemanagementsysteme (EMS) für Ökoenergieanlagen, wobei der Speicher stets im Mittelpunkt steht – meist kombiniert mit Solaranlagen, Ladeinfrastruktur oder industriellem Verbrauch. Betrachtet werden Small-Utility-Projekte bis 30 Megawatt im Mittelspannungsbereich sowie größere Hochspannungsprojekte.

Als zentrale Herausforderung beschrieb Strasser die zunehmend komplexe Vermarktung der Speicher. Diese werden im Multi-Use beziehungsweise Cross-Market betrieben, sodass Marktsignale auf eine Vielzahl einzelner Speichereinheiten heruntergebrochen und lokal umgesetzt werden müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass manche Anlagen mit zwei verschiedenen Vermarktern arbeiten – etwa getrennt für Speicher und Solar.

Auch die Kalibrierung des Speichers beziehungsweise die Genauigkeit des Ladezustands ist entscheidend, damit bei einem Abruf die zugesagte Leistung tatsächlich zur Verfügung steht und keine teure Ausgleichsenergie fällig wird. Hinzu kommen Zertifizierungen, Nachweisführung per Datenlogging sowie eine gegenüber klassischen PV-Anlagen deutlich intensivere Betriebsführung.

Devise: ein Schaltschrank pro Anlage

Als Lösung setzt Connectika auf eine einheitliche Basistechnologie, mit der sich Anlagen unterschiedlichster Größe mit derselben Grundarchitektur umsetzen lassen. Verfolgt wird eine Ein-Box-Strategie mit einem Schaltschrank pro Anlage, bei Redundanz entsprechend zwei. Für höchste Verfügbarkeit sind die Systeme echtzeitredundant ausgeführt und können bei einem Ausfall in Echtzeit umschalten.

Integriert sind unter anderem zertifizierte Regler, VPN-Fernzugriff, Monitoring, Alarm- und Update-Management sowie neu auch netzbildende Eigenschaften – ergänzt um einen ganzheitlichen Service von der Simulation bis zur Betriebsführung.

Damit positioniert sich das Unternehmen als Partner für Utility-Scale-Speicherprojekte, der Integration und Betrieb aus einer Hand bietet. Denn eines wurde im Webinar überdeutlich: Der eigentliche Wettbewerb um den Speichermarkt beginnt gerade erst. Aufzeichnung jetzt anschauen:

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