Am 3. Juni 2026 besuchte der Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, Christoph Ploß, die Technische Universität Hamburg (TUHH), um sich über die Ergebnisse eines Projektes zur Erzeugung von Wasserstoff auf dem Meer zu informieren.
Die TUHH hat gemeinsam mit Industrie- und Forschungspartnern im Projekt ProHyGen eine schwimmende, autarke Anlage zur Offshore-Elektrolyse entwickelt. Der dabei erzeugte Wasserstoff soll drucklos in einem flüssigen organischen Trägermedium (LOHC) gespeichert werden. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert ProHyGen mit rund 1,5 Millionen Euro (s. HZwei 2026-2).
Zu den Projektpartnern zählen die Cruse Offshore GmbH, der Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die Renk GmbH sowie die H&R GmbH & Co. KGaA. Die Anlage ist für Seegebiete außerhalb der Standorte konventioneller Offshore-Windparks vorgesehen.
Da die Anlage ihre Energie selbst erzeugt und wieder verbraucht, entfallen Netzanbindung, Transformerplattformen und Unterseekabel. Der Wasserstoff wird in dem “flüssigen Batteriespeicher” LOHC zwischengelagert, per Shuttle-Tanker und mit der existierenden Öl-Infrastruktur bis zum Off-Taker transportiert. Momentan würde dort der Abnahmepreis für die Industrie den Berechnungen zufolge bei rund 5,50€/kg H2 (IRR 17,9%) liegen.
Diese Eigenschaften haben den Maritimen Koordinator offenbar beeindruckt. Denn das Konzept reduziert nicht nur den Aufwand für Planung und Bau erheblich, sondern senkt auch die Investitionskosten. „Beim Offshore-Windpark Dogger Bank entfallen beispielsweise rund 50 Prozent der Investitionskosten (CapEx) auf den Stromnetzanschluss. In unserem Konzept fällt dieser Kostenblock vollständig weg“, erläutert Projektleiter Jens Cruse. „In den von uns ausgewählten Seegebieten lässt sich beinahe rund um die Uhr Windstrom erzeugen, so dass der Elektrolyseur entsprechend ausgelastet sein wird.“ Das sowie der fehlende Netzanschluss würden auch die laufenden Kosten (OpEx) „drastisch reduzieren“.
© Cruse-Offshore
Die Verankerung der schwimmenden Windstrom-Wasserstofffabrik erfolgt über herkömmliche Ankertrossen. „Das Konzept ist skalierbar und steht nicht in Flächenkonkurrenz zu anderen Wind- oder Solaranlagen“, betont Cruse. „Wir brauchen auch kein H2-Kernnetz, weil der Transport über das gut ausgebaute Wasserstraßen-Netz in Deutschland und Europa erfolgen soll“. Dieses verknüpft H2-Hubs wie Hamburg, Rotterdam, Duisburg, Ludwigshafen, Antwerpen-Brügge. Außerdem siedeln potenzielle Abnehmer wie die Stahl- und Chemieindustrie sowie Raffinerien bereits dort.
Abnehmer können über ein „Pfandflaschen-System für Wasserstoff“ versorgt werden, wie Andreas Bösmann von FAU ausführte. „Für rund 3000 Zyklen kann die LOHC-Trägerflüssigkeit mit Wasserstoff beladen und wieder entladen werden, bevor sie ausgetauscht werden muss.“ Und: „Die Wärme, die bei der Hydrierung frei wird, reicht zur Entsalzung des Meerwassers, um es für die Elektrolyse verwenden zu können.“
Thorsten Ronner von der Heinrich Rönner Gruppe sagte, dass bei Anlieferung zentraler Komponenten wie Turbinen, Elektrolyseure und vorgefertigter Stahlbauteile ein Konsortium deutscher Werften in der Lage wäre, im Rahmen einer Serienfertigung etwa 50 bis 100 Einheiten pro Jahr zu montieren. Bei einer Leistung von 15 MW pro Anlage entspräche das einer installierten Leistung von bis zu 1,5 GW pro Jahr.
Im bis Ende 2026 laufenden Projekt haben die Hamburger Forscher und ihre Partner die Planung eines 5 MW-Prototyps sowie dessen Skalierung auf 15 MW abgeschlossen. Auch eine Vorplanung und Wirtschaftlichkeitsanalyse für einen Wasserstoffpark in europäischen Seegebieten liegt vor. Als nächsten Schritt streben die Beteiligten den Bau eines ersten Prototyps an. Mögliche Realisierungswege erörterten sie beim Fachgespräch mit Christoph Ploß und Industrievertretern. Investoren sind herzlich willkommen.