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Einen der weltweit dynamischsten Wasserstoffmärkte aus nächster Nähe erleben, Kontakte vertiefen und neue Kooperationen anstoßen – das war das Ziel unserer Reise. Zur Delegation gehörten neben dem Hyfindr-Team Gäste aus Kroatien, Spanien, der Schweiz, Frankreich und Deutschland sowie der chinesische Partner von Hyfindr.
Daxing: Ein Industrieökosystem in vollem Betrieb
Erste Station der Reisegruppe war die Daxing International Hydrogen Energy Demonstration Zone in der Nähe von Beijing. Das erst 2020 aus dem Boden gestampfte Industriegebiet hat sich zu einem der bedeutendsten Wasserstoffcluster in China entwickelt.
Mehr als 200 Unternehmen decken dort nahezu die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Forschung und Entwicklung über Komponentenfertigung bis hin zu konkreten Anwendungen. Der Unterschied zu vielen europäischen Initiativen liegt im Reifegrad: Produktionshallen und Entwicklungszentren wurden errichtet und sind in Nutzung – hier wird nicht nur geplant, sondern getestet und skaliert.
Das gilt auch für die Infrastruktur: Die Wasserstofftankstelle in Daxing erreicht eine Betankungskapazität von rund fünf Tonnen pro Tag. Bei ihrer Einweihung 2021 galt sie als die größte der Welt, in Europa kam erst 2025 die Tankstelle von H2Mobility auf eine ähnliche Kapazität. In China versorgt diese Tankstelle eine Flotte von Bussen und Nutzfahrzeugen. Wasserstofffahrzeuge gehören zum Straßenbild im Industriepark.
Anwendungen mit Tempo: Hybot und Nowogen
Ebenfalls in Daxing hat Hybot, ein Hersteller von wasserstoffbetriebenen Schwerlast-Lkw, innerhalb kurzer Zeit den Sprung vom Konzept zur Produktion geschafft. Das Unternehmen arbeitet mit einem 300-kW-Brennstoffzellensystem und kündigte vor der Delegation eine deutliche Skalierung seiner Produktionskapazitäten im vierten Quartal dieses Jahres an; geplant ist, 100 Lkw pro Monat zu fertigen.
Und das Unternehmen Nowogen entwickelt Brennstoffzellen-Stacks und Systeme in Daxing. Eindrucksvoll auch hier ist die Entwicklungsgeschwindigkeit: Projekte, die vor einem Jahr noch als Konzept angekündigt wurden, sind heute in der Testphase – so zum Beispiel ein Brennstoffzellenstack mit einer maximalen Leistung von 1 MW, den wir auf dem Teststand sehen durften. Dieser Stack wird in einem modular aufgebauten System für maritime Anwendungen verwendet. Noch in diesem Jahr sollen damit Binnenschiffe auf dem Beijing-Hangzhou-Kanal und auf dem Yangtze-Fluss von 3.000–10.000 Tonnen angetrieben werden. Diese kurzen Innovationszyklen sind typisch für den chinesischen Markt.
150 Kilometer südwestlich in Baoding liegt der Hauptsitz des Automobilkonzerns Great Wall Motors. Das Unternehmen bündelt in seiner Tochterfirma FTXT Energy Technology zentrale Komponenten der Wasserstoffwertschöpfung: Brennstoffzellen-Stacks, komplette Systeme, Leistungselektronik und Wasserstoffspeicher. Entwicklung, Integration und Anwendung greifen eng ineinander – ein Ansatz, der Entwicklungszeiten deutlich verkürzt und die Industrialisierung beschleunigt und der in dieser Konsequenz in Europa selten ist.
Aufschlussreich war auch der Besuch der benachbarten Testeinrichtungen. Die Firma TestHy agiert seit einigen Jahren als eigenständiges Test- und Validierungszentrum. Die von TestHy betriebenen Labore sind auf einer Fläche von mehr als 20.000 m2 platziert und können nach eigenen Angaben über 300 Testverfahren durchführen. TestHy unterstützt Unternehmen – insbesondere auch internationale Partner – beim Zugang zu chinesischen Standards und Testprozessen.
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Beijing: Messe als Spiegel der Industrialisierung
Zurück in Beijing besuchten wir die China International Hydrogen Congress & Expo (CIHC) sowie die Beijing International Hydrogen Technology & Equipment Exhibition (HEIE).
Die HEIE ist eine Wasserstoff-Messe, die in eine große Industrie- und Energiemesse eingebettet ist. Die Kongressmesse CIHC ist vollständig auf Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologien fokussiert – Elektrolyseure, Brennstoffzellen und Stacks prägen das Bild. Mit rund 20.000 Besuchern, 500 Ausstellern und 1.000 gezeigten Produkten ist sie eine der chinesischen H2-Leitmessen; in Sachen Präsentationsqualität ist sie mit europäischen Wasserstoff-Leitmessen vergleichbar.
Auf der CIHC beeindruckte insbesondere die Größenordnung der ausgestellten Produkte: Elektrolyseure im Megawatt-Bereich gehören zum Messebild, und noch größere werden von den Unternehmen in der Praxis in China verbaut. Daraus entstehen Projekte im Bereich von 100 bis 600 MW, die sich im Bau oder bereits im Betrieb befinden.
Wettbewerb, Innovationsdruck und schneller technologischer Fortschritt lassen sich auf der Messe hautnah erleben: Neue Brennstoffzellen-Stack-Generationen im Bereich bis zu 300 kW wurden nicht nur von einem Unternehmen, sondern gleich von mehreren Unternehmen gezielt für Nutzfahrzeuge vorgestellt.
Und das staatliche Unternehmen Shanghai Hydrogen Propulsion Technology (SHPT), Tochter des ebenfalls staatlichen Autokonzerns SAIC, zeigt, wie eng Industrie, staatliche Strukturen und reale Anwendungen miteinander verzahnt sind: SHPT entwickelt die Brennstoffzellen-Stacks, SAIC integriert sie in seine Busse und Lkw, die dann mit Hilfe staatlicher Förderprogramme auf die Straße kommen. Zudem treibt SHPT aber auch ihr Drittgeschäft international voran, was nach europäischen Maßstäben für ein Staatsunternehmen einigermaßen überraschend ist.
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Rudong: Integriertes Energiesystem in der Praxis
Ein gutes Stück südlich in der Küstenregion Rudong gibt es ein großskaliges Energieprojekt, das erneuerbare Stromerzeugung und Wasserstoffproduktion verbindet.
Mit 400 MW installierter Photovoltaikleistung und rund 468 Millionen kWh Jahresproduktion versorgt die Anlage bilanziell etwa 700.000 Haushalte. Die Anlage hat einen eigenen Anschluss an das Hochspannungsnetz (220 kV), einen Batteriespeicher mit 60 MW/120 MWh, eine Elektrolyseanlage mit Produktionskapazität von 1.500 Nm3/h (135 kg/h) zur Produktion von grünem Wasserstoff (entspricht etwa 7 bis 8 MW Elektrolyseleistung) und eine eigene Wasserstofftankstelle für bis zu 500 kg H2 täglich.
Rudong folgt dem Prinzip „Erzeugung – Speicherung – Nutzung – Reserve“ und zeigt damit ein integriertes Energiesystem – und ist zugleich nur ein winziger Ausschnitt aus der durchindustrialisierten chinesischen Energiewende. China verfügte 2024 mit 3,5 GW über rund 70 Prozent der weltweiten Elektrolyseleistung, führt seit Jahren die Rangliste der neuen PV- und Windenergieinstallationen an und knackte 2024 die für 2030 vorgesehene Marke von 1.400 GW installierter Wind- und Solarenergie.
Mit einer Reise verstehen, wo die Reise hingeht
Insgesamt besuchte die Delegation acht Städte. Zudem besuchten wir den Jiading Hydrogen Park, ein Demonstrationszentrum für integrierte Systemlösungen in der Nähe von Shanghai, und vier weitere Unternehmen, darunter auch den Hersteller von Sicherheitsausrüstung MSA Safety (siehe Videolink).
Internationale Delegationsreisen haben in China eine große Bedeutung: Für lokale Unternehmen, Städte und Industriecluster sind sie eine Plattform, um internationale Kooperationen anzustoßen. Das Interesse an internationaler Zusammenarbeit ist groß – nicht zuletzt, weil der Wettbewerbsdruck im eigenen Markt enorm ist.
Überall wurde unsere Gruppe mit großer Offenheit und Gastfreundschaft empfangen. Der direkte Austausch eröffnet Möglichkeiten, die aus der Distanz kaum entstehen. Vertrauensvolle Gespräche ergaben sich oft nach den eigentlichen Geschäftsterminen beim gemeinsamen Essen – auch dies gehört zur geschäftlichen Kultur.
Die Geschwindigkeit, mit der in China die Wasserstoffindustrie entwickelt, gebaut und skaliert wird, lässt sich aus der Distanz kaum erfassen. Man muss es selbst gesehen haben, um es wirklich zu verstehen. Auch 2027 wird Hyfindr daher wieder mit seinem chinesischen Partner eine Delegationsreise nach China organisieren.