Eine Wärmerückgewinnung (WRG) nutzt in Raumlufttechnischen Anlagen (RLT) die Abwärme der Abluft, um die Zuluft ohne zusätzlichen Energieaufwand vorzuwärmen. Dadurch können Betreiber im Jahresverlauf 30 bis 40 Prozent der Gesamtenergie im Vergleich zu einer Anlage ohne WRG einsparen. Diese Einsparung wirkt sich direkt auf die Betriebskosten aus und leistet einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks eines Gebäudes.
Über die gesamte Lebensdauer einer RLT-Anlage betrachtet sind die Energieeinsparungen beachtlich. Zwar ist die Herstellung einer WRG-Einheit meist energetisch aufwendiger, und die Investitionskosten liegen in der Regel zehn bis 20 Prozent höher als bei Anlagen ohne WRG, im Betrieb amortisieren sich diese Mehrkosten jedoch oft bereits nach vier bis sieben Jahren – abhängig von Energiepreisentwicklung, Auslegung und Betriebsführung. Bei guter Planung und bedarfsgerechter Steuerung lassen sich somit über die Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren erhebliche Energiemengen und -kosten einsparen.
Gesetzliche Anforderungen und Normen
Wärmerückgewinnung ist nicht nur wirtschaftlich, sondern mittlerweile auch gesetzlich und normativ fest verankert. Das Gebäudeenergiegesetz, die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD), die DIN EN 16798 und die ErP-Verordnungen definieren klare Anforderungen an die energetische Effizienz von RLT-Anlagen – und die Wärmerückgewinnung. Auch für Nachhaltigkeitszertifizierungen wie DGNB oder LEED ist der Einsatz von Wärmetauschern oftmals Voraussetzung, insbesondere in öffentlichen oder gewerblich genutzten Gebäuden wie Büros, Schulen oder Krankenhäusern.
Planer und Betreiber sollten diese Vorgaben frühzeitig in der Planung berücksichtigen. Das ermöglicht nicht nur Fördermöglichkeiten, sondern stellt auch die langfristige Zukunftsfähigkeit eines Projekts sicher.
Technologien der Wärmerückgewinnung
Die Auswahl des passenden WRG-Systems hängt stark von den jeweiligen Anforderungen ab. Grundsätzlich stehen mehrere gängige Technologien zur Verfügung:
Airflow
Kreuzgegenstrom-Wärmetauscher: Diese Art von Wärmetauschern ist die wohl am weitesten verbreitete. Grund dafür ist, dass sie meist die höchsten Wärmerückgewinnungsgrade bieten – und das bei sehr geringer Leckage. Allerdings benötigen sie je nach Anlagengröße relativ viel Platz in dem Gerät selber. Zudem findet bei dieser WRG-Variante keine Feuchterückgewinnung statt, es sei denn der Wärmetauscher hat eine enthalpische Beschichtung.
Rotationswärmetauscher (Wärmerad): Diese kompakte Variante erreicht ebenfalls hohe Rückgewinnungsraten und kann zusätzlich Feuchte übertragen – ein Vorteil in Büros oder Wohngebäuden mit trockener Raumluft im Winter. Aufgrund der potenziellen Übertragung von Partikeln oder Aerosolen standen die sogenannten Wärmeräder während der Corona-Pandemie in der Kritik. Moderne Geräte setzen jedoch Labyrinthdichtungen und Spülkammern ein, um Leckagen weitgehend zu vermeiden.
Enthalpie-Wärmetauscher: Auch Enthalpie-Wärmetauscher ermöglichen eine Feuchteübertragung während der WRG. Hierfür wird neben Wärme auch Feuchte im Gegenstrom-Prinzip übertragen. Die Übertragung erfolgt mit Hilfe von Osmose durch eine Polymermembran mit Porenstruktur. Gleichzeitig sorgt die Membran für eine sichere Trennung der Luftströme, so dass schlechte Luft oder Verschmutzungen nicht wieder zurück in den Raum gelangen können
Kreislaufverbundsysteme (KVS): Diese speziellen Systeme arbeiten mit einem Wärmeträgerfluid, wodurch eine hundertprozentige Trennung zwischen Zu- und Abluft ermöglicht wird. Sie kommen fast ausschließlich bei besonders hohen Hygieneanforderungen zum Einsatz, etwa in Krankenhäusern oder der Lebensmittelindustrie.
Auch die Entscheidung zwischen zentralen und dezentralen Lüftungsgeräten spielt für Auswahl an WRG-Systemen eine Rolle. Während bei zentralen Anlagen sowohl Kreuzgegenstrom- und Rotationswärmetauscher üblich sind, setzen einige Hersteller bei dezentralen Anlagen ausschließlich auf Kreuzgegenstrom-Wärmetauscher. Diese bieten ein gutes Verhältnis aus Schallentwicklung, Luftstrom und Effizienz – und sind somit besonders vorteilhaft für die Nachrüstung in dicht besetzten Lern- und Arbeitsstätten wie Schulen oder Großraumbüros. Dennoch gibt es auch dezentrale Geräte mit Rotationswärmetauschern – abhängig von den baulichen und konstruktiven Gegebenheiten des jeweiligen Modells.
Feuchterückgewinnung und ergänzende Heiz- oder Kühlsysteme
Neben der Wärmerückgewinnung spielt die Feuchterückgewinnung in bestimmten Gebäuden eine zentrale Rolle. Gerade in Räumen mit einer geringen Belegung wie Büros kann trockene Raumluft schnell zu gereizten Augen und Schleimhäuten führen und Wohlbefinden sowie Produktivität merklich einschränken. Rotationswärmetauscher bieten einen Vorteil, da sie Feuchte effizient zurückgewinnen. In stark frequentierten Räumen wie Klassenzimmern hingegen ist eine Feuchterückgewinnung meist nicht notwendig, da eine angenehme Raumluftfeuchte durch die hohe Anzahl anwesender Personen und deren Aktivitäten automatisch gegeben ist.
Wichtig: Wärmerückgewinnung ist lediglich eine passive Technologie zur Temperaturübertragung. Für Spitzenlasten – etwa an sehr kalten Wintertagen oder immer heißeren Sommertagen – können zusätzliche Heiz- oder Kühleinheiten notwendig werden. Diese Geräte werden nachgeschaltet und gleichen Restbedarfe aus, um jederzeit für thermischen Komfort zu sorgen.
In welchen Fällen sich WRG kontraproduktiv auswirkt
Trotz der vielen Vorteile ist Wärmerückgewinnung nicht in allen Fällen hilfreich oder sinnvoll. Besonders in Industrien mit sehr hohen Prozessabwärmen – wie der Stahlindustrie oder Produktionsstätten mit starker Maschinenabwärme – kann sie sogar kontraproduktiv sein. Hier möchte man die überschüssige Wärme gezielt abführen anstatt sie zurückzugewinnen, um Überhitzung zu vermeiden. In solchen Fällen ist eine reine Zu- und Abluftanlage oft die bessere Wahl, um gezielt überschüssige Wärme abzuleiten und die Raumtemperatur niedrig zu halten. Planer sollten deshalb in der frühen Projektphase genau prüfen, ob Wärmerückgewinnung tatsächlich sinnvoll ist oder ob sie die thermischen Bedingungen im Gebäude eher verschlechtert.
Wartung, Instandhaltung und ein Ausblick
Ein weiterer Erfolgsfaktor für effiziente WRG-Anlagen ist die regel-mäßige Wartung. Verschmutzte Wärmetauscher oder defekte Dichtungen führen zu höheren Druckverlusten und damit zu sinkender Effizienz. Deshalb sollten WRG-Systeme mindestens einmal jährlich – abhängig von den Einsatzbedingungen gegebenenfalls häufiger – von Fachpersonal gewartet werden. So wird man nicht nur hygienischen Anforderungen (VDI 6022) gerecht, sondern unterstützt einen reibungslosen und energieeffizienten Betrieb.
Zukunftsweisend sind zudem neue Regelungsstrategien: Intelligente Steuerungen, die etwa Wetterdaten einbeziehen, können Anlagen mit WRG noch effizienter machen. Beispielsweise lassen sich nächtliche Abkühlphasen im Sommer gezielt nutzen. Künstliche Intelligenz wird künftig eine wichtige Rolle spielen. Es ist absehbar, dass sich die rasanten technologischen Entwicklungen in den nächsten Jahren auch im Kälte- und Klimabereich durchsetzen und für Fortschritte in Sachen Effizienz sorgen.
Fazit
Wärmerückgewinnung ist heute ein unverzichtbares Element moderner Raumlufttechnischer Anlagen. Sie reduziert nicht nur die Betriebskosten, sondern verbessert auch die Umweltbilanz deutlich. Gleichzeitig erfüllen Anlagen mit WRG die gesetzlichen Vorgaben und schaffen die Basis für Fördermöglichkeiten und Zertifizierungen.
Doch nicht jede WRG-Technologie passt zu jedem Projekt. Eine sorg-fältige Planung und Abstimmung mit Planern, Betreibern und Herstellern ist entscheidend, um das ideale System zu finden – sei es Kreuzgegenstrom-, Rotationswärmetauscher oder ein KVS-System. Regelmäßige Wartung sowie etwaige ergänzende Systeme runden ein nachhaltiges und effizientes Gesamtkonzept ab. So lassen sich Energieeinsparungen optimal nutzen – während Nutzer eine angenehme Raumluft genießen können.
Airflow
Simon Morherr ist Leiter Produktmanagement Lüftungsgeräte bei Airflow Lufttechnik.