Das Bundesverkehrsministerium hat ein neues Förderprogramm für grüne Binnenschifffahrtskorridore veröffentlicht. Die Richtlinie wurde am 16. Juli 2026 im Bundesanzeiger bekannt gemacht. Finanziert wird das Programm aus Mitteln des Klima- und Transformationsfonds, die für klimafreundliche Schifffahrt und Häfen reserviert sind. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) und der Deutsche Wasserstoff-Verband (DWV) haben die Veröffentlichung begrüßt.
Was gefördert wird
Das Programm bezuschusst sowohl schiffseitige als auch landseitige Maßnahmen. Ziel ist der Aufbau von Korridoren, auf denen emissionsfreie und emissionsarme Binnenschiffe regelmäßig Güter transportieren. Neben rein elektrischen Antrieben gelten auch mit grünem Wasserstoff betriebene Schiffe als emissionsfrei im Sinne der Förderrichtlinie.
Auf der Uferseite fördert das Programm den Bau, die Modernisierung oder die Erweiterung von Lade- und Tankinfrastruktur. Bezuschusst werden zudem die Errichtung von Erzeugungsanlagen sowie Investitionen in stationäre oder mobile Einheiten zur Speicherung von erneuerbarem Strom oder Wasserstoff.
Stimmen aus den Verbänden
„Die Binnenschifffahrt befindet sich derzeit in einem Transformationsprozess. Die Unternehmen suchen nach Lösungen, um ihre Flotten künftig noch umweltfreundlicher betreiben zu können. Wasserstoffbasierte Antriebe können hier eine vielversprechende Lösung sein. Schon heute sind neu gebaute Schiffe oftmals ‚H2-ready‘, können später also mit überschaubarem Aufwand auf Brennstoffzellen umgerüstet werden. Diese Technologie hat aber nur dann eine Chance, sich durchzusetzen, wenn die nötige Infrastruktur an Land konsequent mitgedacht wird“, erklärt BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen. Das neue Förderprogramm könne hier Chancen eröffnen.
Für den DWV betont Vorständin Friederike Lassen die Bedeutung eines parallelen Infrastrukturaufbaus: „Mit dem Förderprogramm setzt die Bundesregierung ein wichtiges Signal für den Markthochlauf von Wasserstoff in der Binnenschifffahrt. Entscheidend ist, dass der Aufbau der Infrastruktur an den Wasserstraßen von Anfang an mitgedacht wird.“
Wasserstofftankstellen, Speicher und Erzeugungsanlagen entlang der Logistikkorridore schafften laut Lassen nicht nur die Grundlage für den emissionsfreien Schiffsverkehr, sondern könnten zugleich als Ankerpunkte für die regionale Wasserstoffwirtschaft dienen. So entstünden Synergien zwischen Häfen, Industrie, Logistik und Energieversorgung. Nun komme es darauf an, die Projekte zügig umzusetzen und die Förderinstrumente perspektivisch auch für kleinere Unternehmen und weitere Anwendungsfälle zugänglich zu machen.
Kritik an den Zugangshürden
Der BDB hätte sich nach eigener Aussage eine offenere Ausgestaltung des Programms gewünscht, das das seit Jahren nachgefragte Flottenmodernisierungsprogramm ergänzt. Da nur gemeinsame Korridorprojekte gefördert würden und keine Einzelmaßnahmen am Schiff, dürfte das Programm laut Schwanen eher für große Reedereien interessant sein. Diese könnten im Verbund mit Hafenbetreibern und weiteren Logistikpartnern Schifffahrtskorridore aufbauen. Für kleine Unternehmen und Partikuliere – also Einzelschiffer, die ihr Schiff selbst betreiben – seien die Zugangshürden dagegen hoch.
Auch die Personenschifffahrt sieht Schwanen benachteiligt: Diese Unternehmen könnten keine Anträge im Rahmen von Verkehrsverlagerungsprojekten auf die Wasserstraßen stellen. Dies bleibe Anbietern vorbehalten, die dem ÖPNV angeschlossen sind. Dabei habe sich die „Weiße Flotte“ in den vergangenen Jahren besonders innovativ gezeigt.