Ende 2025 ist an der Technischen Hochschule Ulm (THU) das Forschungsprojekt Flexsolar-BW gestartet. Die Abkürzung steht für „Flexible Export Limits für Solarspitzen in Baden-Württemberg". Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg fördert das Vorhaben, das bis Juli 2027 läuft.
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Im Mittelpunkt stehen sogenannte flexible Export Limits. Dabei wird die Einspeisung von Solarstrom aus Dachanlagen nicht pauschal begrenzt oder die Anlage zeitweise vom Netz genommen. Stattdessen passt eine intelligente Steuerung die Einspeisung kontinuierlich an die aktuelle Netzsituation an. In Südaustralien ist dieses Verfahren bereits im Einsatz.
Alternative zu Einspeisegrenzen oder Nulleinspeisung
In Deutschland gilt seit einem Jahr das Solarspitzengesetz. Es begrenzt die Einspeisung neuer Solaranlagen auf 60 Prozent, solange keine aktive Steuerung möglich ist. Einige Netzbetreiber lassen in bestimmten Netzbereichen derzeit sogar nur Nulleinspeisung neuer Solaranlagen zu, weil bereits zu viele Erzeugungsanlagen angeschlossen sind und der Netzausbau noch andauert.
Flexible Export Limits sollen hier eine Alternative bieten. Das Verfahren ist eine Umsetzung der im EEG vorgesehenen flexiblen Netzanschlussvereinbarungen (Paragraf 8a EEG 2023). Im Projekt baut die THU eine technische Plattform auf, die auf internationalen Standards basiert. Diese wird in die deutsche Steuerungstechnik eingebunden, etwa über Smart Meter Gateways und CLS-Steuerboxen.
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Zudem schaffen die Forscher Schnittstellen zu den Leitsystemen von Verteilnetzbetreibern. Die Lösungen werden im Labor und im realen Betrieb getestet – gemeinsam mit Haushalten und verschiedenen Wechselrichterherstellern. Die Ergebnisse sollen in nationale Regeln, Normen und gesetzliche Weiterentwicklungen einfließen.
Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm Netze als Partner
Partner sind unter anderem Verteilnetzbetreiber als Nutzer der flexiblen Einspeisebegrenzung. Bisher konnte das Team die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm Netze sowie die Unternehmen Advalju, Vivavis, PSI und die Sunspec Allianz als Projektpartner gewinnen. Weitere Verteilnetzbetreiber in Baden-Württemberg sind eingeladen, sich zu beteiligen.
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„Mit Flexsolar-BW zeigen wir, dass Solarspitzen nicht generell abgeschnitten werden müssen. Statt starrer Begrenzungen setzen wir auf intelligente Lösungen, die sich im Alltag bewährt haben – wie in Australien. Davon profitieren sowohl Bürgerinnen und Bürger mit Solaranlagen als auch die Stromnetze insgesamt", sagt Projektleiter Professor Gerd Heilscher. Das Projekt wird von der Smart-Grid-Forschungsgruppe am Institut für Energietechnik und Energiewirtschaft (IEE) der THU geleitet. Dort stehen ein Smart-Grid-Labor und ein Energiepark für Tests im realen Betrieb zur Verfügung. (NHP)