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Bürgergeld für Windparks

Katharina Wolf

Wenn es einen Preis gäbe für die am schnellsten vergebene Bürgerbeteiligung an einem Windpark, dann läge die Bürgerwind Hofoldinger Forst GmbH & Co. KG mit Sicherheit ganz weit vorn. Nur 2,5 Stunden dauerte es, bis sechs Millionen Euro Nachrangdarlehen über eine Crowdfunding-Plattform gezeichnet waren. Alle rund 450 Kapitalgeber kamen aus den drei oberbayerischen Standortgemeinden des Windparks, die auch Gesellschafter der GmbH sind. Zwischen 500 und 25.000 Euro konnten zu sechs Prozent auf zehn Jahre angelegt werden. „Ich war mir schon sicher, dass wir das Geld einsammeln können“, sagt Geschäftsführer Martin Sterflinger. „Aber dass es so schnell geht, damit hätte ich nicht gerechnet.“ Eigentlich war für die Bürger der Gemeinden eine Frist von drei Wochen geplant, danach sollte die Beteiligung für alle Interessierten geöffnet werden.

Deutlich mehr Geduld brauchte die Gesellschaft der Gemeinden Sauerlach, Aying und Otterfing hingegen bei der Planung. Erste Überlegungen gab es bereits 2011. „Klar war immer, dass die Gemeinden das selbst in die Hand nehmen und die Bürger beteiligen wollen“, betont Sterflinger, der auch Leiter des Amts für Umwelt, Klima und Energie der Gemeinde Sauerlach ist. Doch erst mit den ersten Windenergieanlagen, die auf schwächere Windstandorte optimiert waren, nahm das Projekt konkretere Formen an. Die Zehn-H-Regelung, 2014 eingeführt, sorgte für die nächste Verzögerung, weil ursprünglich anvisierte Flächen nicht weit genug von der Wohnbebauung entfernt lagen. Aus zunächst vier beteiligten Kommunen wurden drei, Windmessungen und aufwendige Naturschutzgutachten mussten erstellt werden. Und so dauerte es letztlich bis zum Frühjahr 2023, bis der Bauantrag gestellt werden konnte.

Wir brauchen keinen Notar, die Leute konnten einfach online zeichnen.

Martin Sterflinger, Geschäftsführer der Bürgerwind Hofoldinger Forst GmbH & Co. KG

Dann nahm das Projekt Fahrt auf: Im Oktober 2023 gab das Landratsamt München die drei Windturbinen frei, im Dezember unterzeichnete Sterflinger mit dem Hersteller Enercon den Kaufvertrag für die E-160 mit zusammen 16,68 MW, in der Dezember-Auktion gab es den Zuschlag einer Vergütung gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Crowdfunding: Einfachere Handhabung

Damit fiel auch der Startschuss für die Bürgerbeteiligung. Die Gesellschaft entschied sich für Crowdfunding wegen der deutlich einfacheren Handhabung: „Wir brauchen keinen Notar, die Leute konnten einfach online zeichnen“, begründet Sterflinger. „Wir haben die Bürger die ganze Zeit gut über das Projekt informiert, sodass am Ende in den Veranstaltungen nur die Frage kam: ,Ab wann können wir uns denn beteiligen?‘“ Ausschlaggebend sei nicht nur das Engagement der Bürgermeister gewesen: „Es wurde schon immer gefragt, ob wir auch selbst investieren. Das haben wir natürlich getan.“

Mittlerweile drehen sich die Anlagen schon ein gutes Jahr, die Bürger haben zwei Ausschüttungen erhalten. „Alle sind zufrieden“, fasst der Geschäftsführer zusammen. Allerdings: Es gingen auch interessierte Bürger leer aus. „Die haben gleich gefragt, ob wir weitere Anlagen bauen wollen“, berichtet Sterflinger. Ausschließen will er das nicht. „Aber wir wollen erst sehen, ob beim ersten Projekt alles so läuft wie geplant.“

Noch am Anfang steht dagegen die von 13 Gesellschaftern gegründete „Bürgerenergie“ in Wettin-Löbejün, die unweit von Halle mindestens acht Windenergieanlagen errichten will. Auch das Geschäftsmodell ist ein anderes: Über eine GmbH & Co. KG sollen sich die Bürger im Umkreis von 50 Kilometern als Kommanditisten beteiligen können – also mit deutlich mehr Mitsprache als die Geldgeber eines Nachrangdarlehens. Die Motivation der Gründer ist indes ähnlich wie in Bayern. „Es ist klar, dass wir hier weitere Windenergieanlagen bekommen. Dann sollen die Menschen auch profitieren“, sagt Katharina Elwert, eine von zwei Geschäftsführern der „Bürgerenergie“. Deshalb soll nicht nur eine niedrige Beteiligung ab 500 oder 1.000 Euro angeboten werden. „Wir haben bereits einen städtepartnerschaftlichen Vertrag mit der Stadt abgeschlossen, die 0,05 Cent pro Kilowattstunde zusätzlich zur Akzeptanzabgabe erhält“, so Elwert. Auch wenn der Finanzierungsbedarf groß ist – insgesamt rund 24 Millionen Euro – setzen die Gesellschafter darauf, einen guten Anteil über die Kommanditisten finanzieren zu können. „In den 50 Kilometern Umkreis liegt die Stadt Halle, da sehen wir schon Potenzial.“

6 Millionen Euro Nachrangdarlehen wurden über eine Crowdfunding-Plattform von der Bürgerwind Hofoldinger Forst GmbH & Co. KG eingeworben.

Gleichzeitig ist den Gesellschaftern, die alle aus dem Umkreis kommen, ihre Unabhängigkeit wichtig: „Wir setzen darauf, dass wir greifbar vor Ort sind“, betont Elwert. „Deshalb wollen wir keinen Projektentwickler ins Boot holen und dann am Ende mit einem Alibi-Windrad für die Bürger dastehen.“

Allerdings liegt noch eine gute Strecke des Wegs vor den engagierten Gesellschaftern. „Wir wollen und müssen dieses Jahr den Antrag ans Wirtschaftsförderamt Bafa stellen, um die Projektentwicklungskosten gefördert zu bekommen“, sagt die Geschäftsführerin. Ende 2026 läuft das Programm, das Bürgerenergiegesellschaften mit bis zu 70 Prozent der Projektentwicklungskosten fördert, aus. „Ohne geht es nicht.“ Ohnehin seien die Kosten enorm, schon die Gebühren der Baugenehmigung kosten 100.000 Euro – und die sind nicht gefördert.

EEG-Vergütung und PPA-Erlöse

Dazu kommen politische Unwägbarkeiten. „Wir müssen sehen, wie sich die EEG-Vergütung und die PPA-Erlöse entwickeln“, beschreibt Elwert. Sieben Cent bräuchten sie schon pro Kilowattstunde, in der jüngsten Auktion gab es nicht einmal fünf.

Doch es gibt auch Erfolge zu vermelden: Für 80 Prozent der geplanten Flächen konnten Nutzungsverträge abgeschlossen werden. Die Stadt sei pro Windenergie eingestellt. „Natürlich gibt es immer Menschen, die gegen Windenergie sind“, räumt Elwert ein. Doch ohne Windparks werde es nicht gehen in Sachsen-Anhalt, selbst mit einer AfD-Landesregierung, ist sie überzeugt. „Wir brauchen den Strom für Rechenzentren und Elektroautos“, betont sie. Große PV-Anlagen kämen in der Gegend wegen der hohen Bodenwerte und des Flächenverbrauchs kaum infrage.

Ein Bürgerwindpark mit Kommanditisten – dieses Modell sei selten geworden, sagt Axel Schmidt von der GLS Gemeinschaftsbank, Initiatorin der GLS Crowd, über die der Windpark Hofoldinger Forst seine Investoren suchte. Er beobachtet, dass niedrigschwellige Beteiligungsangebote mehr Zulauf finden. „Das hat auch mit den Kundenbedürfnissen zu tun“, sagt er. In den Anfängen der Energiewende seien die Beteiligten an Windparks auch oft politisch aus der Anti-Atom-Bewegung motiviert gewesen. „Jetzt geht es eher um die zweite Hälfte der Energiewende: Wie kann die Umstellung auf Erneuerbare zu Ende gebracht werden?“ Entsprechend sei auch die Bereitschaft, sich mehr als nur finanziell zu engagieren, kleiner geworden.

Vom Erfolg der Bürgerwind Hofoldinger Forst seien auch sie überrascht gewesen. „Da haben sich die drei beteiligten Kommunen und ihre Bürgermeister extrem engagiert und die Bürger direkt mobilisiert“, sagt Schmidt. Das sei der entscheidende Punkt beim Erfolg eines Crowdfundings: „Wie agiert der Projektentwickler vor Ort? Was sagten die Meinungsführer in den Kommunen?“ Letztlich komme es auf die Beteiligten im Ort an, sagt er.

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