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Steigende Kosten für Öl und Gas treiben in der aktuellen Krise die Energiepreise nach oben. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) hat dazu die Kurzstudie „Stabil statt fossil: Wie ein System aus erneuerbaren Energien und Flexibilitäten den Strompreis senkt und Energiepreiskrisen abfedert“ von Montel Analytics veröffentlicht. Diese zeigt: Ein hoher Anteil an Wind- und Solarkraft im Netz hält den Strompreis in Energiekrisen stabil und glättet extreme Spitzen.
Ausbau von Solar und Wind dient als Schutzfaktor
Bund-Vorsitzender Olaf Bandt fordert den Ausbau von Solar- und Windkraft. Er kritisiert die Entwürfe für die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das Netzanschlusspaket, die das Kabinett beschlossen hat. Der BUND verlangt im parlamentarischen Verfahren eine deutliche Nachbesserung beider Gesetze.
Bandt erklärt: „Die Studie zeigt, dass der konsequente Umstieg auf erneuerbare Energien weit mehr als eine klimapolitische Pflicht ist. Er ist ein zentraler Schutzfaktor für Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger. Erneuerbare hätten uns schon glimpflicher durch vergangene Krisen geführt, jetzt müssen sie konsequent ausgebaut werden.“
Studie vergleicht drei Szenarien
Im Mittelpunkt der Analyse steht der Vergleich von drei Szenarien unter den Preisbedingungen der Energiekrise 2022. Verglichen werden ein stark fossil geprägtes Stromsystem aus dem Jahr 2011, das Referenzszenario des Jahres 2022 und ein Zukunftsszenario mit einem Anteil von 80 Prozent erneuerbaren Energien, den die Bundesregierung für 2030 vorsieht. Im 2030er-Szenario sinkt der durchschnittliche Preis gegenüber 2011 um 64 Prozent. Das 2011er-Modell liegt unter den Preisbedingungen der Energiekrise bei 382,90 Euro pro Megawattstunde. Im 2030er-Szenario sind es 137,27 Euro pro Megawattstunde. Gegenüber dem durchschnittlichen Strompreis des Krisenjahres 2022 von 235,44 Euro pro Megawattstunde entspricht das einer Einsparung von fast 100 Euro pro Megawattstunde.
Auch bei den Preisspitzen zeigt die Analyse deutliche Unterschiede: Bei einem Anteil von 80 Prozent Erneuerbaren liegt der Preis nur 41 Stunden oberhalb der Marke von 500 Euro pro Megawattstunde. Im 2011er-Modell wird diese Marke 785 Stunden überschritten, 2022 sind es 499 Stunden.
Bandt resümiert: „Die Lösung gegen Energiepreiskrisen liegt auf der Hand: Eine konsequente Abkehr von fossilen Energien und ein zügiger Ausbau der Erneuerbaren. Instrumente wie der Industriestrompreis oder der Tankrabatt sind teure staatliche Eingriffe. Sie entlasten bestimmte Gruppen temporär, sie lösen jedoch das Problem nicht.“
Bund / Montel / Aus der Kurzstudie "Stabil statt Fossil"
Flexibilitäten verschieben Verbrauch
Die Studie weist Flexibilitäten in einem stark von erneuerbaren Energien geprägten System eine zentrale Rolle zu. In Zeiten hoher Stromerzeugung aus Solar- und Windkraft und niedriger Preise können Wärmepumpen, Elektrolyseure oder E-Fahrzeuge günstigen Strom verstärkt beziehen. In Stunden mit knappem Stromangebot und hohen Preisen lässt sich ihr Verbrauch reduzieren oder zeitlich verschieben. Batteriespeicher verstärken diesen Effekt. Sie erleichtern die Integration von Wind- und Solarstrom und dämpfen Hochpreisstunden durch zusätzliches Angebot.
Die Modellierung zeigt außerdem einen deutlichen Rückgang des CO2-Ausstoßes. Im 2030er-Szenario liegen die Emissionen mit 121 Mio. Tonnen CO2 nur noch bei einem Drittel des 2011er-Modells. Erneuerbare bleiben damit der wichtigste Hebel für den Klimaschutz.
Entwürfe schaffen neue Hürden
Am 17. Juli 2026 startete das Bundeswirtschaftsministerium die Verbändeanhörung zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sowie des Netzanschlusspakets. Das parlamentarische Verfahren beginnt im September. Der Bund sieht in beiden Entwürfen neue Hürden für den Ausbau erneuerbarer Energien und eine deutliche Verschlechterung des Ist-Zustands.
Er kritisiert, dass der Entwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz kleine Photovoltaik-Dachanlagen besonders hart trifft. Der Redispatch-Vorbehalt bremst in abgeschwächter Form Windenergie und Freiflächen-Photovoltaik. Der BUND sieht dadurch Klimaschutzziele und hunderttausende Arbeitsplätze gefährdet. Zudem kritisiert der Verband, dass beide Gesetzesentwürfe den Investitionsrahmen bürokratischer machen und zu Verunsicherung führen.
Der Bund bewertet damit das von der Bundesregierung erklärte Ziel eines Ausbaus zu möglichst geringen Kosten als nicht erreichbar und verlangt dafür deutliche Nachbesserungen. Hier finden Sie die Kurzstudie. Quelle: ar / Bund