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Durchstarten oder ausbremsen?

Vor dem Urlaub ist immer besonders viel zu tun. Der Schreibtisch und der Posteingang sollen möglichst leer werden, damit man in Ruhe entspannen und im Herbst richtig durchstarten kann. Da gibt es gewisse Parallelen zur Wasserstoffwirtschaft.

Ein ganzer Schwung an geförderten Projekten ist mitten in der Umsetzung oder neigt sich der Fertigstellung zu. Thyssenkrupp hat die erste Großlieferung Wasserstoff für die grüne Stahlherstellung bestellt. Im oberbayerischen Hohenwart nutzt man in zehn Häusern nun „H2Dahoam“ – Wasserstoff für zuhause. Zur Leitung kommt er mit dem Trailer. Das ist in diesem Stadium des Wasserstoffhochlaufes völlig legitim, als Dauerzustand wäre es absurd.

Das Projekt zeigt, was vorangeht – bei Pilotprojekten – und woran es noch fehlt – nämlich am Gesamtkonzept und an der Infrastruktur. Das Problem ist in der Branche hinlänglich bekannt. Wer es lösen will, muss einen klaren Rahmen setzen und an mehreren Stellen gleichzeitig fördern und fordern – zum Beispiel den Aufbau von Tankstellen und die Anschaffung von H2-Lkw. Der Ansatz ist so offensichtlich, dass man sich fragt: Warum nicht gleich so?

Nur die Nutzung von Wasserstoff zu fordern, ist hingegen eine hervorragende Methode, um die Technologie am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Das Versorgungssicherheitsgesetz fordert zum Beispiel, dass Kraftwerke ab 2045 klimaneutral arbeiten sollen und daher schon jetzt H2-ready gebaut werden müssen. Klingt gut, könnte man meinen. Es kann auch funktionieren – aber nur, wenn man die Wasserstoffproduktion oder den Import ähnlich intensiv anschiebt. Das BDEW-Wasserstoffmonitoring zeigt fast zwölf GW Wasserstofferzeugungsprojekte in der frühen Planungsphase – wann und ob es für diese eine positive Investitionsentscheidung geben wird, hängt von den politischen Weichen ab.

In der Bundesregierung stehen die Weichen auf Sparkurs. In ein Gesetz zu schreiben, dass Kraftwerke in einiger Zeit mit Wasserstoff laufen sollen, kostet nicht viel. Wenn der dann seltsamerweise fehlt, weil der Hochlauf von Produktion und Infrastruktur zu teuer war, wird man beim Erdgas bleiben müssen.

Doch noch ist es nicht so weit. Noch gehen Projekte voran, die vor Jahren angeschoben wurden. Ihre Schwungmasse birgt Energie und sie zeigen, was machbar ist. Es ist höchste Eisenbahn, diese Energie politisch zu nutzen.

Sonst sind die Aufgaben in wenigen Jahren abgearbeitet und die Ferien dauern länger, als einem lieb ist.

Eva Augsten
Chefredakteurin

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