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Lagebericht Wasserstoffhochlauf

Nationaler Wasserstoffrat: Neustart als Chance

Zunächst das Positive: Ein neu aufgestellter Wasserstoffrat kann der Bundesregierung bieten, was ihr im Tagesgeschäft fehlt – einen systemischen Blick auf den Gesamtpfad. Die Politik arbeitet auch beim Thema Wasserstoff entlang von Ressortgrenzen: Energie, Verkehr, Industrie, Klima. Ein Expertengremium hingegen sollte entlang der Wertschöpfungsketten agieren und damit Bruchlinien überbrücken – mit Blick auf Investitionszyklen statt Legislaturperioden.

Das Gremium wird kleiner und ändert den Fokus.

Es wird nur noch 16 statt bisher 23 Mitglieder haben. Es soll stärker auf die Industrie und die Wirtschaftlichkeit des Wasserstoffs fokussiert sein. Und es soll noch stärker als bisher neben dem Wasserstoff auch seine Derivate und andere Moleküle sowie deren Systemdienlichkeit in den Blick nehmen. Insbesondere letzteres macht Sinn: denn schon länger gab es Forderungen, die Wasserstoffstrategie um eine Derivatestrategie zu ergänzen und damit verbundene Fragen wie erforderliche Infrastrukturen, Importwege oder Absatzmärkte politisch klarer zu adressieren.

Die neue Zusammensetzung ist auch eine Herausforderung. Es war eine Stärke des bisherigen Wasserstoffrates, dass er tatsächlich kein Lobby-Forum der Industrie war, sondern eine sehr große Breite des Wasserstoffökosystems abgebildet hat. Auch an ein verschlanktes Gremium darf man die Erwartung haben, dass es diese Breite abdeckt.

Realitätscheck für Regulierung und Förderung.

Von einem neuen Wasserstoffrat sollten wir erwarten, dass er die Umsetzbarkeit neuer Strategien testet – mit klaren, messbaren Kriterien: Wie viele Projekte erreichen Financial Close? Wie lange dauern Genehmigungen wirklich? Wo scheitern Anträge systematisch?

Hier entscheidet sich die Rolle des Rates. Dient er dem Monitoring und der Kurskorrektur – oder soll er nur Papiere produzieren? Der Wasserstoffhochlauf folgt keinem linearen Plan; er ist eine Sequenz von Lernschleifen. Das haben die letzten Jahre deutlich gezeigt. Ein zukunftsfähiger Rat sollte daher institutionell verankerte Aufgaben bekommen: regelmäßige Fortschrittsberichte zum H2‑Netz, zur Importinfrastruktur, zu Elektrolyse‑Kapazitäten und zu Kostendegressionen; frühzeitige Hinweise, wenn Instrumente nicht wirken und Vorschläge, wie man Pfadabhängigkeiten vermeidet. Nur dann wird aus Beratung laufende Governance.

Navigationsinstrument oder folgenloses Expertengremium?

Im besten Fall wird er zum Navigationsinstrument in einer zunehmend unübersichtlichen Transformationslandschaft: priorisierend, faktenbasiert und auch mal unbequem. Mit klaren Arbeitsaufträgen, die idealerweise in die politische Arbeit einfließen und durch eine regelmäßige Befassung auf Staatssekretärs- oder Ministerebene zur Umsetzung kommen. Dann ist er mehr als eines von vielen folgenlosen Expertengremien.

Am Ende sollten wir den neuen Wasserstoffrat an einer einfachen Leitfrage messen: Trägt er dazu bei, dass in Deutschland mehr bankfähige Projekte ans Netz gehen? Wenn die Antwort dann in absehbarer Zeit „ja“ lautet, hätte er seinen Zweck erfüllt.

Stefan Kaufmann
Rechtsanwalt Dr. ­Stefan Kaufmann berät national und international Unternehmen und Investoren der Wasserstoffwirtschaft. Von 2009 bis 2021 und von 2024 bis 2025 saß er im Deutschen ­Bundestag. Von 2020 bis 2022 war er Innovationsbeauf­tragter Grüner Wasserstoff der Bundesregierung im Bundesforschungsministerium. Für HZwei blickt er regelmäßig auf die aktuellen Entwicklungen beim Energieträger der Zukunft.

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