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Solare Carports

Parken unter Strom

Atlas Copco stellt schon seit vielen Jahren in Neustadt an der Donau Automatisierungslösungen für Klebe-, Dossier- und Vergussprozesse her. Seit vergangenem Jahr tut die Deutschlandniederlassung des schwedischen Konzerns dies mit Sonnenstrom. Dazu haben die Handwerker von EBS Elektrotechnik nicht nur auf den dafür geeigneten Dächern der Produktionsstätte Solarmodule installiert. Sie haben auch den kompletten Parkplatz des Unternehmens mit Solarmodulen überdacht.

Die Mitarbeiter des Elektronik-Kompetenzzentrums können jetzt auf den etwa 60 Parkplätzen ihre Autos geschützt abstellen. Mit der Überdachung wurde der Parkplatz zu einer multifunktionalen Fläche umgestaltet.

Solaranlage schützt die Autos

Dabei steht nicht nur der Witterungsschutz für Fahrzeuge im Mittelpunkt. „Unser Ziel war es, grünen Strom für den Eigenverbrauch zu gewinnen und gleichzeitig heute schon die Basis für eine schrittweise Elektrifizierung unserer Fahrzeugflotte zu legen“, sagt Thomas Riger, Geschäftsführer von Atlas Copco in Neustadt. „Deshalb haben wir alle Fundamente für mögliche Ladepunkte vorbereiten lassen, auch wenn nicht direkt alle Stellplätze mit Ladesäulen ausgestattet wurden.“

Eigentlich entstand die Idee aus der Planung der Dachanlage heraus. Denn hier wurde klar, dass noch mehr Flächen für die Photovoltaik zur Verfügung standen. Den Strom kann Atlas Copco vor Ort gut verwenden. „Die Flächenversiegelung durch Parkplätze ist ohnehin gegeben – da liegt es nahe, diese Fläche doppelt zu nutzen“, erklärt Johannes Gröber, Projektentwickler Energiekonzepte bei EBS. „Fahrzeuge werden geschützt, und das Unternehmen profitiert vom erzeugten Strom. In Kombination mit Ladepunkten entsteht eine echte Win-win-Situation.“

Vollständig in den Eigenverbrauch eingebunden

Gebaut wurde die Parkplatzüberdachung mit einem Einpfostensystem von K2 Systems. Die Planer des Anbieters im schwäbischen Renningen haben auch bei der Auslegung der Anlage unterstützt. Ein Vorteil war dabei die Anpassungsfähigkeit der Konstruktion an örtliche Gegebenheiten. Denn ursprünglich war ein Konzept mit drei Stützen vorgesehen.

Nach einer Überarbeitung durch die Ingenieure bei K2 Systems wurde das Layout auf ein Ein-Stützen-System optimiert, das jeweils zwei Stellplätze überdacht. Grund war nicht nur der reduzierte Material- und Fundamentaufwand, sondern auch ein Mehr an Bewegungsfreiheit zwischen den Stellplätzen. Zudem wurde so mehr Rangierfläche für größere Fahrzeuge geschaffen, um Kollisionen mit den Stützen zu vermeiden.

Die Konstruktion wurde in feuerverzinkter Standardausführung mit integrierter Regenrinne umgesetzt, um Langlebigkeit und eine kontrollierte Wasserführung sicherzustellen. „Für uns war entscheidend, dass wir eine Lösung anbieten konnten, die sowohl statisch als auch praktisch überzeugt – vom überdachten Fahrradstellplatz bis zur vollständigen Integration in die Eigenverbrauchsstrategie des Auftraggebers unseres Kunden“, erklärt Tobias Filbrandt, für den Carport zuständiger Produktmanager bei K2 Systems.

Zweites System vorgestellt

Das Projekt wurde mit dem Y-System gebaut, das K2 Systems im vergangenen Jahr auf der Intersolar vorgestellt hat. In diesem Jahr war eine neue Lösung auf dem Stand des Unternehmens zu sehen: ein V‑System. Dieses besteht aus zwei Stützen, die schräg im Boden verankert sind. Auf ihnen sind quer zur Parkrichtung die Pfetten befestigt. Auf diese schraubt der Handwerker die Montageschienen, an denen er die Module befestigt. Der Vorteil: Da die Module von unten geklemmt werden, muss der Handwerker nicht auf den Carport klettern.

In diesem Jahr hat K2 Systems eine zweite Variante vorgestellt: ein v-förmiges System. Dieses besteht aus zwei Stützen, die schräg zueinander verlaufen, sodass trapezförmige Seitenelemente mit auskragenden Seitenarmen an der oberen Seite entstehen. Diese Seitenelemente werden in der Regel mit einer Schraubfundamentierung gegründet. Dies ermöglicht eine schnelle und minimalinvasive Installation ohne Beton.

Entwässerung optimiert

Auf den Seitenelementen werden wieder die Dachkonstruktion aus Pfetten, Montageschienen Carport Rail und Solarmodule montiert, ähnlich wie beim Y‑System. Das System ist statisch so ausgelegt, dass es gut zehn Meter überspannen kann. Beim neuen V-System hat K2 Systems zudem die Entwässerung weiter optimiert, sodass es auch bei stärkeren Regengüssen unter dem Carport weitgehend trocken bleibt.

Für das Projekt in Neustadt war das Y-System aber perfekt geeignet und trotz der Änderung von Drei- auf das Einpfostensystem vergingen nur wenige Wochen von der Beauftragung der Anlage im Frühjahr bis zur Realisierung im Sommer 2024. Dieses Tempo wurde durch die gute Abstimmung aller Beteiligten möglich. Jetzt liefern Module mit einer installierten Leistung von 180 Kilowatt Strom, der komplett für die Produktion von Atlas Copco genutzt wird.

Den gesamten Bau begleiten

Die gute Abstimmung aller Beteiligten ist genauso entscheidend für die Wirtschaftlichkeit einer solaren Überdachung von Parkplätzen wie eine gute Planung, wie Axel Lellau, Vertriebsleiter für Carport und Freilandsysteme bei PMT Premium Mounting Technologies, betont. „Es ist entscheidend, dass solare Parkplatzüberdachungen nicht wie eine klassische Photovoltaikanlage betrachtet werden. Ein Solarcarport ist immer auch ein eigenständiges Bauwerk im Verkehrsraum“, erklärt er. „Deshalb müssen neben der Solartechnik Themen wie Baugrund, Gründung, Statik, Entwässerung, Brandschutz, Feuerwehrzufahrten, Rettungswege, Verkehrsführung, Anfahrschutz, Netzanschluss sowie Blitz- und Überspannungsschutz frühzeitig berücksichtigt werden.“

Deshalb umfasst der Ablauf von Carportprojekten bei PMT nicht nur die Solarplanung. Das Unternehmen nimmt den gesamten Weg von der Anfrage über Bauantrag, Statik, Bodengutachten, Prüfingenieur, Angebot, Montage und Lieferung bis zur Realisierung in den Blick. PMT koordiniert auch die relevanten Schnittstellen. „Gerade weil Solarcarportprojekte mehrere Gewerke, Behörden und Fachplaner zusammenbringen, hilft diese Begleitung dabei, Unsicherheiten vor der Umsetzung deutlich zu reduzieren“, weiß Axel Lellau.

Das ist bei der Nachrüstung von bestehenden Parkplätzen umso wichtiger, da die Projekte anspruchsvoller sind als ein Neubau. „Vorhandene Fahrwege, Entwässerungsmulden, Leitungen, Beleuchtung, Bordsteine, Grünflächen oder laufender Kunden- und Mitarbeiterverkehr müssen in die Planung einbezogen werden“, sagt Axel Lellau.

220.000 Quadratmeter solar überdacht

Er weiß aus der Erfahrung vieler Projekte – PMT hat inzwischen 220.000 Quadratmeter Parkplatzfläche mit einer Solarleistung von rund 22 Megawatt überdacht –, dass bei bestehenden Parkplätzen oft abschnittsweise gearbeitet werden muss, damit der Betrieb weiterlaufen kann. „Das erfordert eine gute Bauphasenplanung, klare Sperrbereiche und eine enge Abstimmung mit Betreiber, Montagepartner und allen beteiligten Fachplanern“, erklärt der Experte von PMT. „Doch auch bei neuen Parkplätzen sind die gesamte Projektplanung und Projektkoordination von entscheidender Bedeutung. Ideal ist es, wenn Solarcarport, Parkplatzlayout, Entwässerung und Verkehrsführung Ladeinfrastruktur, Netzanschluss und mögliche Speicherlösungen von Beginn an gemeinsam geplant werden“, rät Axel Lellau. „Dadurch lassen sich spätere Kompromisse bei Stützenpositionen, Fahrgassen, Kabelwegen, Technikflächen oder Entwässerung deutlich reduzieren.“

Projektspezifisch geplant

Er verweist darauf, dass die PMT‑Carports immer projektspezifisch geplant werden. Hier kommt kein System von der Stange zur Anwendung, das irgendwie in die Rahmenbedingungen gepresst wird. So betrachten die Planer von PMT schon in einer frühen Planungsphase Standort, Stellplatzlayout, Modulabmessungen, Modulleistung sowie Schnee- und Windlasten. „Daraus entsteht zunächst ein erstes Layout mit Kostenschätzung. Danach folgen, abhängig vom Projekt, Genehmigungsplanung, Detailplanung, Statik, Bodengutachten, Prüfingenieur und schließlich ein bestellfähiges Angebot“, beschreibt Axel Lellau den Ablauf.

Technisch besteht die Lösung von PMT aus Seitenelementen aus feuerverzinktem Stahl, die komplett vormontiert auf die Baustelle kommen. Auf diese trapezförmigen Seitenelemente stützt sich die gesamte Dachkonstruktion aus Pfetten und einem Stahlhochtrapezblech als Dachhaut. Auf diesem wird die eigentliche Solaranlage mit einer passenden Unterkonstruktion montiert. Der Stützenabstand beträgt im Standard zehn Meter. Damit kann PMT mehrere nebeneinanderliegende Parkplätze überspannen, was den Aufwand an Gründungen minimiert.

Betonsockel schützt die Konstruktion

Die Gründung erfolgt mittels HEA‑Trägern, die in den Boden gerammt werden. Auf diese setzt PMT ein oberirdisches Sockelelement aus Beton. „Der Betonsockel übernimmt zusätzliche Funktionen im Verkehrsraum. Er dient als integrierter Anfahrschutz und schützt die Stahlkonstruktion im Spritzwasserbereich“, beschreibt Axel Lellau die Vorteile dieser Lösung. „Gerade auf Parkplätzen ist das relevant, weil Rangierverkehr, Feuchtigkeit, Schmutz und im Winter auch salzhaltiges Spritzwasser auf die Konstruktion einwirken können.“

Das gesamte System wird an die Voraussetzungen vor Ort so angepasst, dass einerseits die Konstruktion möglichst wenig beeinträchtigt und andererseits ein Maximum an Solarleistung installiert wird. Dabei spielt auch die Nutzung des Stroms eine wichtige Rolle. Das ist bei Gewerbeprojekten immer einfacher als beispielsweise bei kommunalen Projekten. Denn Unternehmen können den Strom vor Ort nutzen – für den Eigenverbrauch, aber auch für den Betrieb einer Ladeinfrastruktur. Batteriespeicher und ein Energiemanagement sind deshalb sinnvolle Ergänzungen von solchen Projekten.

Kunden mit üppigem Stromverbrauch

Das ist bei Kommunen schwieriger, da diese nicht die Verbraucher gleich neben dem Parkplatz haben, sondern den Strom irgendwie anders vertreiben müssen. Das geht über ein Stadtwerk, wobei selbst das schon eine Herausforderung ist. Die reine Einspeisung gegen eine Marktprämie ist nur in seltenen Fällen wirtschaftlich.

Entsprechend sieht Axel Lellau die relevanten Kunden in Industrie- und Logistikstandorten. Aber auch Rechenzentren, Handelsimmobilien wie Super- oder Baumärkte, Park-and-Ride-Anlagen oder Flughäfen benötigen viel Strom, den sie auf dem Parkplatz produzieren können. Auch Schwimmbäder oder andere Freizeiteinrichtungen haben große Parkplätze und einen üppigen Stromverbrauch, sodass sich auch dort die Wirtschaftlichkeit durch den Eigenverbrauch ergibt. „Auch wenn der Strom vom Parkplatz teurer ist als vom Flachdach, ist er mit Preisen zwischen 13 und 15 Cent pro Kilowattstunde immer noch deutlich günstiger als der Strom vom Versorger“, betont Axel Lellau.

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