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Digitalisierung

Langsam, aber stetig

Der Smart-Meter-Rollout kommt derzeit voran. Wie die aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen, wurden bis Ende März 2025 insgesamt 15,12 Prozent der Pflichteinbaufälle mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet. Zum Vergleich: Ende 2024 lag die Quote noch bei 13,91 Prozent. Die Quote bezieht sich auf die knapp 4,6 Millionen Messlokationen in Deutschland, die unter den Pflichteinbau fallen. Insgesamt gibt es landesweit 53 Millionen Messstellen.

Ambitionierte Ziele

Die gesetzlich festgelegten Ziele sehen vor, dass bis Ende 2025 mindestens 20 Prozent der Pflichteinbaufälle erreicht werden. Bis 2028 sollen es 50 Prozent sein und bis Ende 2030 mindestens 95 Prozent. Spätestens 2032 sollen alle deutschen Haushalte ein Smart Meter haben. Pflicht sind die Geräte schon heute für alle neu errichteten Photovoltaikanlagen ab sieben Kilowatt Leistung oder für Anlagen mit Wallbox oder Wärmepumpe.

Österreich ist im Gegensatz dazu mit einer Quote von mehr als 80 Prozent Vorreiter bei der Installation von schlauen Zählern. Auch Italien hat sehr früh flächendeckend Smart Meter eingeführt und definiert, was man von dieser Infrastruktur erwartet. 15 Mitgliedstaaten erreichen eine Einbauquote von mehr als 80 Prozent, darunter auch Schweden, die Niederlande, Dänemark sowie Frankreich, Spanien und Portugal.

Fokus auf Sicherheit

Insgesamt sieht man in der Grafik von Octopus Energy eine hohe Einbauquote in Süd- und Nordeuropa, während Deutschland und Osteuropa hinterherhinken. Jedoch seien die Sicherheitsstandards für Smart Meter hierzulande höher als etwa beim Online-Banking, heißt es auf der Website des Bundeswirtschaftsministeriums. „Europaweit ist Deutschland damit Vorreiter in Sachen Datensicherheit.“ Immerhin.

Einige große Betreiber haben das 20-Prozent-Ziel schon erreicht. Einige kleine Messstellenbetreiber hinken allerdings noch hinterher. „Die Backend-IT-Systeme und Prozesse bei einigen Messstellenbetreibern sind noch nicht optimal auf den Rollout ausgerichtet“, berichtet Peter Heuell, Geschäftsführer von EMH Metering. Vielen kleineren Unternehmen war der Aufwand bisher zu groß – vor allem die IT-Prozesse rund um den Rollout schrecken sie ab. Jetzt drängt die Zeit.

Sichere Kommunikation entscheidend

Die gute Nachricht: „Bei den Geräten gibt es keine großen Engpässe. Allerdings wird es tatsächlich zunehmend herausfordernd sein, ausreichend Monteure für den Rollout zu finden“, weiß Heuell aus der Praxis. Vor allem für die kleineren Messstellenbetreiber sei es schwierig, alles selber zu machen, also Mitarbeiter zu schulen, Geräte einzukaufen, IT-Systeme einzuführen. Ein guter Lösungsansatz sind daher Partnerschaften mit anderen Messstellenbetreibern. Wichtig für den Rollout sei zudem eine sichere Kommunikation, betont Heuell. „Ein Ausbau der Mobilfunknetze in ländlichen Regionen ist daher entscheidend für eine einfache und sichere Anbindung.“

Die nun neu festgelegten Preisobergrenzen machen den Rollout wirtschaftlicher, gleichwohl ist es jetzt besonders wichtig, den Verbrauchern den Nutzen eines intelligenten Messsystems zu vermitteln und attraktive Angebote anzubieten. Denn der Nutzen für Haushalte sei sehr begrenzt und gehe kaum über die Nutzung eines dynamischen Tarifs hinaus, meint Lars Petereit, Leiter Digitale Energiewende und Elektrifizierung beim Branchenverband BNE. „Daher sollten die Kosten für Betrieb und Einbau der Geräte zum Zweck der Akzeptanz möglichst niedrig gehalten werden.“

Solarwatt macht es vor. Das Unternehmen koordiniert für Solarteure künftig den Einbau von Smart Metern in Eigenheimen und Gewerbe. Der Systemanbieter arbeitet mit einem deutschlandweit tätigen Messstellenbetreiber zusammen. Für die Installateure öffnen sich neue Geschäftsfelder.

Engpässe lindern

Der neue Service von Solarwatt und Inexogy ist bereits für die mehr als 1.000 Installationspartner für 126,05 Euro (netto) pro Gerät buchbar. Der Ausbau des alten Zählers und der Einbau des Smart Meters erfolgen in acht bis zehn Wochen. „Eine zusätzlich benötigte CLS-Steuerbox kann kostenlos über den Service hinzugebucht werden“, sagt Solarwatt-Manager Peter Bachmann.

Die Preisobergrenzen seien unter den gegebenen Rahmenbedingungen angemessen, jedoch sollte der Lösungsraum um die Geräte vergrößert werden. Das bedeutet, es sollten auch günstigere Lösungen zugelassen werden, wenn es sich nicht um einen Pflichteinbau handelt, also keine Steuerung notwendig ist. Hier reiche eine Art „Smart Meter light“, argumentiert Petereit. Gerade weil Steuerboxen im Gegensatz zu Smart Metern derzeit nicht in großer Zahl verfügbar seien.

Nur Pilotprojekte mit Steuerung

Bei der Integration von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Wallboxen nach Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz gibt es aktuell nur Pilotprojekte. Auch wenn die technischen Vorgaben von VDE/FNN inzwischen klar sind, sei nicht vor 2027 mit einem Einsatz der Steuerung durch die Verteilnetzbetreiber zu rechnen, der über Pilotprojekte hinausgeht, erklärt Petereit.

Dabei haben Netzbetreiber durchaus Vorteile: Sie können Verbrauchslasten gezielt steuern und Engpässe vermeiden. Die Möglichkeit, Netzzustandsdaten in Echtzeit gemäß Tarifanwendungsfall 10 abzurufen, erhöht zusätzlich die Transparenz und Reaktionsfähigkeit im Netzbetrieb. So lassen sich Überlastungen schneller erkennen, Lastflüsse besser koordinieren und erneuerbare Energien effizienter integrieren. Genau, was ein robustes Energiesystem zukünftig braucht.

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