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Was für bayerischen Wasserstoff noch fehlt

Fabian Kauschke

Seit fünf Jahren findet Wasserstoff nicht nur Einzug in nationale Wasserstoffstrategien, sondern beschäftigt auch die Bundesländer. Welche Voraussetzungen müssen Regionen erfüllen, um von Erdgas auf grünen Wasserstoff umzustellen? Wie weit sind Forschung, Infrastruktur und Industrie bereits? In vielen Landeskompetenzzentren wurden Maßnahmenpapiere verfasst, die den aktuellen Stand und die Entwicklungspotenziale ermitteln. In Bayern wurde zunächst die Roadmap 2022 und anschließend die Bayerische Wasserstoffstrategie 2.0 veröffentlicht. „Bayern hat sich auf den Weg gemacht: Zahlreiche Projekte zeigen bereits heute, wie engagiert Kommunen, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Initiativen an Erzeugung, Infrastruktur und Anwendung von Wasserstoff arbeiten. Damit daraus ein tragfähiger Hochlauf entsteht, braucht es nun verlässliche Rahmenbedingungen, leistungsfähige Infrastruktur, wirtschaftliche Impulse und eine stärkere Vernetzung von Erzeugung, Speicherung, Transport und Nachfrage“, sagt Fabian Pfaffenberger, Geschäftsführer des Zentrums Wasserstoff Bayern (H2.B). Die Koordinierungs- und Vernetzungsstelle des Freistaats Bayern für Wasserstoff räumt ein, dass die Entwicklung des H2-Marktes und die dazugehörige Wertschöpfungskette bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Die teilweise ambitionierten Ziele aus den Strategien von vor wenigen Jahren wurden nur in wenigen Punkten wirklich erreicht. Ein Fortschrittsbericht zum Wasserstoffhochlauf in Bayern adressiert die bestehenden Probleme und zeigt auf, inwiefern die regionale Entwicklung durch europäische und globale Ereignisse beeinträchtigt wird. Klare Handlungsfelder konnten durch die Erfahrungen der letzten Jahre jedoch auch ausgemacht werden. Große Einflussfaktoren für den langsamen Hochlauf sind vor allem veränderte sicherheits- und handelspolitische Abhängigkeiten, gestiegene Kosten entlang zentraler Wertschöpfungsketten sowie neue europäische und nationale Regulierungs- und Förderrahmen.

Forschung bietet gute Grundbedingungen

Die Ausgangslage hat sich somit stark verschoben, obwohl sich die vom Bundesland beeinflussbaren Faktoren als fruchtbar erweisen. Mit Universitäten und Hochschulen, die Wasserstoffforschung betreiben, sowie Forschungseinrichtungen wie dem Innovations- und Technologiezentrum Wasserstoff oder dem Reallabor Burghausen verfügt Bayern über zahlreiche Initiativgeber aus der Forschung. Gleichzeitig sind Wirtschaft und Politik an der Etablierung des Moleküls interessiert. So testet der Freistaat beispielsweise in 14 vom Bundeswirtschaftsministerium ausgewählten HyLand-Wasserstoffmodellregionen regionale integrierte Konzepte mit Elektrolyseuren, Tankstellen und lokalen Abnehmern. Koordiniert wird der Austausch in der Branche durch das Wasserstoffbündnis Bayern, das seit seiner Gründung von 18 auf 410 Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Clusterlandschaft angewachsen ist. Ein gemeinsamer Wille und gute Voraussetzungen sind auf Landesebene also durchaus erkennbar.

Regulatorik zeigt gemischtes Bild

Großen Anteil am veränderten Regulierungsrahmen hat die Europäische Union. Seit 2022 verabschiedete diese eine Vielzahl an Marktinstrumenten für Wettbewerbsfähigkeit und Rechtsrahmen. Der Net Zero Industry Act zielt unter anderem auf eine klimaneutrale Wirtschaft, wodurch Wasserstofftechnologien und Komponenten einen erleichterten Marktzugang erhalten sollen. Instrumente wie die Europäische Wasserstoffbank oder H2Global stellen zudem Preisstandards her und regen Ausschreibungen an. Gleichzeitig wurden durch die EU, beispielsweise durch die Important Projects of Common European Interest (IPCEI), Fördersummen freigesetzt, die Großprojekte in der Erzeugung und Infrastruktur ermöglichen. Den meist positiv wirkenden Mechanismen steht jedoch eine eher lähmende Wirkung des Rechtsrahmens durch den RFNBO Delegated Act zur Definition von grünem Wasserstoff gegenüber. Zu erfüllende Faktoren treiben den Preis für grünen Wasserstoff in die Höhe und erschweren den Marktzugang.

Damit daraus ein tragfähiger Hochlauf entsteht, braucht es nun verlässliche Rahmenbedingungen, leistungsfähige Infrastrktur, wirtschaftliche Impulse und eine stärkere Vernetzung von Erzeugung, Speicherung, Transport und Nachfrage.

Fabian Pfaffenberger, Geschäftsführer des Zentrums Wasserstoff Bayern (H2.B)

Die auf Bundesebene agierenden Bestimmungen unterstützen zudem weitere Marktdynamiken oder fördern bestimmte Projekte entlang der Wertschöpfungskette. Der Fortschrittsbericht erkennt jedoch, dass sich wesentliche Impulse wie beispielsweise durch die Ausschreibung wasserstofffähiger Kraftwerke im Rahmen der Kraftwerksstrategie bislang nicht bemerkbar machen.

Auch Bayern schließt sich der Förderung von Wasserstofftechnologien und Infrastruktur an. Die Förderprogramme zum Aufbau einer Wasserstofftankstellen-Infrastruktur (BayH2T), zum Aufbau einer Elektrolyseur-Infrastruktur (BayFELI) und zum Erwerb von Nutzfahrzeugen mit Wasserstoffantrieb (H2.N) stellten seit 2020 gemeinsam 255 Millionen Euro zur Verfügung. Dazu kommen weitere technologieoffene Fördermaßnahmen, die Wasserstoff inkludieren. Mit den geänderten geopolitischen und regulatorischen Rahmenbedingungen bliebe der Wasserstoffhochlauf hinter den Erwartungen der Roadmap aus dem Jahr 2022 deutlich zurück, wie der Forschungsbericht klar feststellt.

Fortschritte in Erzeugung und Infrastruktur

Konkret wurden mithilfe der Förderprogramme in Bayern bis Mitte 2025 über zwei Förderrunden insgesamt 24 Elektrolyseprojekte mit einer Gesamtleistung von 143 Megawatt (MW) bewilligt. Die größten aktiven Erzeugungsanlagen stehen momentan in Wunsiedel (8,75 MW) und Pfeffenhausen (5 MW) und wurden über Bundesmittel gefördert. Geplant sind unter anderem auch 125 MW in einer Großelektrolyse in Neustadt an der Donau. Das Ziel von 300 MW bis 2025 aus der Roadmap vom H2.B wurde damit bislang noch nicht erreicht. Ebenso zeigt sich hierbei klar, dass die Planung und Vollendung von Erzeugungsprojekten stark von der Förderung abhängig ist.

Teil des Wasserstoff-Kernnetzes ist das Bundesland mit einer geplanten Leitungslänge von 1.050 Kilometern. Die ersten Kapazitäten im Kernnetz sicherten sich die Anwendungscluster in Burghausen und Ingolstadt mit den Abschnitten HyPipe one und HyPipe two. Ein erster Abschnitt wird aktuell realisiert und soll bis 2027 transportbereit sein. Dieser Abschnitt ist ebenso Teil des Projektes HyPipe Bavaria, das innerhalb des internationalen South H2 Corridors eine Pipeline zwischen Algerien, Tunesien, Italien, Österreich und Deutschland aufbauen soll, um Wasserstoff aus Nordafrika zu importieren. Aber auch auf regionaler Ebene schreitet der Infrastrukturausbau voran. Unter anderem finden die Transport- und Verteilnetzebene Beachtung, sowie werden lokale Umrüstungen wie in Haßfurt oder Hohenwart vorangetrieben.

24 Elektrolyse-Projekte mit einer Gesamtleistung von 143 Megawatt wurden durch das bayerische Förderprogramm bewilligt.

Entwicklungsfelder brauchen Regularien

Trotz der Fortschritte bleibt die allgemeine Marktentwicklung bislang hinter den Erwartungen zurück. Für die Ermittlung von Handlungsfeldern befragte das Wasserstoffbündnis im Rahmen eines Konsultationsprozesses verschiedene bayerische Stakeholdergruppen. Daraus ergibt sich, dass die zentralen Nutzungsfelder von Wasserstoff in der Speicherung von Energie, als Element der Sektorenkopplung und in Anwendungsbereichen liegen, in denen eine direkte Elektrifizierung nicht technisch oder ökonomisch sinnvoll ist.

Auf dem Weg dahin fehle bislang eine Wirtschaftlichkeit auf der Basis stabiler politischer Rahmenbedingungen, verlässlicher Marktprognosen und transparenter Geschäftsmodelle. Außerdem bedürfe es dafür eines Bürokratieabbaus sowie von Anreizmechanismen auf Anwenderseite, die die Markteinführung kohlenstoffarmer Technologien begünstigen. Mechanismen aus anderen Bereichen der Energiewende könnten hierbei als Vorbild dienen, so zum Beispiel Contracts for Difference oder Auktionen für eine langfristige Preisstabilität. Gleichzeitig brauche es zahlreiche Anpassungen an die europäischen RFNBO-Kriterien für mehr Praxistauglichkeit.

Fortschrittsbericht: Flexible Unterstützung für Förderung

Zentral für den Markt bleibt auch weiterhin die Förderung, für die der Fortschrittsbericht eine flexible Unterstützung vorschlägt. Die Förderpolitik solle so angepasst werden, dass „lernende Programme eine Anpassung an den aktuellen Innovationsbedarf und das Innovationstempo vornehmen und dass verabschiedete Gesetze ihre volle Wirkung entfalten, ohne dabei die gesetzlich induzierten Preissignale zu untergraben.“ Änderungen in der Förderlandschaft dürften dann aber nicht zu kurzfristig vorgenommen werden.

Die befragten Stakeholder sehen also regulatorische Baustellen und Handlungsfelder im Mittelpunkt. Die Wasserstoffwirtschaft und -forschung in Bayern zeigt sich jedoch weiter positiv gegenüber dem Einsatz von Wasserstoff in der Transformation. Für Bayern vorliegende Analysen gehen von einem stark steigenden Bedarf an Wasserstoff und seinen Derivaten aus, sodass bei einer steigenden Nachfrage auch Erzeugung und Infrastruktur gesund nachziehen könnten.

Übergabe des Fortschrittsberichts zum Wasserstoffhochlauf in Bayern an Staatsminister Hubert Aiwanger

Foto: Iannicelli/H2.B

Übergabe des Fortschrittsberichts zum Wasserstoffhochlauf in Bayern an Staatsminister Hubert Aiwanger

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